"Ich schreibe sehr gerne Songs, wenn der Tag lang ist"

"Ich schreibe sehr gerne Songs, wenn der Tag lang ist"

Sie hat der deutschsprachigen Popmusik wieder auf die Beine geholfen. Doch die ehemalige Wir sind Helden-Frontfrau Judith Holofernes findet, dass viele Bands lieber nicht auf Deutsch singen sollten. Warum, verrät sie im WDR 5 Tischgespräch.

Judith Holofernes 2014

"Ich wollte in die Rolle des Chaos schlüpfen", sagt Judith Holofernes, die heute Buddhistin ist und als Kind "wahnsinnig verträumt" und chaotisch war: Im Bus vergaß sie ihre Schulsachen, aus dem Ferienlager kam sie mit nur einem Schuh zurück. Dass ihre Songs schon immer viel mit ihr selbst zu tun haben, ist kein Geheimnis. "Man kann mich lesen wie ein Buch", sagt sie. "Ich schreibe über alles, was mir so einfällt, alles was lang genug in meinem Kopf kreist. Wenn ich in Gesprächen Formulierungen wiederhole, dann weiß ich schon: Da kommt ein Song."

"Ich wollte in die Rolle des Chaos schlüpfen", sagt Judith Holofernes, die heute Buddhistin ist und als Kind "wahnsinnig verträumt" und chaotisch war: Im Bus vergaß sie ihre Schulsachen, aus dem Ferienlager kam sie mit nur einem Schuh zurück. Dass ihre Songs schon immer viel mit ihr selbst zu tun haben, ist kein Geheimnis. "Man kann mich lesen wie ein Buch", sagt sie. "Ich schreibe über alles, was mir so einfällt, alles was lang genug in meinem Kopf kreist. Wenn ich in Gesprächen Formulierungen wiederhole, dann weiß ich schon: Da kommt ein Song."

Die Zeit mit Wir sind Helden bezeichnet Judith Holofernes als magisch. Sie erinnert sich an einen Moment, als sich eine Plattenfirma bei ihr gemeldet habe und endlich mit einem Plattenvertrag winkte. Allerdings nur für Judith Holofernes – die Band solle sie loswerden, riet man ihr. "Das habe ich damals sehr beherzt abgelehnt und dann erst den anderen davon erzählt. Ab dem Moment hat sich für uns alles gedreht. Das hat eine bestimmte Magie, sich eindeutig zu Sachen zu bekennen und sich von anderen eindeutig abzuwenden."

"Ich hab das absolute Best-Case-Szenario in der deutschen Poplandschaft abbekommen", glaubt Judith Holofernes. "Wir hatten einen Song im Radio, unser Video lief auf MTV, bevor wir einen Plattenvertrag hatten." Dadurch konnten sie später gute Verträge mit den Plattenfirmen aushandeln – und ihr eigenes Ding machen. "Uns hat nie jemand reingeredet."

Doch Basisdemokratie kann auch ziemlich aufreibend sein. "Wir waren für uns selbst eine anstrengende Band. Es war sehr schön und auch sehr innig, wir waren sehr enge Freunde. Aber wir haben von Anfang an in drei verschiedenen Städten gewohnt und wir haben alles, alles, alles diskutiert."

Sie stürmten mit vier Alben die Charts, erreichten Gold, Platin, Doppelplatin, wurden mit der 1live Krone und dem Echo ausgezeichnet. Als Band waren Wir sind Helden in ihrer zwölfjährigen Bandgeschichte ziemlich erfolgreich. Was braucht man dafür? "Man braucht Glück, aber man muss es auch erkennen, wenn es sich einem bietet und man muss sich selber nicht im Weg stehen. Und ich glaube, dass Eindeutigkeit und ein scharfes Profil dabei helfen."

Nach zwölf Jahren war es aus mit den Helden. "Bring mich nach Hause" (2010) heißt das Abschiedsalbum. Vier Jahre später stand das erste Solo-Album "Ein leichtes Schwert" der ehemaligen Frontfrau in den Plattenregalen. "Es war ein sehr schwerer Abschied, aber einer, mit dem ich jetzt glücklich bin."

Coole, selbstbewusste, deutschsprachige Popmusik war zur Jahrtausendwende selten im Radio zu hören. Erst Wir sind Helden ermutigten wieder viele neue Bands, in ihrer Muttersprache zu singen. Allerdings sei das gar nicht immer die beste Entscheidung, meint Judith Holofernes: "Das ist ein zweischneidiges Schwert. Ich finde, dass viele Bands nicht unbedingt auf Deutsch singen müssten, weil der Nachteil ist, dass man alles versteht! Viele Dinge landen dann sehr schnell im Schlager oder in Grußkarten-Weisheiten."

Stand: 05.04.2017, 15:26 Uhr