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Syrien – was sollte der Westen tun?

Militäroffensive der Türkei in Syrien

Syrien – was sollte der Westen tun?

In Nordsyrien herrscht Chaos: Türkische Truppen kämpfen gegen kurdische Milizen. Nun sind die Kurden eine Allianz mit der syrischen Regierung eingegangen. Wie sollte der Westen jetzt reagieren? Diskutieren Sie mit im WDR 5 Tagesgespräch!

Hunderte Menschen sind getötet worden, mehr als 130.000 mussten fliehen, zumal sind nach Angaben der kurdischen Regionalregierung offenbar mehrere Hundert IS-Anhänger aus kurdischen Haftlagern geflohen. All das ist in den letzten fünf Tagen passiert, seitdem türkische Truppen mit Angriffen auf syrische Orte im Grenzgebiet begonnen haben. Sie wollen die kurdische YPG-Miliz von dort vertreiben.

Nachdem die USA damit begonnen haben, ihre Truppen aus der Region abzuziehen, haben die Kurden keinen Schutz mehr vor der Türkei. Darum sind sie einen Deal mit der syrischen Regierung unter Baschar al-Assad eingegangen. Die Regierung hat auch bereits Truppen in die Region geschickt, um die türkische Offensive abzuwehren, wie das syrische Staatsfernsehen berichtete.

Eine Rückkehr der syrischen Armee in den Norden dürfte die Gemengelage im langjährigen Bürgerkrieg dramatisch verändern und Assads Macht über das zerrüttete Land festigen. Die USA geben zudem ihre Präsenz in einer Gegend auf, in der nun Russland und vom Iran gestützte Milizen an Einfluss gewinnen dürften.

Und der Westen? Die EU-Außenminister wollen heute (14.10.2019) über mögliche Sanktionen wegen des Einmarschs der Türkei beraten. Dass es bald dazu kommt, ist allerdings unwahrscheinlich. Die Türkei ist Nato-Partner und wird von der EU gebraucht, um die Flüchtlingskrise zu bewältigen.

Einzelne Länder haben nun einen Waffenexportstopp verkündet, etwa die Niederlande, Schweden, Finnland und Norwegen. Deutschland hat seine Rüstungsexporte an die Türkei teilweise gestoppt.

Erdogan zeigte sich davon unbeeindruckt. Wer glaube, die Türkei werde wegen Wirtschaftssanktionen oder Waffenembargos von ihrem Weg abweichen, irre sich, sagte Erdogan am Sonntag.

Was denken Sie über die Situation in Nordsyrien? Was sollte der Westen tun – außer zu reden? Sind Sanktionen ein wirksames Mittel? Oder hat die EU es längst verpasst, eine Rolle in dieser Region zu spielen, weil sie sich militärisch nicht einbringen wollte? Welche Folgen - auch für Deutschland - befürchten Sie, sollte die Region noch weiter im Chaos versinken?

Rufen Sie uns während der Sendung an (WDR 5 Hotline 0800 5678 555) oder schreiben Sie uns Ihren Kommentar in unser Gästebuch – von 11.00 bis 14.00 Uhr.

Gast: Roy Karadag, Politikwissenschaftler Universität Bremen

Redaktion: Julia Lührs und Ulrich Horstmann

Syrien – was sollte der Westen tun?

WDR 5 Tagesgespräch 14.10.2019 45:18 Min. Verfügbar bis 13.10.2020 WDR 5

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Kommentare zum Thema

175 Kommentare

  • 175 So dämlich... 14.10.2019, 13:59 Uhr

    wie unserer Politiker agieren, waren nicht einmal die Neandertaler - und ihre Zeit lief trotzdem ab! Genau so komme ich mir hier auch vor. Wie ein Mensch, der in einem Staat lebt, dessen Zeit langsam abläuft. Und, es ist genau wie beim Klimawandel. Alle wissen, was auf sie zukommen wird und alle machen weiter wie bisher. Wie die drei Affen - nix hören, nix sagen, nix sehen. Et hät noch emmer jood jejange! Nicht nur das macht mich Fassungslos. Das letzte Mal, dass ich mich so unwohl in meinem Land gefühlt habe, war zu Zeiten des kalten Krieges, als wir kurz vor einem Desaster standen. Jetzt ist es wieder so weit. Und unsere Politiker tun so, als wären das alles Peanuts! Die haben noch gar nicht erkannt, auf welchem Pulverfass wir hier alle sitzen. Vor dem derzeitigen Hintergrund die Grenzen noch offen zu lassen, wäre EU-weiter Wahnsinn. Jedes EU-Land tut gut daran sie wieder komplett zu schließen. Alles andere ist Unverantwortlich. Und - KEINE WEITEREN FLÜCHTLINGE MEHR!

  • 174 Anonym 14.10.2019, 13:59 Uhr

    Erst nachdem geklärt ist, wer zum Westen gehört und ob unter diesen Wessis jemand die Auslegungshoheit als Besserwessi-Hegemonialmacht beansprucht und die Grundsätze vorgibt, nach denen die Zulässigkeit der Einzelinteressen dieser Wessis festgelegt wird, kann geprüft werden, ob eine konzertierte Aktion des Westens überhaupt möglich ist und ob die Lobbys, die in der EU das Sagen haben, nur die Gewinne solcher Aktionen einstreichen und die Kosten ausschließlich sozialisieren wollen.

