Wie viel ist uns fair produzierte Kleidung wert?

Billig-Kleidermarkt

Wie viel ist uns fair produzierte Kleidung wert?

Viele Kleidungsstücke werden in Billiglohnländern wie Bangladesch hergestellt. Hat sich unser Kaufverhalten seit dem Einsturz einer Kleiderfabrik in Rana vor 5 Jahren geändert? Diskutieren Sie mit im WDR 5 Tagesgespräch.

Vor 5 Jahren, am 24. April 2013, kamen bei dem Einsturz eines achtgeschossigen Gebäudes in der Stadt Sabhar in Bangladesch, in dem mehrere Textilfirmen untergebracht waren, über tausend Menschen ums Leben. Trotz Zutrittsverbots wegen Rissen im Gebäude waren rund 3000 Textilarbeiter im Gebäude, die dort unter schlechtesten Bedingungen Kleidungsstücke für den Export nach Europa fertigen.

Die Textilindustrie ist für Bangladesch ein sehr bedeutender Wirtschaftsfaktor. 80 Prozent der Exporte des Landes werden in dieser Branche erwirtschaftet. Die Textilindustrie in Bangladesch ist wegen der schlechten Arbeits- und Produktionsbedingungen immer wieder in der Kritik, hat gleichzeitig aber zu einer Senkung der Armut und damit verbunden einer Erhöhung der Lebenserwartung und Senkung der Kindersterblichkeit beigetragen.

Seit der Katastrophe von Sabhar engagieren sich In Deutschland Organisationen wie das entwicklungspolitische Netzwerk INKOTA und Clean Clothes Campaign (CCC) verstärkt dafür, die Arbeitsbedingungen in Bangladesh zu verbessern und Verbraucher zum Kauf von fair produzierter Kleidung zu bewegen. „Erst das Leben, dann das Geschäft“ lautet die Forderung dieser Organisationen.

Doch was können Verbraucher in Deutschland tun? Wie erfahren wir von den Produktionsbedingungen? Was ist uns fair hergestellte Kleidung wert? Wie gehen wir mit unserer Kleidung um?

Rufen Sie uns während der Sendung an (WDR 5 Hotline 0800 5678 555) oder schreiben Sie uns Ihren Kommentar in unser Gästebuch - von 11.00 bis 14.00 Uhr.

Gast: Christiane Schnura, Koordinatorin der Kampagne Saubere Kleidung

Redaktion: Beate Wolff und Mark vom Hofe

Wie viel ist uns fair produzierte Kleidung wert?

WDR 5 Tagesgespräch | 24.04.2018 | 45:53 Min.

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Kommentare zum Thema

98 Kommentare

  • 103 MarcoM 24.04.2018, 13:59 Uhr

    "Deshalb wird beim Arbeiter gespaart, bzw. der Gewinn der Firma geholt durch Niedriglöhne. Nur, Frankreich will es uns jetzt nachmachen und die Löhne senken. Weg mit dem 'sozialen Anhängsel'. Wenn die anderen europäischen Staaten uns auch noch folgen, was machen wir dann? Noch billigere Löhne geht wohl nicht." ~~~ Das berühmte Race to the bottom. Und ein sogenanntes Rattenrennen, ein Wettbewerb, bei dem am Ende alle verlieren. Wenn z.B. alle der Deutschen Agenda-Politik hinterherrennen, mit deren Hilfe man ja u.a. den größten Niedriglohnsektor in der EU geschaffen hat, mit der aber auch die Stagnation oder gar Reduzierung der realen Einkommen über Jahre hier erreicht wurde. Genau darauf fußen ja die deutschen Handelsüberschüsse. Das kann aber kein Rezept für die ganze Welt sein. Die Summe der Handelsbilanzen muss ja Null ergeben. Und es gibt da ja noch den Mechanismus der Währungsab- und aufwertung. Dies ist aber auch nicht so einfach und ist nicht für alle eine Option.

