Bildungschancen: Wie geht’s nach oben?

In einem Klassenzimmer sitzen Schüler vor einer Tafel. Die Lehrerin schreibt etwas an eine Tafel.

Bildungschancen: Wie geht’s nach oben?

Die soziale Herkunft bestimmt in Deutschland in stärkerem Maß über den Schulerfolg als in vielen anderen Ländern. Das hat gerade mal wieder eine OECD-Studie belegt. Warum geht es immer noch nicht für alle nach oben? Diskutieren Sie im WDR 5 Tagesgespräch!

Kommentare (92)

Fast jeder vierte schafft in Deutschland einen höheren Bildungsabschluss als die Eltern. Das könnte eine gute Nachricht sein - wenn nicht im OECD-Vergleich diese 25 Prozent recht mager aussehen, verglichen mit dem weltweiten Durchschnittwert von 41 Prozent. In Finnland und Korea sind es fast 60 Prozent der SchülerInnen, die einen höheren Bildungsabschluss als ihre Eltern erlangen.

Als 2001 die erste "PISA-Studie dem deutschen Bildungssystem derart schlechte Noten attestierte und von einem "PISA-Schock" die Rede war, sollte die Bildung in Deutschland verbessert werden. Und tatsächlich hat sich auch einiges bewegt. Beim Lesen, in Mathematik oder in den Naturwissenschaften sieht es heute schon weitaus besser aus; hier hängt Erfolg schon deutlich weniger vom sozio-ökonomischen Status ab. Aber wenn die soziale Herkunft noch immer in erheblichem Maße den Bildungserfolg bestimmt, dann ist das für eine soziale Demokratie wie Deutschland ein Armutszeugnis, finden Bildungsforscher.

Wahr ist aber auch: Es ist schon vieles besser geworden. Die soziale Schere im Bildungssystem hat sich so stark geschlossen wie in keinem anderen von der OECD untersuchten Industrieland. Die massiven Anstrengungen vom Kita-Ausbau bis hin zum vermehrten Ganztagsunterricht waren also offenbar nicht vergebens. Und: Vergleiche mit besonders gut benoteten Ländern wie Estland und Finnland sind eben nur bedingt zulässig, weil dort der Anteil zugewanderter Kinder und damit der Integrationsbedarf an Schulen deutlich geringer ist.

Haben Sie erlebt, wie die soziale Herkunft in Deutschland über den Bildungserfolg entscheidet? Woran liegt das ihrer Meinung? Wie kann der Lehrermangel behoben werden? Muss mehr in frühkindliche Bildung investiert werden? Und warum zeigt die Bildungspolitik, die sich fast alle Parteien auf die Fahnen geschrieben haben, hier kaum Wirkung? Wie glauben Sie, könnte die Bildungsungleichheit behoben werden?

Rufen Sie uns während der Sendung an (WDR 5 Hotline 0800 5678 555) oder schreiben Sie uns Ihren Kommentar in unser Gästebuch – von 11.00 bis 14.00 Uhr.

Gast: Prof. Dr. Heinz Günter Holtappels, Institut für Schulentwicklungsforschung, Technische Universität Dortmund

Redaktion: Heiko Hillebrand und Julia Lührs

Bildungschancen: Wie geht’s nach oben?

WDR 5 Tagesgespräch | 24.10.2018 | 45:23 Min.

Download

Kommentare zum Thema

92 Kommentare

  • 92 brygyt 24.10.2018, 13:59 Uhr

    Die Intelligenz nimmt seit Jahren ab.

  • 91 JoLa 24.10.2018, 13:59 Uhr

    Die Haupursache einer mangelnden Chancengleichheit ist m.E. primär das Versagen vieler Eltern, die ihren Erziehungsauftrag nicht mehr wahrnehmen. Sie schieben mittlerweile alle Aufgaben, vom Benehmen bis zur Bildung und Sprache auf Kita und Schule und sind beim Versagen ihrer Kinder die ersten, die einen Anwalt gegen Erzieher und Lehrer einschalten. Das ist ein erbarmungswürdiger Trend in unserer ach so reichen Gesellschaft, der immer mehr Kinder, auch aus Akademikerfamilien, ins gesellschaftliche Abseits führt und nicht ihr Potential ausschöpft. Dazu kommt das von unfähigen Politikern verursachte Versagen hinsichtlich Lehrerbedarf und Infrastruktur in den Schulen. In armen Städten oft das totale Desaster, das auch in vielen Jahren nicht behoben sein wird. Aber die neuen Regierungen- nach Merkel- haben ja das Sclechte übernommen, die übliche Politikerausrede. Dazu kommt die wahnwitzige Migration, bei neuen Klassen in sog. Problemvierteln bis zu 90% Migranten ohne Deutschkenntnisse.

