Kommentar: Mehr Gelassenheit!

Einschulung: Erstklässler knieen hinter ihren Schulranzen

Kommentar: Mehr Gelassenheit!

Alle Welt redet über den Schulbeginn und die vielen Probleme, die es in der Schulpolitik so gibt. Das ist verständlich, aber manchmal übertrieben, findet Leo Flamm in seinem Kommentar.

Schule hat begonnen – früher wurde dieser Autoaufkleber der Verkehrswacht zu „Egon hat Schule“ umgeklebt. Das fand man lustig. Heute, das ist mein Eindruck, sind Schule und Schulbeginn zu einer bitterernsten Angelegenheit geworden. Es ist, als würde, von Schuljahr zu Schuljahr, das Schülerleben auf eine Karriereleiter gespannt. An deren Ende bestenfalls das Abitur steht: Die Zeugnisübergabe wird ja schließlich pompös wie eine Oskar-Verleihung gefeiert.

Verständliches Interesse

Bild von Leo Flamm

Leo Flamm

Natürlich ist Schule immer schon ein Aufreger-Thema gewesen: Irgendwann sind wir ja alle mal zur Schule gegangen. Aber wie heute Schulpolitik und schulischer Alltag begleitet werden, das ist schon ein Ding, ein echter Hype. Medial wird jede noch so kleine Panne ausgeleuchtet und kontrovers diskutiert, und wenn es die EU-geförderte überzuckerte Erdbeermilch ist. Stolze Eltern begleiten nicht nur die I-Dötze mit Schultüte zum ersten Schuljahr, sondern später auch in die weiterführende Schule.

Kritik und gute Ratschläge

Verbände begleiten den Schuljahresbeginn mit Ratschlägen und Tipps: Natürlich werden jedes Jahr wieder neu Lehrermangel und Unterrichtsausfall kritisiert. Das tun Lehrerverbände, nicht ohne auf fehlende Ausbildungskapazitäten hinzuweisen und auf marode Schulgebäude. Stiftungen legen Zahlen zur steigenden Geburtenrate vor. Wohlfahrtsverbände fordern Bildungsgerechtigkeit für Flüchtlingskinder. Die Evangelische Kirche bietet Seelsorge zum Schulstart an: Gespräche für Schüler, Lehrer, Eltern und Erziehungsberechtigte. Und schließlich warnen Schulpsychologen die Eltern: sie sollten ihren Schülerkinder doch bitte keine unrealistischen Ziele setzen. Und sich gefälligst Sprüche verkneifen wie: „jetzt beginnt der Ernst des Lebens wieder“.

Ängstliche Eltern

Tatsächlich liegen in vielen Familien die Nerven blank, wenn es um Haus- und Klassenarbeiten geht, um Zensuren und Zeugnisse. Manche Eltern schlafen schlecht, wenn sie an die Leistungen ihrer Zöglinge denken. Das alles ist selbstverständlich ernst zu nehmen. Genauso wie die Baustellen der Schulministerin, die sich nicht in ein oder zwei Jahren im Handstreich erledigen lassen: Lehrermangel, Unterrichtsausfall, Neubauten, Inklusion usw. brauchen Zeit.

Deswegen hier ein Plädoyer für weniger Aufgeregtheit und mehr Gelassenheit! Wir sollten die heiße Luft rauslassen aus der oft viel zu aufgeblasenen Problemdiskussion um die Schulen. Denn tatsächlich verfügt das Land über ein gutes Schulsystem und gute Schüler - auf beides ist Verlass!

Kommentar: Mehr Gelassenheit beim Thema Schule!

WDR 5 Westblick - aktuell | 29.08.2018 | 02:40 Min.

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Stand: 29.08.2018, 15:52