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"Knonau reichts" in Bildern

"Knonau reichts" in Bildern

Im Südwesten des Kantons Zürich liegt das kleine Schweizer Dorf Knonau. Hier entwickelte sich ein Dorfbewohner über Jahrzehnte zum Messie. Die Familie, Nachbarn und zahlreiche Behörden wissen nicht, wie sie mit dem Problem umgehen sollen.

Ein Schweizer Dorf will Ordnung

Winteridylle in einem Schweizer Dorf Mitte der 1970 Jahre. Damals ahnte noch niemand, dass der neue Besitzer dieses Hauses im malerischen Knonau sich später einmal mit dem ganzen Dorf anlegen würde.

Winteridylle in einem Schweizer Dorf Mitte der 1970 Jahre. Damals ahnte noch niemand, dass der neue Besitzer dieses Hauses im malerischen Knonau sich später einmal mit dem ganzen Dorf anlegen würde.

Knonau liegt im Südwesten des Kantons Zürich. Rund 2300 Einwohner leben heute in diesem Dorf im Schweizer Mittelland. Auf der Postkarte aus den 1990er-Jahren ist die Welt noch in Ordnung. Bevor der Messie das Haus rechts gegenüber der Kirche völlig zustellte.

Die Dorfbewohner kennen die Familie gut, die in dem historischen Haus aus dem Jahr 1450 lebt. Die Eltern engagieren sich im Dorf, der Vater Karl ist in der freiwilligen Feuerwehr, die Mutter arbeitet in der Bibliothek.

Die beiden Kinder Franziska und Florian erleben eine glückliche Kindheit. Für sie ist der große Garten ein Traum. Auch die allmählich wachsende Ansammlung von Dingen in Garten und Haus nehmen sie als erweiterten Spielplatz wahr.

Inzwischen sind über 30 Jahre vergangen. Seit die Kinder und Karls Ex-Frau ausgezogen sind, hat sich sein Sammeln explosionsartig verschlimmert. Mit der Gemeinde liegt der Messie deswegen seit Jahren im Rechtsstreit - im Juli 2015 setzt die Gemeinde eine Zwangsräumung im Garten und um das Haus durch.

Die Zwangsräumung dauert fünf Tage. Karl wird während dieser Zeit von der Polizei vom Areal ferngehalten. Die Sicht auf das Haus - und auch auf das Spielhaus auf Stelzen, das der Vater für seine Kinder gebaut hatte - ist wieder frei. Doch für Karl ist diese Räumung ein Rechtsbruch. Er verklagt die Gemeinde.

Zum Ärger vieler Dorfbewohner füllt der Messie den Garten nach der Zwangsräumung schnell wieder. In der Boulevardpresse ist die Rede vom "schnellsten Messie der Schweiz".

Karl hält sich für sein Verständnis an die Regeln. Er türmt seine Sachen fein säuberlich um das Haus herum - auf seinem Grundstück. Doch kurz nach dieser Aufnahme kommt es zu einer weiteren Katastrophe.

In der Nacht vom 20. Juli 2017 um ca. 1:35 Uhr fängt das Haus Feuer. Es beginnt in einem Zelt im Garten und greift von da auf das Haus über. Karl schläft schon, kann sich und seinen Hund aber aus dem brennenden Haus retten. Die Polizei schliesst Brandstiftung nicht aus.

Das einst historische Haus liegt in Schutt und Asche. Sobald die Feuerwehr die Brandruine freigibt, versucht er, alles zu retten, was die Flammen oder das Löschwasser nicht komplett zerstört haben.

Vom Haus stehen nur noch drei Seitenwände. 

Karl findet auch Kartons mit Fotos, die nass vom Löschwasser sind. Die beiden Kinder versuchen nach dem Brand verklebte Bilder auseinander zu ziehen und zu trocknen. So retten sie einige wertvolle Erinnerungen.

Erinnerungen an eine unbeschwerte Kindheit: Fondue-Essen in der Schneehütte im Garten.

Karl wohnt heute in einem Wohnwagen auf der Brandruine - ohne sanitären Anschluss. Wer ist in einem solchen Konflikt eigentlich zuständig? Und wie umgehen mit Menschen, die sich selbst und anderen schaden?

Stand: 13.09.2019, 12:00 Uhr