  • 90 Selig die Armen im Geiste 24.10.2018, 13:58 Uhr

    Lehrermangel, marode Schulen, Abwälzung der Früherziehung auf das familiäre Umfeld und eine im Vergleich mit anderen Industrienationen unterirdisch niedrige Finanzierung der Bildung begünstigen in Deutschland die soziale Benachteiligung der Kinder aus prekären Verhältnissen. Aber wie groß kann das tatsächliche Interesse der hoch gebildeten Elite mit Machtpositionen und Einfluss in Deutschland sein, eine unbequeme Konkurrenz für ihren eigenen Nachwuchs zu fördern, zumal jeder zusätzliche Euro für das Bildungswesen ihre eigenen Boni und die Möglichkeiten ihrer Vorteilsnahme schmälert? Und falls es doch jemand wagt, an dem Ast mit den fetten Früchtchen zu sägen, auf dem unsere Bildungs- und Leistungselite so bequem sitzt und an dem auch ihre saftigen und prall gefüllten Heimatgefühle hängen, der wird zur Erlösung der hoch gebildeten Sünder als Unruhestifter stigmatisiert und als Gefährder kriminalisiert wie einst der Heiland.

  • 89 Karl 24.10.2018, 13:57 Uhr

    Wenn deutsche Eltern mittags schon Biertrinkend vor dem Programm des Privat TV sitzen, bleiben die Blagen eben auf der Strecke. Es sind nicht in erster linie die Migraten, die uns ein Bildungsproblem bringen, es sind die bildungsfernen und unwilligen Deutschen. Serien und TrashTV sind für viele einfacher als Deutsch und Mathe.

  • 88 Schlumpfinchen 24.10.2018, 13:53 Uhr

    Ich wurde in einer Arbeiterfamilie geboren und habe bis zum 9. Schuljahr die Hauptschule besucht wo ich mich allerdings sehr gelangweilt habe. Ich galt sogar als dumm. Wegen des damaligen Lehrstellenmangels konnte ich nicht das lernen was ich wollte - man war damals froh, überhaupt eine zu bekommen. Also habe ich Fachverkäuferin gelernt. Damit war ich aber nicht zufrieden und habe dann noch eine Ausbildung zur Schreinerin sowie eine Ausbildung zur Bürokauffrau gemacht. Letzter Beruf hat mich in den öffentlichen Dienst gebracht, wo ich fast 20 Jahre gearbeitet habe. Der Job hat mich allerdings nur ernährt jedoch sehr gelangweilt. Inzwischen weiß ich durch diverse Tests, dass ich in einzelnen Bereichen eine Hochbegabung aufweise - ich hätte also eine ganz andere Möglichkeiten gehabt, wenn meine Begabungen erkannt und gefördert geworden wären. Ich versuche jetzt damit noch etwas anzufangen und mich weiter zu entwickeln. Bekanntlich ist es ja nie zu spät...

  • 87 Cosima von Bündnis Grundeinkommen 24.10.2018, 13:51 Uhr

    Solange man sich in Bildung und Wissenschaft keine Ethik, Verantwortung und Moral leisten kann, bleibt all der faule Bildungs- und Fortschrittszauber von der Atombombe bis zur Massentierhaltung wertlos bis tödlich gefährlich. Deshalb soll noch vor Bildung und Wissenschaft künftig das Bedingungslose Grundeinkommen stehen, damit Wissenschaft und Bildung nicht jedem Unfug willig zur Verfügung stehen, wie z.B. dem Bau und Abwurf einer Atombombe.

  • 86 Kurt Ranft 24.10.2018, 13:40 Uhr

    Ist denn das Fortschreiten von Bildung wirklich so erstrebenswert ? Beispiel: Mit den Ärzten der 90er Jahre hatte ich keine Probleme. Da heilte man kurz und bündig Krankheiten und verzettelte sich nicht in der Diagnose. Und heutige Mode-Mediziner ?: Da heilt niemand mehr was, sondern chronifiziert und multipliziert Krankheiten zum Schaden der Patienten und zum finanziellen Wohlergehen von Kliniken und Pharmakonzernen. Ist also dieses "Mehr an Bildung" wirklich so erstrebenswert für die Gesellschaft ?

    Antworten (1)
    • Unterschied gebildete Menschen und nur ausgebildete Menschen 24.10.2018, 13:56 Uhr

      Sie beschreiben den Unterschied von einem gebildeten Menschen, der etwas versteht und Zusammenhänge sieht, sein Wissen anwendet, und nur ausgebildeten Menschen, die angelerntes Wissen schematisch benutzen. Der Begriff Bildung ist zu einem lediglich Schulabschluss haben verkommen.

