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Organspende - ist Widerspruch die Lösung?

Das gereinigte Spenderherz wird in den Brustkorb des kranken Patienten implantiert.

Organspende - ist Widerspruch die Lösung?

Jeder gilt nach seinem Tod automatisch als Organspender – außer man widerspricht aktiv. So lautet der Vorschlag von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Was halten Sie davon? Diskutieren Sie mit im WDR 5 Tagesgespräch.

Etwa 9.400 Patienteninnen und Patienten warten derzeit auf ein Spenderorgan. Im vergangenen Jahr 2018 haben bundesweit 955 Menschen nach ihrem Tod ihre Organe gespendet – das sind zwar etwas mehr als in den Vorjahren, insgesamt aber zu wenig. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hofft, dass es durch die "doppelte Widerspruchslösung" mehr Organspenden geben wird. In dem Gesetzesentwurf, den er und Abgeordnete anderer Fraktionen am Montag (01.04.2019) vorgelegt haben, steht: nur wer die Organspende aktiv ablehnt, wird nach seinem Tod nicht automatisch zum Organspender. Allerdings können auch Angehörige im Sinne des Verstorbenen widersprechen.

An Jens Spahns Entwurf gibt es heftige Kritik. Grünen-Chefin Annalena Baerbock will zusammen mit Abgeordneten fast aller Parteien einen Gegenentwurf machen: nur wer aktiv zugestimmt hat, soll nach seinem Tod zum Organspender werden, so die Idee der Abgeordneten. Wichtig sei aber, dass jeder und jede gefragt werde – zum Beispiel vom jeweiligen Bürger- oder Einwohnermeldeamt, denn einen Ausweis brauche schließlich jeder. In anderen europäischen Ländern wie Österreich, den Niederlanden und Spanien gilt bereits seit einiger Zeit eine Widerspruchslösung bei der Organspende.

Was halten Sie von der so genannten "Widerspruchslösung"? Würden Sie aktiv widersprechen? Haben Sie schon einen Organspendeausweis und halten die Lösung mit der "Widerspruchslösung" auch für sinnvoll? Haben Sie Verständnis für Freunde, Bekannte oder Angehörige, die einer Organspende widersprechen würden? Wie wäre es, wenn ein ausgefüllter Organspende-Ausweis die eigene Wartezeit auf eine benötigte Spende verkürzen würde? Sollten Organspenden EU-weit verteilt werden? Warum gibt es in Deutschland Ihrer Ansicht nach so wenige Organspender?

Rufen Sie uns während der Sendung an (WDR 5 Hotline 0800 5678 555) oder schreiben Sie uns Ihren Kommentar in unser Gästebuch - von 11.00 bis 14.00 Uhr.

Gast: Dr. Peter Dabrock, Vorsitzender des Deutschen Ethikrates, Professor für Systematische Theologie (Ethik) an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Redaktion: Jessica Eisermann und Heiko Hillebrand

Organspende - ist Widerspruch die Lösung?

WDR 5 Tagesgespräch 02.04.2019 46:31 Min. WDR 5

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Kommentare zum Thema

153 Kommentare

  • 153 Beasty 02.04.2019, 13:59 Uhr

    Leider wird die Forschung bz. Xeno-Organe (Tier mit menschlichen Genen ) oder auch die Gentechnik und die Tierversuche selbst von unseren Grün*innen Weltverbesser*innen bekämpft. Dann könnte das Thema Organspende 5 Min vor dem Tod oder 5 Minuten später vom Tisch sein. Spitzenforschung in vielen Bereichen wird blockiert, so das nur noch Forschung im Ausland möglich ist.

  • 152 Ulf Lindermann 02.04.2019, 13:58 Uhr

    Egal, ob Organspende oder Pflegenotstand: Wir brauchen keine Politiker wie Spahn, die ständig nur das Pferd von hinten aufziehen und somit Probleme allenfalls nur verlagern oder sogar noch vermehren. Wir brauchen stattdessen endlich das Bedingungslose Grundeinkommen, welches all diese von CDU und SPD aufgestapelten Probleme löst. Wer gesund leben und arbeiten kann, der ist nunmal weitaus weniger ein Kandidat für Krankheit und Organbedarf, als vergleichsweise die Opfer der heutigen AGENDA 2010, die erst den ganzen Erkrankungs- und Pflegenotstand verursacht hat.

