Joachim Król: "Das war meine Rettung"

Joachim Król: "Das war meine Rettung"

Joachim Król hat in so vielen bekannten Produktionen mitgespielt – und ist dabei angenehm zurückhaltend geblieben. Im Tischgespräch blickt er auf seine Karriere zurück, die holprig startete. Und er erzählt, warum er gerade mit seiner Wahlheimat Köln hadert.

Szene mit Joachim Król in "Wir können auch anders", Mann hinter Autotür

Nach Karriere sah es ganz am Anfang nicht aus für Joachim Król. Bis Regisseur Detlev Buck auf ihn zukam. "Wir können auch anders", ein Roadmovie über den Umbruch in Ostdeutschland nach der Wende, war 1993 Joachim Króls erster großer Erfolg als Schauspieler. "Ich war 35 Jahre alt. Es war ein Neustart, meine Rettung", erzählt er im WDR 5 Tischgespräch mit Maria Ott. Er war nach der Schauspielschule zwei Jahre am Theater, träumte eigentlich von einer Theaterkarriere. Dann folgten fünf Jahre "Saure-Gurken-Zeit". Der Film habe alles verändert.

Nach Karriere sah es ganz am Anfang nicht aus für Joachim Król. Bis Regisseur Detlev Buck auf ihn zukam. "Wir können auch anders", ein Roadmovie über den Umbruch in Ostdeutschland nach der Wende, war 1993 Joachim Króls erster großer Erfolg als Schauspieler. "Ich war 35 Jahre alt. Es war ein Neustart, meine Rettung", erzählt er im WDR 5 Tischgespräch mit Maria Ott. Er war nach der Schauspielschule zwei Jahre am Theater, träumte eigentlich von einer Theaterkarriere. Dann folgten fünf Jahre "Saure-Gurken-Zeit". Der Film habe alles verändert.

25 Jahre liegt der Film zurück. Die Mauer ist genauso lange weg, wie sie gestanden hat. Deswegen macht Joachim Król zu diesem Film gerade ein Buchprojekt. "Wir reisen vom Westen in den Osten, begegnen Leuten mit West-Ost- bzw. Ost-West-Biografie." Andreas Thom, der erste Fußballprofi, der vom Osten in den Westen gegangen ist, sei darunter, sein Filmpartner von damals, Horst Krause, oder Menschen, die zwei Tage vorm Mauerfall geflohen sind.

Ab Donnerstag (13.09.2018) ist Joachim Król wieder auf der Kinoleinwand zu sehen: in "Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm". "Es ist eine außergewöhnliche Arbeit gewesen, die uns alle überrascht hat", so Joachim Król über den Film, der in die Zeit der späten Zwanziger Jahre eintaucht. Regisseur Joachim Lang habe zwölf Jahre daran gearbeitet. "Dann will man auch, dass es viele erreicht. Das ist Kunst im besten Sinne des Wortes."

Joachim Król mit seiner Frau Heidrun, die Lehrerin ist. Er hatte nie daran gezweifelt, Schauspieler zu werden. Aber Angst hatte er schon, "diesen Traum in andere Hände zu geben", tatsächlich an die Schauspielschule zu gehen. "Meine Frau hat noch mehr daran geglaubt als ich." Król ist 1957 in Herne geboren, der Vater war Bergmann, die Mutter Hausfrau. Dem Vater sei es ganz wichtig gewesen, ihm Bildung und damit auch Kultur zu ermöglichen. Mit 24 ist er zur Schauspielschule nach München gegangen.

Mit München ist er nie warm geworden. "Bayern und Westfalen, das passte in meinem Fall nicht zusammen", sagt der glühende Fan von Borussia Dortmund. Nach der Ausbildung wollte er an kein Theater südlich von Frankfurt. Moers am Niederrhein ist es geworden. Aber so richtig war es das auch nicht. Es war ein jahrelanges Herumirren – und dann kam Gott sei Dank der Film.

Richtig berühmt gemacht hat ihn 1994 "Der bewegte Mann" mit Til Schweiger, in dem er einen Schwulen spielt. Danach habe er nur noch Schwulen-Rollen angeboten bekommen, aber abgelehnt. Der Film habe ihm "unfassbar großen Spaß" gemacht, erzählt Joachim Król im Tischgespräch. Da Regisseur Sönke Wortmann bei der Arbeit sehr still und konzentriert sei und kaum Feedback gebe, habe das ein schwuler Mitarbeiter aus der Ausstattung für ihn gemacht, der ihm nach jedem Take Zeichen gab, wie er es fand. "Er sollte sich mit mir identifizieren können."

"Es zieht sich durch meine Geschichte, dass ich Dinge zu Beginn falsch eingeschätzt habe, die sich dann als absolut goldwert erwiesen haben", hat Joachim Król festgestellt. "Zugvögel – Einmal nach Inari", eine Kriminal-Komödie von 1998, die in Finnland spielt, habe er alleine mit seiner Frau noch vor der Premiere gesehen. Und sie danach mit allergrößten Zweifeln gefragt: "Meinst du, dass diese Geschichte irgendjemanden interessiert?" Er lag komplett daneben.

Er steht oft für den Sonderling, den stillen, seltsamen, leicht verschrobenen Typen. So wie in  Helmut Dietls "Rossini", wo er den menschenscheuen Schriftsteller Jakob Windisch spielt – eine sehr stille Rolle. "Ich wollte den nicht spielen, bis ich während der Arbeit begriffen habe: Wenn ich nicht da bin, reden alle über mich. Es war die verdammte Hauptrolle", stellt er lachend fest.

Joachim Król mag selbstbewusste Regisseure. Er schwärmt von Jan Bonny, mit dem er die Fernsehproduktion "Über Barbarossaplatz" gemacht hat. Tom Tykwer, mit dem er unter anderem "Die tödliche Maria" oder "Lola rennt" gedreht hat, bezeichnet er als  "vorbildhaft", er sei ein "Zentrum". Und Helmut Dietl war "ein König, der seinem Hofstaat ein Fest bereitet".

Joachim Król erzählt im Tischgespräch, dass er mit seinen Rollen gelassener wird, nicht mehr so "manisch-fixiert" ist. Diese Gelassenheit basiere auf guter und präziser Vorbereitung. Oft sei es ein Kampf, diese bei einer Film- oder Fernsehproduktion zu bekommen, rechtzeitig ein Drehbuch zu erhalten: "Tempo und Schnelligkeit sind die größten Irrtümer unserer Zeit."

Joachim Król spielte den Tatort-Kommissar aus Frankfurt, an der Seite von Nina Kunzendorf. Er hat in so vielen erfolgreichen Produktionen mitgewirkt – und ist doch angenehm zurückhaltend geblieben. Interviews gibt er nicht viele. "Ich bin keine Plaudertasche", sagt er. Seit mehr als 30 Jahren lebt er mit seiner Familie in Köln. "Der Kölner an sich ist selber berühmt genug, da bin ich uninteressant", antwortet er auf die Frage, ob er auf der Straße oft angesprochen wird.

Zurzeit hadere er aber mit Köln. "Sehen Sie mich in einer Zweitliga-Stadt ohne Theater im Zentrum? Wo ist das Schauspielhaus, wo ist die Oper? Wenn ich in die Innenstadt gehe, blutet mir regelmäßig das Herz." Das sei so bitter, findet Joachim Król. "Das beschädigt das Ansehen dieser Stadt in einem Maße, das die Verantwortlichen offensichtlich nicht einschätzen können."

Stand: 06.09.2018, 10:31 Uhr