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Kommentar: Fortuna-Spieler in der Salutier-Falle

Kaan Ayhan von Fußball-Bundesligist Fortuna Düsseldorf jubelt über seinen Treffer gegen Werder Bremen am 1. Spieltag.

Kommentar: Fortuna-Spieler in der Salutier-Falle

Von Thomas Kalus

Nach dem Einmarsch in Nordsyrien salutieren mit Kaan Ayhan und Kenan Karaman zwei türkische Spieler Fortuna Düsseldorfs in der Kabine. Der Verein reagiert unbeholfen. Ein Kommentar:

Es ist und bleibt ein Eklat: Mit ihrem militärischen Gruß haben die türkischen Nationalkicker meiner Meinung nach ganz offen ihre Unterstützung für den Angriff türkischer Truppen auf die Kurdengebiete in Syrien gezeigt.

Unentschuldbarer Salut in der Kabine

Thomas Kalus

Thomas Kalus

Das, was sich später in der türkischen Umkleidekabine abspielte, finde ich unentschuldbar: Die komplette Mannschaft mitsamt Betreuern und Trainerteam salutierte mit ausgestreckter Hand an der Stirn. Der türkische Verband verbreitete stolz das Bild in den Sozialen Medien. Im Text heißt es übersetzt: Die Mannschaft widmet den Sieg den tapferen Soldaten und Märtyrern.

Die Europäische Fußball-Union (Uefa) reagierte sofort: Man werde den Sachverhalt prüfen und ein Verfahren gegen den türkischen Fußball-Verband einleiten, sagte ein Verbandssprecher. Bei ähnlichen Fällen hatte es in der Vergangenheit harte Sanktionen gegeben.

Verein sieht kein politisches Statement

Politische Äußerungen und Botschaften sind nach den Regularien in den Fußballstadien grundsätzlich verboten. Der türkische Landesverband muss also nun mit einer Bestrafung rechnen. Von ihrem Verein müssen die beiden Fortuna-Profis Ayhan und Karaman aber offenbar keine Sanktionen fürchten.

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Fortuna-Sportvorstand Lutz Pfannenstiel stärkte seinen beiden Spielern demonstrativ den Rücken: In einem Telefonat hätten ihm die Spieler glaubhaft versichert, dass ihre Aktion nur eine Solidaritätsbekundung für Soldaten und ihre Angehörigen gewesen sei - verbunden mit dem Wunsch, dass sie wieder gesund zu ihren Familien zurückkehren können.

Eine naive Sichtweise auf die Dinge

Und Pfannenstiel erklärte weiter: Der Club sei davon überzeugt, dass den Fortuna-Profis nichts ferner lag, als ein politisches Statement abzugeben. Beide Spieler stünden für die Werte, die der Verein lebt.

Ich finde, das ist eine sehr naive Sichtweise. Der von den Spielern gezeigte Militärgruß ist und bleibt ein kollektiv vorgetragenes politisches Statement - und eine Solidaritätsbekundung für das türkische Militär. Die Fortuna-Vereinsführung wäre gut beraten, sich die beiden Spieler vorzuknöpfen.

Nicht vereinbar mit Vereins-Werten

Da reicht es meiner Meinung nach nicht aus, ein klärendes Gespräch mit den Spielern zu führen. Es wäre zu wünschen, dass sich der Verein eindeutig von Kriegstreiberei und der militärischen Invasion mit Hunderten von Toten distanziert. Immerhin wird der türkische Militäreinsatz weltweit scharf kritisiert.

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In der eigenen Satzung steht unmissverständlich, dass sich der Club und alle Beschäftigten – somit auch die Spieler - weltanschaulich, politisch, rassisch und religiös neutral verhalten müssen. Und dass allen diskriminierenden oder menschenverachtenden Verhaltensweisen aktiv entgegengetreten wird.

St. Pauli positioniert sich deutlich

Der Hamburger Zweitligist FC St. Pauli zeigt eine andere Reaktion auf ähnliche Vorkommnisse: Dessen Linksaußen Cenk Sahin hatte via Instagram eine Solidaritätsbekundung für die Syrien-Offensive des türkischen Militärs verbreitet. Davon distanzierte sich der Club klar. So etwas sei mit den Werten des Vereins nicht vereinbar. Und darunter steht der Satz „Nie wieder Krieg!“. Eine ähnliche Reaktion hätte ich mir auch von Fortuna Düsseldorf gewünscht.

Das Syrien-Türkei-Problem Fortuna Düsseldorfs

WDR 5 Westblick - aktuell 14.10.2019 02:59 Min. Verfügbar bis 13.10.2020 WDR 5

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Stand: 14.10.2019, 14:55