  • 151 Die Diskussion 02.04.2019, 13:58 Uhr

    ist unehrlich. Herr Spahn, in meinen Augen ein Kapitalist reinster Güte, geht es doch gar nicht um die Gesundheit und das Wohlergehen der Menschen. Es geht ihm auch hier, makabererweise, nur wieder um Gewinn und Macht. So wie heute jede Klinik in erster Linie ein "Wirtschaftsunternehmen" ist, das sich amortisieren soll.

  • 150 Gnom 02.04.2019, 13:53 Uhr

    Nach guter alter Väter-Sitte, erinnert sehr an meine Jugendzeit, wer nicht "verweigert" wird zum Dienst mit der Waffe gezwungen! Fällt den Politikern immer nur Zwang ein, wenn es um Staatsräson geht? Gibt es zuwenig zu transplantieren muss Druck aufgebaut werden! "Die können ja verweigern!" Na klar, das Weitere regelt ein Bundesgesetz! Nein, Herr Spahn, so geht es nicht! Das wird ein Schuss ins Knie, ich hoffe ihres und nicht etwa das eines "Spendierwilligen"! Ach ja, "Truppen-Ulla hat Nachwuchssorgen? Also, Frau der Leiden, schonmal an "Druck" gedacht? "Die können ja verweigern!" Ja, genauso sind sie, die Politiker! Das Weitere regelt ein Bundesgesetz!

  • 149 Auch Organe werden sicher 02.04.2019, 13:53 Uhr

    Wer von den hilfreichen Behandlern im deutschen Gesundheitswesen als Simulant vorgetäuschter Unverträglichkeiten enttarnt, als tatsächlich psychisch Kranker diagnostiziert und zum Schutz vor sich selbst und vor den im Grunde unverdienten Grundrechten wie Menschenwürde, körperliche Unversehrtheit oder freie Entfaltung der "gestörten" Persönlichkeit mithilfe ausreichend dosierter und Arbeitsplätze sichernder Psychopharmaka ruhig gestellt wurde, müsste eigentlich sozial verträglich zur Sicherung der Rente für rechtsunfähig erklärt werden, wenn solch ein undankbarer Patient dann noch immer der Entnahme seiner Organe widersprechen will. Stattdessen könnte bei solchen renitenten Patienten vor ihrem Widerspruch nach dem Rechtsempfinden der um den Glücksfall der medizinischen Forschung besorgten Bürger mit geeigneter Medikation der Hirntod hinreichend sicher festgestellt werden, und zwar zum Wohle der Leistungselite, die in diesem Land traditionell und grundsätzlich Besseres verdient.

  • 148 paola 02.04.2019, 13:52 Uhr

    Schon die verwendeten Begriffe sind irreführend: "Leben retten" statt "Leiden verlängern; denn der Schwerkranke wird sterben - nur später, aber unter unverhältnismäßigen Kosten für das Gesundheitswesen und zum Riesenprofit der betreffenden Krankheitsindustrie. Der sog. "Spender" aber soll die benötigte humane Biomasse auch noch gratis und freiwillig zur Verfügung stellen, allerdings laut Herrrn Spahn demnächst gezwungen. Also natürlich für den guten Zweck! Der Hirntodbegriff wurde erfunden, um ethische Einsprüche zu beseitigen. Dabei weiß kein Naturwissenschaftler, was der Tod des Menschen ist und wann er eintritt. Die Theologie weiß es und hat Belege. Die Seele des Menschen ist unsterblich, und nachweislich ist das Bewusstsein unabhängig von Gehirnströmen. Siehe die Nahtoderlebnisse. Daher gehört ans Sterbebett der Priester. Nach dem Tod behält die Seele weiter eine Verbindung zum Körper. Siehe den Totenkult aller Religionen. Deswegen möchte sie auch nicht in einen fremden Körper.

