Schlichtung statt Polizei

Drei Baumhäuser im Hambacher Forst

Schlichtung statt Polizei

Wieder ein Unfall im Hambacher Forst: Eine junge Aktivistin ist am Donnerstag (27.09.18) sechs Meter in die Tiefe gestürzt. Der Widerstand wächst. Das ist ein Problem, das die Polizei nicht lösen kann, sagt Irene Geuer in ihrem Kommentar.

Wenn ich die Bilder und Filme sehe, die heute wieder ungeschnitten von Journalisten im Netz veröffentlicht wurden, dann erinnert mich das an vergangene Zeiten. Anti Atom, Startbahn West und und und. Was glaubt wohl ein Innenminister Reul? Dass seine Polizei - wie das früher Tradition war - auch jetzt die Sache ritzt, den Wald fegt, damit RWE mit dem Baggergerät anrückt und alles ist wieder gut? Die Geschichte hat uns gezeigt, dass es nicht mehr gut wird.

Ähnlich wie Stuttgart 21

"Hambi bleibt" steht auf einem Baumstamm im Wald

Tausende Menschen wollen eine neue Energiepolitik und die immer größer werdenden Demonstrationen in Hambach machen klar, es ist ihnen ernst. Und zwar nicht nur den jungen Umweltaktivisten, da versammeln sich Handwerker, Ärzte, Rentner, eben das, was gesellschaftlichen Mitte ausmacht. Und um noch mal in die Geschichts-Kiste zu greifen. Stuttgart 21 – da war es ähnlich wie heute im Hambacher Forst. 2010. Das Bahnprojekt hatte es in die Tagesschau geschafft. Der Protest war groß. Damals ging es um Mineralwasservorkommen im Boden und um die grüne Lunge der Stadt, den Schlossgarten. Als die ersten Bäume fallen sollten, strömten tausende in den Park. Schon vorher hatte es immer wieder Demonstrationen gegeben, immer größere. Dann ein Polizeieinsatz, den die Stadt nicht vergessen wird. Viele Menschen werden zum Teil schwer verletzt. Damals große Betretenheit in der Politik.

Der Schlichter - die Lösung

Die Situation war völlig aus dem Ruder gelaufen. Eine Polizei, die mit Wasserwerfern das wegspülen sollte, was politisch störte. Aus Berlin kam damals der Satz von Regierungssprecher Seibert, wie wichtig es doch sei, wieder ins Gespräch zu kommen. Und das passierte: Schlichterverfahren mit Heiner Geißler. Ein absolutes Novum in Deutschland, die Dinge wurden öffentlich besprochen, Liveübertragung bei Phönix mit exorbitanten Einschaltquoten in ganz Deutschland. Ein Stück Demokratie wurde gesendet. Tagelang. Und nach dem Schlichterspruch ein Referendum. Die Menschen konnten abstimmen über Stuttgart 21. Es hat danach nie wieder eine derartige Eskalation gegeben, bei der Polizei politischen Willen durchsetzen musste. Das könnten wir wiederholen. Mit dem Hambacher Forst. Die Zeit haben wir. Man muss es nur wollen.

Schlichtung statt Polizei

WDR 5 Westblick - aktuell | 27.09.2018 | 02:14 Min.

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Stand: 27.09.2018, 15:36