Das "Hambi"-Gefühl...

Hambacher Forst

Das "Hambi"-Gefühl...

Die Diskussion um den Braunkohleabbau im Hambacher Forst ist zwar sehr emotional, aber auch sehr kurzsichtig, kommentiert Ulrich Horstmann. Früher oder später würde nämlich die Bechsteinfledermaus in einem Windrad sterben.

Anfang der 1980er Jahre kam ein ziemlich sperriger Film von Alexander Kluge in die Kinos, aber sein Titel ist klasse: "Die Macht der Gefühle". Kluge zeigt darin, wie sehr wir von Emotionen bestimmt sind, obwohl wir glauben, meistens vernunftgesteuert zu handeln. Seitdem der Hambacher Forst als "Hambi" bezeichnet wird, muss ich an diesen Filmtitel denken, denn die goldige Abkürzung löst offenbar bei vielen Beschützerinstinkte aus, wie es sonst wohl nur dem legendären Bambi gelingt.

Sind wir nicht alle ein bisschen "Hambi"?

Und dann bietet der Konflikt um "Hambi" auch noch großes Kino: Auf der einen Seite die böse RWE, die Wälder rodet und das Klima anheizt, auf der anderen die "Aktivisten" in ihren Baumhäusern, die heldenhaft und stellvertretend für uns das Klima retten. Wer hier mit den Aktivisten fiebert, darf das gute Gefühl haben, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen. Sind wir nicht alle ein bisschen "Hambi"? Und tatsächlich: Die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger in NRW sagt: Hambi muss bleiben.

Das "Hambi"-Gefühl...

WDR 5 Westblick - aktuell | 24.10.2018 | 02:35 Min.

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Fledermäuse mit Standortvorteil

Viele Windräder in der Abendsonne bei fast wolkenlosem Himmel

Gegen Windanlagen wird nicht protestiert

Doch etwas macht mich stutzig. Die meisten Umweltschützer und Hobby-Ökologen stört es offenbar nicht, dass in ihrem Hambi zwar die Bechsteinfledermaus gerettet werden soll, aber gleichzeitig durch Windkraftanlagen ungezählte dieser Tierchen getötet werden. Es gibt offenbar Fledermäuse mit Standortvorteil. Noch seltsamer ist es, dass für die Errichtung von Windkraftanlagen beachtliche Waldflächen gerodet werden müssen. Aktivisten, die dort Baumhäuser errichten, wurden bislang noch nicht gesichtet – wie etwa im benachbarten Bundesland Hessen. Dort soll aktuell der Reinhardswald, der berühmte "Märchenwald" der Brüder Grimm, in eine Art Industriepark für Windräder umgewandelt werden. Gar nicht märchenhaft.

Nicht nur hier zeigt sich: Unser ungeheurer Energiehunger – man denke nur an die stromschluckenden E-Autos – wird ohne erhebliche Kollateralschäden an der Umwelt nicht zu stillen sein. Selbst dann nicht, wenn wir die Energie dafür alternativ erzeugen. Die Annahme, Strom könne in diesen Mengen sauber produziert werden, ist eine Illusion – allen schönen Öko-Gefühlen zum Trotz.

Stand: 24.10.2018, 15:47