Kommentar: Langsames Internet ist auch unsere Schuld!

Archiv: Ein Mitarbeiter einer Erdbaufirma bündelt Glasfaser-Leerrohre.

Kommentar: Langsames Internet ist auch unsere Schuld!

Bis Ende des Jahres sollte es in NRW überall schnelles Internet geben. Doch Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart hat das Versprechen nun zurückgezogen. Schuld daran sind aber nicht nur die Politiker, meint Stefan Lauscher in seinem Kommentar.

Es klingt so einfach. Politiker versprechen uns das Blaue vom Himmel. Möglichst konkret. Möglichst wohlklingend. Wir hören das ja auch gerne. Wählen solche Leute. Und wenn's dann nicht klappt mit dem Versprechen: Naja, Pech gehabt! Eine Pressekonferenz, ein Interview und die Sache ist abgeräumt.

Bild von Stefan Lauscher

Stefan Lauscher

Klimaziel 40 Prozent weniger Co2 bis 2020: Kassiert! Schnelles Internet für alle in NRW bis Ende 2018: Seit Montag (16.04.2018) zu den Akten gelegt! Was kümmert einen Politiker sein Geschwätz von gestern. Häufig sind die, die uns die schönen Versprechungen gemacht haben, auch schon gar nicht mehr im Amt.

Zugegeben: Die Absage an das Ausbauziel "Schnelles Internet überall in NRW bis 2018" hat das Potential für weitere Politikverdrossenheit. Das Thema beschäftigt viele. Und treibt die, die noch immer in der Breitband-Diaspora leben, täglich zur Verzweiflung. Und trotzdem ist es nur fair, nach den wirklich Schuldigen zu suchen. Hilft nicht beim Frust. Aber sagen wir: Für die historische Richtigkeit.

Kommentar: Schnelles Internet kommt nur langsam

WDR 5 Westblick - aktuell | 16.04.2018 | 03:14 Min.

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Falsche Förderung

Schuldiger Nummer 1 aus meiner Sicht: Der (inzwischen ehemalige) Bundesminister für Digitales Alexander Dobrindt, CSU. Der hat uns nicht nur eine unsägliche Pkw-Maut beschert, sondern auch noch ein Breitband-Förderprogramm, das wie eine Eins passte für seine bayerische Heimat, aber leider nicht für den Rest der Republik. Klare Vorfahrt für die technologisch veraltete, aber billige Kupferkabeltechnik. Im Klartext: Vier komplett verschenkte Jahre, im schnellen digitalen Zeitalter eine halbe Ewigkeit!

Fehlendes Interesse

Schuldige Nummer 2: Wir alle! Wie bitte? Ja, wir alle! Netzbetreiber berichten von Anfragen an Unternehmen in Gewerbegebieten, ob sie an das moderne Glasfasernetz angeschlossen werden wollten. Mit 1000 Mbit pro Sekunde. Zukunft! Aber die für den Netzausbau wirtschaftlich nötige 40-Prozent-Anschlussquote kam nicht zusammen.

Das gleiche erlebe ich gerade in meiner Heimatstadt. Modernes Gigabit-Netz? Ach nö, mir reichen die 50 Mbit, die ich habe. Ich surfe ja nur mal so ein bisschen im Netz. Dann aber werden auch Schulen und Verwaltungen nicht an schnelles Internet angeschlossen. Wer so verschlafen als Kommune, als Unternehmen oder auch als Privatpersonen mit den Zukunftschancen umgeht, darf sich nicht wundern, dass es nicht vorwärts geht.

Neue Versprechen

NRW-Minister Pinkwart hat uns am Montag (16.04.2018) übrigens wieder ein Versprechen gegeben (bzw. ein altes erneuert): Glasfasertechnik überall in NRW bis 2025. Flächendeckend. Alle Schulen (Versorgungsquote bisher: 12 Prozent) und alle Gewerbegebiete (bisher 8 Prozent) sogar schon bis 2022. Das sind gerade mal noch vier Jahre. Vielleicht müssen Politiker ja große Ziele haben. Ich würde es uns wünschen, dass das klappt. Aber bis dahin muss wohl noch viel passieren: in der Politik und in unseren Köpfen.

Stand: 16.04.2018, 15:06