  • 173 Nathan, der Preuße 14.10.2019, 13:59 Uhr

    Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. (die Redaktion)

  • 172 Dirk 14.10.2019, 13:59 Uhr

    Keinesfalls erpressen lassen! Wenn Erdogan weitere islamische Sozialflüchtlinge nach Europa schickt, einfach alle Grenzen dicht machen, wie es schon 2015 unbedingt hätte geschehen müssen! Grenzen müssen geschützt werden, auch vor einer Invasion wie 2015, sonst bestehen die Grenzen nur formal! Wieso liefert Deutschland überhaupt Waffen an ein islamisches Land, dessen NATO-Mitgliedschaft für den bekennenden Islamisten Erdogan, der sich in der Zeitung „Milliyet" als Anhänger der Scharia bezeichnete, nur ein Freibrief zu völkerrechtlichen Angriffen ist? Die NATO sollte die Türkei aus ihrem Bündnis ausschließen, aber da hat die NATO andere Interessen. Egon Bahr, 2014: „In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte.“ Erdogan: „Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten.“

  • 171 Anonym 14.10.2019, 13:58 Uhr

    Den Kurden, dem einzigen ernsthaften Gegner des v. der Türkei unterstützten IS, müssen einige NATO-Staaten militärisch helfen – auch gegen das NATO-Mitglied Türkei, das als völkerrechtlich widerrechtlich handelnder Aggressor spätestens hierdurch seine Mitgliedschaft verwirkt haben sollte! Diesen fehlenden Beistand empfinden die Kurden zurecht als Verrat verbündeter 'westlicher' Länder, was sie nie vergessen werden! Der türkische Einmarsch ist mit dem Nazi-Einfall 1939 in Polen vergleichbar, wo auch niemand trotz vorheriger Unterstützungsbeteuerungen zu Hilfe kam. Wie Hitler will auch Erdogan die Kurden als einheimisches Volk durch ein anderes ersetzen, nämlich durch Ansiedlung sunnitischer Syrer aus anderen Teilen Syriens. Gewährt den Kurden (wie auch z.B. den Tibetern und Katalanen) ihren eigenen Staat unter eigener Regierung auf ihrem angestammten Land! Die Befriedung Nordsyriens, die Erdogan als Vorwand für seinen Angriff nennt, haben die Kurden auf ihrem Gebiet längst vollzogen!

  • 170 JoLa 14.10.2019, 13:58 Uhr

    Eine Ex- Verdeitigungsministerin von der Leyen mit einer grauslichen Bilanz ihrer Tätigkeit soll jetzt als Kommisionspräsidentin der EU im Türkei- Syrien - Kurden - Konflikt etwas positives erreichen. Während ihrer " Dienstzeit" hat sie milliardenschwere Rüstungsexporte von D in die Türkei abgenickt. Ein faschistoider, islamistisch ausgerichteter Erdogan war ihr dabei gleichgültig. Heute ist das Chaos perfekt. Demnächst muss eine infantile EU vielleicht der Türkei im Rahmen der NATO bei einem Krieg gegen Kurden und Syrer militärisch helfen. Die Russen werden sich auch einmischen, der IS und seine verbrecherischen Helfer lachen sich platt ob solcher Blödheiten und seine Kriminellen werden demnächst in D in unsere Sozialsysteme einwandern, sich gesund fressen und später unseren Staat im Inneren zersetzen und zerstören. Dies natürlich mit Hilfe unserer moralisch höherwertigen Politiker und Gutmenschen sowie großen Teilen des Klerus und ihrer naiven Unterstützer. D nähert sich dem Abgrund.

  • 169 Reporter Kermit live 14.10.2019, 13:57 Uhr

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  • 168 Na gucke ma an ! 14.10.2019, 13:55 Uhr

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  • 167 Reporter Kermit live 14.10.2019, 13:52 Uhr

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  • 166 MarcoM 14.10.2019, 13:52 Uhr

    3/3: "Oder hat die EU es längst verpasst, eine Rolle in dieser Region zu spielen, weil sie sich militärisch nicht einbringen wollte?" ~~~ Was ist damit gemeint? Bedauert der WDR es etwa, dass die EU nicht in ein anderes, souveränes Land völkerrechtswidrig einmaschiert ist? In die gleiche Richtung gehen wohl die Phantasien derjenigen, die den Bündnisfall wähnen, falls es zu einem bewaffneten Aufeinandertreffen von türkischen und syrischen Streitkräften kommen sollte. Der Verteidigungsfall gilt im Falle eines bewaffnneten Angriffs auf ein NATO-Mitglied, aber nicht, wenn ein NATO Mitglied (völkerrechtswidrig) ein anderes Land überfällt und dieses sich dann doch erdreist, dagegen Verteidigung zu leisten.

  • 165 MarcoM 14.10.2019, 13:50 Uhr

    2/3: Wer das glaubt, der glaubt auch ernsthaft, der "Schutzmacht des Guten" und ihrer willfährigen Vasallen und Verbündeten ginge es tatsächlich um Demokratie und Menschenrechte, statt um knallharte Machtpolitik und wirtschaftliche Interessen. Bevor überhaupt der erste Schuss in Damaskus gefallen ist, haben Scharen von schwerbewaffneten Söldnern die syrische Grenze überquert und die ersten Toten in Damaskus waren syrische Sicherheitskräfte. ~~~ "Die USA geben zudem ihre Präsenz in einer Gegend auf, in der nun Russland und vom Iran gestützte Milizen an Einfluss gewinnen dürften." ~~~ Das sind wenigstens einmal offene Worte, die offenlegen, worum es u.a. geht.