"Speciaal": Hagelslag und Vollkornbrot

Illustration: Hagelslag und Vollkornbrot

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"Speciaal": Hagelslag und Vollkornbrot

Von Heike Sicconi

Warum es eine Hebamme und vier Bierkästen braucht, um einen Niederländer auf die Welt zu bringen; weshalb Niederländer den Satz "Wir müssen mal telefonieren" nicht leiden können und wie das Lebensgefühl hinterm Deich als "Poldermodell" Vorbild für die europäische Wirtschaft wurde – unser Tiefenblick auf die Niederlande.

WDR 5, Sonntag, 01. September bis 15. September 2019, 08.04 – 08.35 Uhr
Wiederholung 22.30 – 23.00 Uhr

Kleine Niederländer kommen in der Regel zu Hause zur Welt, Vorsorgeuntersuchungen gibt es nicht und der Umgang mit Vorgesetzen und Handelspartnern ist von Augenhöhe geprägt. Wenn ein Deutscher sachlich anregt: "Wir müssen telefonieren", ist der Niederländer beleidigt. Denn der selbstbewusste Niederländer "muss" gar nichts. Um solche Missverständnisse zu vermeiden, verteilen die hiesigen Industrie- und Handelskammern Business-Knigge-Ratgeber für die Westentasche. Und dennoch rücken wir enger zusammen. Die Handelbeziehungen zwischen NRW und den Niederlanden sind so eng wie nie. Es gibt kaum ein deutsches Auto, in dem nicht Teile aus den Niederlanden verbaut sind. Und der Tourismus boomt. Hüben und Drüben ist das Nachbarbarland Urlaubsziel Nummer 1.

Teil 1: Alltag und Sprache

Niederländer und Deutsche arbeiten miteinander, sind im Fußball Rivalen, reisen als Touristen ins Nachbarland, und doch wissen wir wenig über den Alltag jenseits der Grenze.

Menschen mit Laptop

Die Bedeutung von Bierkästen bei der Geburt kleiner Niederländer könnte zum Beispiel leicht falsch gedeutet werden. Denn bevor ein kleiner Niederländer – in der Regel zu Hause - geboren wird, besorgen die Eltern Bierkästen. Dabei steht weniger das Genussmittel im Vordergrund. Vielmehr wird mit den Kästen das Bett aufgebockt, damit die Kramhuulp, eine Art Kinderkrankenschwester, Mutter und Kind in der Woche nach der Geburt betreuen kann, ohne Rückenschmerzen zu bekommen. Niederländer sind pragmatisch und fortschrittlich zugleich. In Sachen Digitalisierung nehmen sie weltweit einen Spitzenplatz ein. 95 Prozent der Haushalte sind online. In Deutschland sind es nur rund 84 Prozent. Niederländer haben wenig Bedenken gegenüber neuen Technologien. In sozialen Medien werden vollständige Namen benutzt und keine Abkürzungen oder Phantasienamen wie in Deutschland. Es wird "gepint" statt mit Bargeld bezahlt, beim Bäcker, im Kino. Sogar der öffentliche Nachverkehr funktioniert per Kartenzahlung. Und "lekker" nicht nur die Frikandel, sondern auch das Wetter.

Hagelslag und Vollkornbrot – Alltag und Sprache

WDR 5 Tiefenblick "Speciaal": Hagelslag und Vollkornbrot Teil 1 von 4 01.09.2019 28:11 Min. Verfügbar bis 26.08.2020 WDR 5 Von Heike Sicconi

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Teil 2: Freizeit und Kultur - 08. September

Die Tourismusbranche brummt auf beiden Seiten. 4,6 Millionen Deutsche reisen jährlich zu den niederländischen Nachbarn im Westen. Und auch umgekehrt fließt der Urlauberstrom. Deutschland hat Frankreich von Platz 1 als liebstes Reiseziel der Niederländer verdrängt.

Gebäude auf Stelzen am Sandstrand mit einer Rampe zum Strand

Ganz oben auf der Beliebtheitsskala der niederländischen Urlauber steht das Sauerland. Längst ist es eine Oranje-Enklave mit niederländischen Restaurants und Hotels, wo zum Frühstück Hagelslag und Stroopwafels serviert werden. Sogar die Ärzte im Winterberger Krankenhaus sind auf die Skiunfälle niederländischer Skifahrer eingestellt. Die Diagnose wird auf Niederländisch gestellt. Deutsche Urlauber zieht es in Scharen an die niederländische Küste, wo Einheimische die deutschen Nachbarn an der Sandburg erkennen. Denn ein Niederländer, heißt es, würde nie ein Loch im Sand buddeln und sich hineinlegen.

Hagelslag und Vollkornbrot – Freizeit und Kultur

WDR 5 Tiefenblick "Speciaal": Hagelslag und Vollkornbrot Teil 2 von 3 08.09.2019 26:55 Min. Verfügbar bis 26.08.2020 WDR 5 Von Heike Sicconi

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Teil 3: Wirtschaftsgeschichten - 15. September

Wenn Deutschland niest, sind die Niederlande erkältet, heißt Wirtschaftsweisheit. Deutschland ist der wichtigste Handelspartner der Niederlande. Im ersten Halbjahr 2018 wurden aus NRW Waren im Wert von 10,5 Milliarden Euro in die Niederlande exportiert. Umgekehrt wurden Waren im Wert von 21,5 Milliarden Euro aus den Niederlanden bezogen.

Containerhafen Rotterdam

Zwar gibt es auch nach wie vor Produkte, wie Käse, Tulpen oder Eierlikör, die mit niederländischem Image aufgeladen sind. Aber längst geht es auch ohne. Kaum jemand in Deutschland weiß, dass Rituals – eine Kette mit rund 160 Filialen in Deutschland - niederländische Produkte vertreibt. Und das Zalando ein deutsches Unternehmen ist, interessiert in den Niederlanden niemanden. Aber nicht nur Waren, sondern auch Arbeitskräfte werden ausgetauscht. Noch fahren deutlich mehr Menschen aus NRW in die Niederlande zur Arbeit als umgekehrt. Zuletzt waren es rund 30.000 Pendler aus NRW. Gut 10.000 Niederländer verdienen hierzulande ihr Geld. Das mag auch an der unterschiedlichen Verbreitung der Teilzeitarbeit liegen, die besonders bei niederländischen Arbeitnehmerinnen beliebt ist. Während in Deutschland nur etwa jede zweite Frau teilzeiterwerbstätig ist, sind es auf der niederländischen Seite vier von fünf Frauen.

Hagelslag und Vollkornbrot – Wirtschaftsgeschichten

WDR 5 Tiefenblick "Speciaal": Hagelslag und Vollkornbrot Teil 3 von 3 15.09.2019 28:14 Min. Verfügbar bis 26.08.2020 WDR 5 Von Heike Sicconi

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Ausstrahlung vom 01. September bis 15. September 2019
Von Heike Sicconi
Redaktion: Frank Christian Starke
Produktion: WDR 2019

Stand: 02.07.2019, 12:21