  • 147 Herr Spahn 02.04.2019, 13:52 Uhr

    sollte nicht über die Körper anderen Menschen entscheiden dürfen, sondern nur über seinen eigenen. Der, der keinen Organ-Spende-Ausweis hat oder auch keinen Vermerk in seinem Testament oder in der Patienten-Verfügung, ist logischerweise auch kein Spender. Was braucht es da noch eine Widerspruchslösung, die überflüssig und blödsinnig ist?

  • 146 Kaspar 02.04.2019, 13:52 Uhr

    „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ Für mich ist die "Widerspruchslösung" bei der Organspende staatliche Gewalt in höchstem Maß. Der Staat verfügt über meinen Körper. Es sei den ich widerspreche. Wie viele Menschen werden dazu nicht in der Lage sein. Ist zu erwarten, das jeder Mensch sich intensiv mit dem Thema Organspende auseinander setzt und eine freie Entscheidung trifft - treffen kann? Wo ist die objektive Aufklärung was bei einer Organentnahme passiert. Bin ich wirklich tot? Wo ist die Aufklärung was Hirntod bedeutet? Stimmt es das "Hirntote" Refexe haben und bei der Organentnahme betäubt, festgeschnallt oder die Refexe unterdrückt werden? Kann ich dem Staat vertrauen, dass mein Widerspruch im Register auch gefunden wird? Wer wird das kontrollieren?

  • 145 Thomas Stada 02.04.2019, 13:51 Uhr

    Wenn das stimmen sollte, was hier Kommentatoren wie Manfred Pahlow sagen, daß die meisten OP´s und Organtransplantationen leicht vermeidbar wären und nur aus ärztlichem Profitinteresse getätigt werden, dann ist das ein Skandal und diese Ärzte gehören wegen gewerblicher Körperverletzung und wegen Mordes angeklagt anstatt von Spahn hofiert ! Und daß da was wahres dran sein muß, was diese Kommentatoren da schreiben, der Verdacht kommt bei mir auch deshalb auf, weil viele andere Länder in der EU weit weniger OP´s und Organtransplantationen durchführen als vergleichsweise Deutschland.

  • 144 Bigotterie 02.04.2019, 13:48 Uhr

    Jens Spahn, der umtriebigste Minister aus Fr. Merkels Kabinett, zeigt auch hier wieder Entschlossenheit, eine Problemlösung aus dem Geist der Bürokratie zu erschaffen, indem er den Menschen im Lande die Organspendebereitschaft zuschreibt, sofern sie nicht widersprechen. Ganz anders bei Menschen, die unheilbar krank ihr Leben selbst beenden wollen. Diesen verweigert derselbe Herr Spahn das notwendige Medikament und ignoriert bewusst und fortlaufend ein anders lautendes höchstrichterliches Urteil!

    Antworten (1)
    • G. Heim 02.04.2019, 13:56 Uhr

      Die gesellschaftliche und politische Bigotterie findet sich auch noch in vielen anderen Beispielen, gehäuft aber rund um die Themenkreise "Schwangerschaft/Geburt" und "Sterben/Tod". Es ist manchmal zum Knochenkotzen.

  • 143 Wer weiß 02.04.2019, 13:46 Uhr

    , ob der schlaue und so wirtschaftlich denkende Herr Spahn auch selbst einen Organ-Spende-Ausweis hat? Da lobe ich mir schon eher einen Herrn Steinmeier, der nachweislich Wasser predigt und Wasser trinkt.

    Antworten (1)
    • G. Heim 02.04.2019, 13:52 Uhr

      Bei Herrn Steinmeier war es eine LEBENDSPENDE für seine Frau. Also etwas sehr, sehr Persönliches. Und etwas, wovon er selber profitieren durfte. Das ist nicht unbedingt mit den hier diskutierten Organspenden durch Organentnahme bei einem Sterbenden zu vergleichen.