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Kommentar: Diese Schuldebatte kann man vergessen!

Ein leerer Klassenraum

Kommentar: Diese Schuldebatte kann man vergessen!

Im Düsseldorfer Landtag haben CDU und FDP einen Antrag mit Maßnahmen gegen den Lehrermangel eigebracht. Beide Parteien haben dabei Dinge von der Landesregierung gefordert, die diese längst plant. Absurd, meint Leo Flamm in seinem Kommentar.

In der Schulpolitik läuft es, könnte man sagen. Um sofort hinterherzuschieben: Schulministerin Gebauer versucht, mit kleinen Schritten und vielen Einzelinitiativen den Mangel an Lehrkräften zu beheben. 15 000 Lehrer werden in den nächsten 10 Jahren fehlen. Das ist die dramatische Situation an den Schulen, die die Schulministerin in den Griff kriegen muss. Die Schulministerin hat also ein Riesen-Problem.

Nur alte Projekte

Bild von Leo Flamm

Leo Flamm

Diesen Status-Quo des Problemfelds Schule zum Anlass für einen Jubelantrag zu nehmen, grenzt an politische Unverfrorenheit. So geschehen heute im Landtag, in einem gemeinsamen Antrag der Regierungsfraktionen von CDU und FDP. Wenn man nicht wüsste, dass der Antrag politisch ernst gemeint war, wär´s zum Lachen.

Da werden tatsächlich in 13 kleinteiligen Punkten luftige Vorschläge und Maßnahmen formuliert, die als Auftrag an die eigene Landesregierung gehen. Und dazu garniert mit weiteren angeblichen Initiativen, die von der Schulministerin jedoch längst ergriffen wurden: Die endlich für alle zwei Jahre eingeführte Lehrerbedarfsprognose, Erfolge mit Quereinsteigern, Oberstufenlehrern für die Grundschule oder einer Lehrerkampagne. Aber der Hinweis auf das Lückenstopfen ist leider noch keine Lösung.

Wichtiges fehlt

Der Antrag der Regierungsfraktionen ist vor allem deshalb eine Luftnummer, weil ein wesentliches Argument komplett ausgespart wurde: die bessere Bezahlung von Grund- und Sekundarstufe 1- Lehrern. Die Anhebung der Gehälter von A12 auf A13 wurde von der Schulministerin zwar angekündigt, aber nichts davon findet sich im Antrag der Regierungsfraktionen wieder. Solange eine gleiche Bezahlung für gleichlange Ausbildungszeiten an den Unis fehlt, dürften sich also Lehramtsstudenten weiter gegen diesen nachgefragten Lehrerjob entscheiden. Auch wenn die Kosten von jährlich bis zu 600 Millionen Euro ein kaum verdaulicher Brocken für den Finanzminister sind.

Zeichen von Hilflosigkeit

Schulunterricht

NRW braucht dringend mehr Lehrer

Hauptursache für den Lehrermangel sind fehlende Studienplätze für das Grundschullehramt. Hier braucht es dringend mehr an den Unis. Tatsächlich wurden von Schwarz-Gelb bereits 339 Studienplätze für Grundschullehrer neu geschaffen, und 250 für Sonderpädagogen. Aber immer noch gibt es derzeit mehr freie Lehrerstellen als Bewerber. Dennoch gehen die Ansätze der Schulministerin hier grundsätzlich in die richtige Richtung.

Trotzdem signalisiert der Antrag der Fraktionen von CDU und FDP für die Schulpolitik ein großes Maß an Hilflosigkeit. Er spart wichtige Positionen aus: der Ganztag oder die Digitalisierung werden erst gar nicht erwähnt. Und es wird versucht, die existierende Mangelverwaltung als Erfolg zu verkaufen. Eine Debatte, die man getrost vergessen darf!

Kommentar: Diese Schuldebatte kann man vergessen!

WDR 5 Westblick - aktuell 20.03.2019 02:45 Min. WDR 5

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Stand: 20.03.2019, 11:33