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Kommentar: Was bringt Carsharing?

Durch die Heckscheibe eines Carsharing-Wagens ist der Fahrer zu sehen

Kommentar: Was bringt Carsharing?

Von Daniela Junghans

Kann Carsharing das eigene Auto ersetzen? Momentan noch nicht, dafür ist das System noch zu unkomfortabel. Aber es hat Zukunft, meint Daniela Junghans in ihrem Kommentar.

Ich bin heute morgen mit dem Leihfahrad ins Büro gekommen. Und größere Einkäufe erledige ich gern mit einem Leih-Auto. Das ist alles sehr praktisch, mein einziges Problem: manchmal muss ich ein wenig laufen bis zum nächsten Auto, denn nicht immer steht eins direkt vor meiner Tür. Ein Luxusproblem!

Daniela Junghans

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Das alles funktioniert aber nur, weil ich in Düsseldorf wohne, und zwar ziemlich zentral. Ich lebe innerhalb eines Gebietes, in dem gleich zwei Firmen so genanntes Free-Floating-Carsharing anbieten: die Autos stehen nicht an einem festen Ort, sondern können quasi an jeder Straßenecke geparkt und zurückgegeben werden. Sehr praktisch, ich brauche deshalb kein eigenes Auto.

Doch sorgen diese rund 500 Mietautos dafür, dass mehr Düsseldorfer darauf verzichten, ein eigenes Auto zu kaufen? Oder sogar das eigene Auto wieder verkaufen, weil sie es nun nicht mehr brauchen? Das mag in einzelnen Fällen durchaus mal vorkommen, die Regel ist es nicht. Nicht in Düsseldorf, und auch nicht in Köln oder beispielsweise Berlin, wo die Situation ähnlich ist.

Damit Carsharing mehr wird als ein nettes Ad-on im Großstadtleben, muss viel mehr passieren! Nicht 500 Mietautos pro Stadt, 5.000 sollten es mindestens sein, gern noch mehr. Denn erst wenn immer dann auch ein Auto verfügbar ist, wenn man eines benötigt, denkt man doch ernsthaft darüber nach, das eigene Auto abzuschaffen. Wenn die Politik dann noch kostenlose, extra für Carsharing reservierte Parkplätze an wichtigen Orten der Stadt einrichtet … und die Mietpreise für die Autos bezahlbar sind … ja, dann wäre Carsharing eine tolle Idee. Rentabel wäre das dann aber wahrscheinlich nicht für die Unternehmen, da müsste also die Politik großzügig subventionieren – oder am besten direkt selber Autos anschaffen und verleihen. Fände ich persönlich gut, aber das wäre natürlich eine ziemlich umstrittene Angelegenheit. Ich kann mir die Debatten in der NRW-Landespolitik dazu schon lebhaft vorstellen.

Kommentar: Was bringt Carsharing?

WDR 5 Westblick - aktuell 09.08.2019 02:33 Min. Verfügbar bis 08.08.2020 WDR 5 Von Daniela Junghans

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Nicht nur, weil es mal wieder nur uns Städtern helfen würde. Carsharing-Ideen für den ländlichen Raum weiter zu entwickeln, das ist die eigentliche Herausforderung. Zwar gibt es in einigen Orten schon stationäre Angebote, aber die verfügen meist nur über ein paar Autos – nichts, was ernsthaft eine Alternative ist zum Kauf eines eigenen Autos. Hier brauchen wir dringender noch als in den Städten neue Konzepte und das nötige Geld, um sie auch umzusetzen!

Stand: 09.08.2019, 15:07