Kommentar: Islamunterricht unter staatlicher Aufsicht

Muslimische Kinder beim Islamkunde-Unterricht in Bonn (Aufnahme von 2007)

Kommentar: Islamunterricht unter staatlicher Aufsicht

Zwei islamische Verbände wollten einen eigenen Religionsunterricht einführen. Doch die Richter am OVG Münster haben das abgelehnt. Die richtige Entscheidung, meint Leo Flamm in seinem Kommentar.

Die Entscheidung der obersten Verwaltungsrichter ist deutlich ausgefallen. Sie sprechen den beiden klagenden islamischen Dachverbänden die Kompetenz und religiöse Autorität ab, in der gesamten islamischen Gemeinschaft reale Geltung zu haben - bis hinunter zu einzelnen Moscheegemeinden. So steht es in der kurzen Mitteilung des Oberverwaltungsgerichts. Eine Revision ist nicht zugelassen. Klarer geht’s kaum, und das ist gut so.

Keine feste Struktur

Bild von Leo Flamm

WDR-Korrespondent Leo Flamm

Die Richter reagieren damit auf eine islamische Gemeinschaft, in der die unterschiedlichsten Auslegungen des Islam gelebt werden. Vor allem fehlen ein alleiniger Ansprechpartner und ein verbindlicher religiöser Kanon. Außerdem gab es jüngst politische Auseinandersetzungen zwischen der Landesregierung und türkischen Moschee-Vereinen der Ditib. Dabei ging es um Spitzelvorwürfe an Imame, die aus Ankara entsendet und bezahlt wurden. Hier vermischten sich ganz offenbar Religion und Politik. Das Land forderte zu Recht eine Loslösung der Ditib von Ankara.

Für einen deutschen Islam

Das Urteil ist ein deutlicher Wegweiser in Richtung eines deutschen Islam. Dieser Weg kann jetzt weiter gegangen werden. Das seit 2012 praktizierte Beiratsmodell eines islamischen Religionsunterrichts in deutscher Sprache wird fortgeführt. Dieser Unterricht wird von fast 20 000 Schülerinnen und Schüler an etwa 230 Schulen besucht. Das Pilotprojekt läuft bis 2019 und wird weiterentwickelt. Auch das ist gut so.

Ziel ist es, im Unterricht den Islam in seiner Vielfalt abzubilden. Er läuft unter staatlicher Aufsicht, in deutscher Sprache und mit Lehrern, die hier ausgebildet wurden. Gut daran ist, dass im Beirat zu diesem Unterricht auch die klageführenden islamischen Dachverbände sitzen. Ihre Vertreter wären gut beraten, in diesem Modell in Zukunft konstruktiv mitzuarbeiten – anstatt zu klagen.

 

Kommentar: Islamunterricht unter staatlicher Aufsicht

WDR 5 Westblick - aktuell | 09.11.2017 | 01:54 Min.

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Stand: 09.11.2017, 12:11