Ewald Lienen: "Ich hatte Riesenglück"

Ewald Lienen

Ewald Lienen: "Ich hatte Riesenglück"

Ewald Lienen vom FC St. Pauli ist Mahner, Querdenker, meinungsstark. Im Tischgespräch wünscht er sich einen Sportminister, erzählt von seiner Zeit als politischer Aktivist und wie ein brutales, unvergessenes Foul gegen ihn zu einem Umdenken im Fußball führte.

Ewald Lienen spielte als Profifußballer für Bielefeld, Borussia Mönchengladbach und Duisburg, auch als Trainer arbeitete er in der Bundesliga. Nun ist er seit mehr als vier Jahren beim FC St. Pauli angestellt, zunächst als Trainer, inzwischen als Technischer Direktor, der vor allem für die Repräsentanz des Vereins zuständig ist. "Die ganze Ausrichtung des Clubs gefällt mir", schwärmt er im Tischgespräch mit Gesa Rünker. Denn es gehe nicht nur darum, "Punkten und Meisterschaften hinterherzulaufen, sondern sich auch gesellschaftlicher Verantwortung bewusst zu werden."

Ewald Lienen, Technischer Direktor beim FC St. Pauli

WDR 5 Tischgespräch 03.04.2019 54:12 Min. Verfügbar bis 02.04.2020 WDR 5

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Der Name Ewald Lienen ist mit viel mehr als dem Fußballer verbunden. Der 65-jährige, gebürtige Ostwestfale war auch politischer Aktivist, engagiert in der Friedensbewegung.

Forderung nach einem Sportminister

Gesa Rünker und Ewald Lienen

Gesa Rünker im Gespräch mit Ewald Lienen

Sollten sich Spieler intensiver politisch an Diskussionen beteiligen? Eine uralte Diskussion, findet er. "Es geht nicht darum, ob Fußballer sich beteiligen, sondern ob Menschen sich beteiligen." Und dafür sei es wichtig, "die demokratischen Werte, die uns wichtig sind, in den Alltag – Familien, Kindergärten, Schulen, Sportvereinen – einfließen zu lassen." Sport müsste, um Jugendlichen Werte zu vermitteln, eine viel größere Rolle spielen, meint Lienen – und fordert in dem Zusammenhang einen Sportminister "und nicht irgendeinen Innenminister, der by the way im Hintergrund den Sport betreut."

Wenn nicht Profifußballer, wäre Ewald Lienen Hochschullehrer geworden. Die Jugendarbeit in den Vereinen zu stärken, liegt ihm am Herzen. "Ich glaube, dass Erziehung so eine große Rolle spielt und viele sich darüber nicht im Klaren sind."

Brutales Foul gegen ihn: "Es war eine Sensation"

Der Fußball war für ihn auch eine Art Ersatzfamilie. Die Mutter, die "die Wärme und Liebe in die Familie brachte", ist gestorben, als er elf war. Sein Vater, der den eigenen Vater nie kennengelernt hatte, hatte keine Vorstellung davon, was ein Vater macht. Fußball bedeutete für Lienen Anerkennung, eine wichtige Triebfeder für Erfolg, ist er überzeugt.

Ewald Lienen liegt nach Foul mit aufgeschlitztem Oberschenkel auf Boden

Das dramatische Bild mit der klaffenden Wunde am Oberschenkel

Legendär bleibt das brutale Foul gegen ihn, am 14. August 1981, als beim Spiel Arminia Bielefeld gegen Werder Bremen die Stollen des Gegenspielers seinen Oberschenkel aufschlitzten. "Es war eine Sensation, weil man erstmalig sehen konnte, was diese Art der Spielweise bewirken kann." Ein Kreuzbandriss wäre schlimmer gewesen, aber es hätte kein so dramatisches Bild gegeben. Dieses Foul habe auch dazu beigetragen, dass ein Umdenken stattfand.


Redaktion: Forian Quecke

Literaturangaben:
Ewald Lienen: Ich war schon immer ein Rebell - Mein Leben mit dem Fußball
Piper Verlag, 2019
432 Seiten, 22,00 €
ISBN: 978-3-492-05947-3
Erscheint am 02.04.2019

Stand: 03.04.2019, 13:48