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Gesamtschulen sind gefragt!

Unterricht an einer Gesamtschule: Eine Lehrerin schreibt eine Gleichung an die Tafel

Gesamtschulen sind gefragt!

Fast 320.000 Schüler in NRW besuchen derzeit eine Gesamtschule, die Zahlen steigen schon seit vielen Jahren kontinuierlich. Es ändert sich also etwas in NRWs Schullandschaft, kommentiert Daniela Junghans.

Können Sie sich erinnern, wie heftig noch vor einigen Jahren das klassische dreigliedrige Schulsystem verteidigt wurde? Wie verbissen viele Politiker an der Unterteilung in – Achtung, Euphemismus - eher praktisch oder eher theoretisch begabte Kinder festhielten? Wie heftige die „Gleichmacherei“ an den Gesamtschulen verdammt wurde?

Heute scheint das alles ziemlich weit weg zu sein, lange her. Die Haupt- und Realschulen in NRW haben immer weniger Schüler, Eltern entscheiden sich stattdessen viel lieber für ein längeres gemeinsames Lernen an Gesamtschulen. Die stehen deshalb auf Platz 2 der Liste der Weiterführenden Schulen, mit rund 320.000 Schülern. Nur die Gymnasien haben in NRW noch mehr Schüler, momentan knapp 512.000.

Kommentar - zu wenig Gesamtschulplätze?

WDR 5 Westblick - aktuell 05.03.2019 02:50 Min. WDR 5

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Eltern wollen Gesamtschulen

Bild vin Daniela Junghans

Daniela Junghans

Das Interesse an den Gesamtschulen steigt seit Jahren, zuletzt waren es im Schnitt immer 12.000 Schüler mehr pro Jahr. Die Folge: Vor allem Hauptschulen müssen schließen, weil es nicht genügend Anmeldungen gibt. Dafür entstehen immer wieder neue Gesamtschulen. Schuld daran sind die Eltern! Sie haben, anders als manche Politiker, längst verstanden, dass der längere gemeinsame Unterricht den Kindern nicht schadet, sondern hilft.

Es entlastet Kinder und Eltern, wenn sie nicht schon in der 4. Klasse entscheiden müssen, ob das Kind mal studieren soll und deshalb ein Abitur braucht. Die Kinder stehen auf einer Gesamtschule auch weniger unter Druck, denn sie müssen nicht fürchten, bei schlechten Noten auf eine andere Schule geschickt zu werden, ihre Freunde zu verlieren.

Run auf Gesamtschulen: Viele Anmeldungen, wenig Plätze

WDR 2 05.03.2019 02:45 Min. WDR Online

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Gesamtschulen sind die logische Konsequenz, wenn eine Gesellschaft möchte, dass möglichst viele Kinder den jeweils bestmöglichen Abschluss machen. Und sie haben derzeit noch einen weiteren Vorteil: wer auf einer Gesamtschule das Abitur machen will, hat dafür auch jetzt schon ein Jahr mehr Zeit als am Gymnasium, wo noch G8 gilt. Das hat die Gesamtschulen in den vergangenen Jahren auch für manche Eltern potenzieller Gymnasial-Kinder attraktiver gemacht.

Mehr gemeinsames Lernen

Eine Lehrerin beugt sich im Klassenzimmer über einen Tisch, daran sitzen ein Junge und ein Mädchen, beide Inklusionskinder. Im Hintergrund sind mehrere Schüler zu sehen.

Recklinghäuser Lehrerin mit Inklusionskindern

Die Gesamtschule zeigt, wohin sich unser Schulsystem entwickeln sollte, entwickeln muss: langfristig brauchen wir eine Schule, an der alle Kinder lernen, gemeinsam – und jedes so gefördert wird, wie es nötig ist. Eine solche Schule ist nur konsequent in einer Zeit, in der wir über Inklusion reden, also über gemeinsames Lernen von behinderten und nicht-behinderten Kindern. Denn wo kann das klappen, wenn nicht an einer Schule für wirklich alle Kinder?! Einer Schule für alle Abschlüsse, die damit zurechtkommt, dass sich Kinder unterschiedlich entwickeln, dass manchmal erst spät klar wird, wohin die Reise gehen soll.

Die meisten Eltern haben das längst erkannt. Das zeigt sich daran, dass es in vielen NRW-Städten mehr Bewerber als Plätze an den Gesamtschulen gibt. Nur die Politik hinkt mal wieder hinterher: ihr Job ist es, jetzt zügig mehr Gesamtschulen einzurichten, damit kein Kind mehr abgelehnt werden muss.

Stand: 05.03.2019, 16:22