Kommentar: Der übliche Polittourismus

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Ehefrau Elke Büdenbender stehen vor dem Landtag

Kommentar: Der übliche Polittourismus

Von Marion Grob

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier holt seinen offiziellen Antrittsbesuch in Nordrhein-Westfalen nach. Er hatte die Reise im November verschoben. Dabei besucht er leider erwartbare Orte. Ein Kommentar:

Wie schön! Bundespräsident Frank - Walter Steinmeier gibt sich die Ehre, in seiner alten Heimat NRW vorbei zu schauen. Sein Weg führt ihn in die Landeshauptstadt Düsseldorf, nach Aachen, nach Duisburg und Dortmund sowie nach Altena und Arnsberg im Sauerland. Soweit, so gut. Orte im Rheinland, Orte in Westfalen, alles schön ausgewogen. Ach, und aus Lippe kommt er selbst, da kennt er sich aus.

Marxloh, Schrottimmobilien und Nordstadt

Beim näheren Blick auf seine Stationen allerdings steigt Ärger in mir auf: schon wieder Duisburg Marxloh! Und dort natürlich auch wieder zu den von Deutsch-Türken geführten Brautmodenläden! Angela Merkel war auch schon da. Selbstredend erkundigt Steinmeier sich auch nach der task force "Schrottimmobilien". So wie einst Hannelore Kraft.

Kommentar: Zum Abschluss des Steinmeier Besuchs

WDR 5 Westblick - aktuell | 13.03.2018 | 02:52 Min.

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Und danach – mal wieder Dortmund! Wo er mit jungen Polizeibeamtinnen und -beamten über Respekt und Gewalt gegenüber der Polizei in Problemvierteln wie der Nordstadt spricht, natürlich ein sozialer Brennpunkt, multikulti und von manchen als no-go area gescholten. Ach, warum denn bloß zu den immer gleichen Stationen? Wo andere Spitzenpolitiker auch schon waren?

Warum nicht mal an andere Orte?

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Marion Grob

Auf mich wirkt das wie Polittourismus. Warum nicht mal nach Gladbeck - Rentfort, gerade jetzt, 30 Jahre nach der Gladbecker Geiselnahme, die sich dort abspielte. Der Stadtteil hat sich nie mehr richtig davon erholt. Vielleicht hätten Herr Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender eine Idee gehabt, wie Gladbeck mit diesem Viertel zu helfen wäre – insgesamt gibt es in Gladbeck übrigens für Ortsfremde überraschend viel Kulturaktivitäten, Galerien, rührige Schulen wie die Erich Kästner Realschule. Aller Anerkennung wert.

Wo Johannes Rau nicht war, ist auch kein Steinmeier

Oder warum gehen Spitzenpolitiker nicht mal zu den Umsiedlungsdörfern wie Immerrath, Inden oder Lich-Steinstraß im rheinischen Braunkohlerevier? Die stehen seit Jahren im Fokus bundespolitischen Interesses und fürs Ringen um den Ausgleich zwischen Ökonomie und Ökologie – aber nicht mal Johannes Rau war dort, zumindest kann sich dort in der Gegend niemand dran erinnern.

Lieber Bundespräsident Steinmeier! Es ist ja schön, dass Sie Ihre Genossen Oberbürgermeister in Duisburg und Dortmund unterstützen und natürlich –weil Antrittsbesuch- auch die neue Landesregierung unter dem Aachener Armin Laschet. Aber Sie kennen doch NRW. Etwas mehr Einfallsreichtum für das Besuchsprogramm hätte ich von Ihnen, der noch dazu auf eine Karriere als deutscher Chefdiplomat zurück schauen kann, schon erwartet.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besucht Duisburg-Marxloh

WDR 2 | 13.03.2018 | 03:05 Min.

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Stand: 13.03.2018, 11:44