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Andrea Wulf: "Ich will, dass jeder weiß, wer Humboldt war"

Kulturhistorikerin Andrea Wulf

Andrea Wulf: "Ich will, dass jeder weiß, wer Humboldt war"

"Alexander von Humboldt hat den Klimawandel schon vorhergesagt, als es das Wort noch gar nicht gab", sagt Kulturhistorikerin Andrea Wulf. Sie ist fasziniert von dem Naturforscher. Und hat zwei Bücher über ihn geschrieben, die Bestseller wurden.

Vor 250 Jahren ist Alexander von Humboldt geboren. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat im Februar dieses Jahres in Ecuador das Humboldt-Jahr eröffnet. "Ich möchte wirklich, dass jeder weiß, wer Humboldt war", betont Andrea Wulf im Tischgespräch mit Gisela Steinhauer, "weil ich glaube, dass das, was er gemacht hat, ganz wichtig für unser heutiges Denken ist."

Humboldt als visionärer und revolutionärer Vordenker

Gisela Steinhauer und Andrea Wulf

Gisela Steinhauer und Andrea Wulf

Humboldt habe die Natur als globale Kraft verstanden, in der alles mit allem zusammenhängt. Eine seiner ganz großen Erkenntnisse: "Dass der Mensch so viel Macht über die Natur hat, dass er sie zerstören kann." Diese Gedanken hatte Humboldt zu einer Zeit, "als andere noch darüber geredet haben, dass Gott die Natur nur zum Nutzen des Menschen kreiert hat."

Kulturhistorikerin Andrea Wulf im Tischgespräch

WDR 5 Tischgespräch 17.07.2019 53:15 Min. Verfügbar bis 17.07.2020 WDR 5

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Andrea Wulf, die in Neu-Delhi geboren, in Hamburg aufgewachsen und heute in London lebt, ist zur Humboldt-Expertin geworden. Sie hat sich auf Weltreise begeben, um Humboldt zu porträtieren, ist ihm bis auf den Chimborazo in Ecuador gefolgt. Andrea Wulf hat eine Biografie und zudem eine Graphic Novel über ihn verfasst, schreibt und erzählt so begeisternd und bringt den Wissenschaftler damit einem großen Publikum nahe. Sie bewundert ihn dafür, dass er sein privilegiertes Leben aufgegeben und sein Leben sogar riskiert hat, um herauszufinden, wie die Welt zusammenhängt.

"Er muss ein unglaubliches Gedächtnis gehabt haben"

Porträtgemälde des alten Alexander von Humboldt

Vor 250 Jahren ist Alexander von Humboldt in Berlin geboren

Andrea Wulf beschreibt den Naturforscher als ebenso faszinierenden wie auch anstrengenden Menschen, mit dem nicht alle gut konnten. Wie er gearbeitet hat: Er sei viel gereist, um vergleichen zu können. "Er muss ein unglaubliches Gedächtnis gehabt haben", sagt Andrea Wulf. Er habe Pflanzen und Tiere gesammelt, Messungen durchgeführt, sei nie verlegen gewesen zu fragen und er habe sein Gefühl miteinbezogen. Andrea Wulf wollte diesem Gefühl, Humboldts emotionaler Nähe zur Natur nachspüren.

Mit ihrer Arbeit über Humboldt wurde sie mit der Lichtenberg-Medaille – der höchsten Auszeichnung der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen – geehrt. Dabei sei sie in der Schule in Naturwissenschaften immer schlecht gewesen, erzählt sie im Tischgespräch. "Ich bin ein Paradebeispiel dafür, in die falsche Box gepackt zu werden", findet Andrea Wulf. "Ich liebe und verstehe die Wissenschaften. Ich bin nur falsch unterrichtet worden, weil man mir immer nur Zahlen vorgeknallt hat und nicht die Geschichten der Wissenschaftler." Sie findet, Humboldts Leben lese sich wie ein Abenteuerroman. "Es wäre eine Schande, das nicht so zu erzählen."

Redaktion: Florian Quecke

Stand: 17.07.2019, 16:03