  • 85 OECD-Studie muss auch relativiert werden 24.10.2018, 13:38 Uhr

    In Deutschland gibt es ein fundiertes Berufsausbildungswesen, was es in den meisten anderen Ländern nicht gibt. Dort gibt es nur Collegeausbildungen, "Studium", oder gar keine Berufsausbildung. Auch bei uns ist aus der Polizeischule formal ein "Studium" geworden. Qualifizierte Berufsausbildungen müssen zu den Hochschulausbildungen dazu gerechnet werden um einen realistischen Vergleich mit anderen Ländern zu Berufsqualifikationen zu haben.

  • 84 Karl Theodor 24.10.2018, 13:38 Uhr

    Wenn ich Menschen in millionenstärke aus muslimischen Ländern einwandern lasse, brauche ich mich nicht zu wundern, dass dann die besagten Problem auftreten. Diese werden unterm dem Rubrum soziale Benachteiligung, (wofür sich wieder Experten finden die das bestätigen) verkauft. Gleichzeitig sollen die Bürger wieder mehr Geld in die Hand nehmen um mehr Geld in den Bildungssektor zu pumpen.

    Antworten (1)
    • Renate Meile 24.10.2018, 13:51 Uhr

      Ich bin harte Gegnerin der fortschreitenden Islamisierung Deutschlands und der millionenfachen Einwanderung in unsere Sozialsysteme von Goldsuchern aus aller Welt. Aber um bei der Wahrheit zu bleiben, die meisten der Probleme im Bildungssystem gab es auch schon vor 2015. Da konnte man das nur besser vertuschen. Durch den massenhaften Zuzug (aus welchen Gründen auch immer) sind die Probleme massiv verschärft und sichtbarer geworden.

  • 83 Wolfgang aus BI 24.10.2018, 13:35 Uhr

    Bildungshunger, Neugier, Lernmotivation sind von dem sozialen Nahfeld des Kindes abhängig. Die Bildungsverachtung, z.B. der religiös verbrämten ungebildeten Zuwanderer aus Nahost und Afrika, überträgt sich auf die intrinsische Lernmotivation des Kindes. Kinder aus einfachen Verhältnissen kommen nicht in Kontakt mit Theater, Musikinstrumenten, Diskussionskultur. Ich selbst sollte auch eine bessere Ausbildung bekommen. Dafür wurde alles getan. Nur konnten die Eltern nicht viel Unterstützung geben. Es gab den Bertelsmann Lesering und der Gitarrenunterricht wurde bezahlt. Aber sie achteten auf die Hausaufgaben, sorgten dafür das ich pünktlich war und sie nahmen die eingetretene Entfremdung in Kauf. Sie verloren ihr Kind an das Bildungsbürgertum, an das Lesen,Dialektik, Theater, Kunst,Musik... in meinem Fall, an den musischen Haushalt eines Schulfreundes. In der Schule habe ich noch hören müssen: Arbeiterkinder gehören nicht auf das Gymnasium!

  • 82 Maik G. 24.10.2018, 13:34 Uhr

    Ein besonders begabter Schüler, etwa in Mathematik, kommt in einen Leistungszirkel. "Da langweilt sich keiner mehr, der über dem Durchschnitt liegt." Und das Mathematikgenie, das in Englisch nicht firm ist, kann sein Sprachwissen in einem Förderzirkel aufbessern. In der Gesamtschule wird ein Schulpsychologe amtieren.Wer als Lehrer Ärger mit dem Schüler, als Schüler Kummer mit dem Vater oder der Mutter hat oder als Vater/Mutter sich Sorgen über den Lehrer macht, kann sich vom Haus-Psychologen fachgerecht beraten lassen. Das Angebot, an Berlins Gymnasien Russisch als zweite Fremdsprache zu lehren, blieb nahezu ohne Nachfrage. Denn Russisch, so ergab eine Umfrage, lehnt das Volk von Berlin "aus politischen Überzeugungsgründen" ab. Ha,ha,ha!

    Antworten (1)
    • ProBildung 24.10.2018, 13:55 Uhr

      Schulpsychologen sind bestimmt wünschenswert. Auch wäre es wichtig, dass die organisatorischen Aufgaben in den Schulen wieder von den Lehrern auf eine Sekretärin oder Assistentin übertragen werden. So können Lehrer sich wieder ganz auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren. Auch hätten Schüler, Eltern und Lehrer neutrale Ansprechpartner, sollten Probleme entstehen. Eine grundlegend neue Gestaltung der Unterrichtsstruktur muss her. Sie sollte interessant sein und die Kinder an Themen heranführen können. Das Russisch als 2. Fremdsprache aus "politischen Überzeugungsgründen" abgelehnt wird, finde ich schade. Mein Bruder hat vor mehr als 35 Jahren, in NRW, Russisch als 2. Fremdsprache im Gymnasium gelernt. Nur, weil man die Politik Putins ablehnt, muss man nicht direkt die Sprache verdammen. Vor Allem lernt man ja viel mehr, als nur die Sprache, man bekommt viel von der Kultur und den Menschen mit, die diese Sprache leben. Schade, wenn man so engstirnig ist...