  • 102 Ulf Lindermann 24.04.2018, 13:58 Uhr

    Zwei Tage Verhandlungspause mit Mario Draghi im Frankfurter EZB-Tower ermutigen mich zu diesem Verhandlungszwischenergebnis: Es gibt zwei Worte, die die Welt verändern werden: Zwei Worte, die von ewigen Krieg auf Frieden diese arg geschundene Welt umstellen werden, die da heißen: Bedingungsloses Grundeinkommen ! Und ihr wißt alle tief in eurem Herzen, daß es die Worte Gottes sind.

  • 101 Gnom 24.04.2018, 13:58 Uhr

    T-Shirt für den Preis einer Currywurst, ne Jeans für 7 Eumels und dann über das Leid der Bangladeshis klagen? Warum? das schafft doch in Bangladesh den bescheidenen Wohlstand eines Drittweldlandes und bei uns das Gefühl nicht von den Markenherstellern übervorteilt zu werden. Und der Hauptzweck dieser Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, ist, unser Land mit den Staaten der Dritten Welt "konkurrenzfähig" zu machen! Obwohl, wer 5% Zugewinn pro Jahr auf sein Erspartes erwartet, sollte zumindest seine Mitleidskeule nicht so hoch hängen! Ganz schlimm ist es, wenn "Gutmenschen" den Not-Leidenden Gutes tun wollen!

  • 100 DeSoto 24.04.2018, 13:57 Uhr

    Was heißt "uns wert"? Wir kleinen Männlein und Weiblein haben doch nicht wirklich Einfluss darauf. Es ist die Wirtschaftspolitik, in der der Schwanz mit dem Hund wackelt. Solange die Politik sich immer mehr im Verzicht auf "Regeln setzen" macht, umso mehr bestimmt allein die Rendite der Investoren.

  • 99 Ulf Lindermann 24.04.2018, 13:51 Uhr

    Was Mario Draghi und ich vergangenen Donnerstag im Frankfurter EZB-Tower ausgehandelt haben, werden auch bald die Textilarbeiter von Bangladesch positiv zu spüren bekommen. Wer meinen Namen kennt, der weiß, worum es da geht. Ideen, die die Welt verändern. Ideen, die heute auch einen Martin Luther begeistern würden.

  • 98 Nora H. 24.04.2018, 13:49 Uhr

    Würden sich automatisch die Arbeitsbedingungen in Asien verbessern, wenn hier die Preise der dort gefertigten Kleidungsstücke um xx% höher wären?

  • 97 anonym 24.04.2018, 13:42 Uhr

    Dass Menschen heute wegen unmodischer Kleidung, "falscher" Kosmetik und Frisur oder bewusst verweigerten Schönheits-OPs bzw. zuvieler grauer Haare und Falten gesellschaftlich gemobbt werden, sagt wohl alles über die Dekadenz unserer Zeit.

  • 96 Ulf Lindermann 24.04.2018, 13:41 Uhr

    Wer das weltweite BGE scheut, der wähnt selber das heutige Weltwirtschaftssystem auf sehr wackeligen Füßen.

  • 95 Ulf Lindermann 24.04.2018, 13:38 Uhr

    Der einst schier für unmöglich gehaltene Globalismus ist heute Realität. Doch ohne BGE kommt dieser Globalismus nicht aus seinen Kolonialismus-Kindertagen in einen fairen Welthandel hinaus.

  • 93 Maik G. 24.04.2018, 13:33 Uhr

    "Ostasiens Vorsprung im Wettbewerb ist deshalb so überragend, weil er nicht nur in den absoluten Unterschieden zwischen den Personalkosten bei der Gewebeherstellung besteht, sondern sich auch noch in den niedrigeren Kosten für die Hilfs - und Betriebsstoffe, Energie, Maschinen, Vorerzeugnisse usw. niederschlägt. Ungehindert von sozialgesetzlichen Einschränkungen, können die Webstühle in Hongkong 24 Stunden täglich tätig sein. Die hieraus folgende bessere Ausnutzung der Maschinen wirkt sich ebenfalls als Wettbewerbsvorteil für Ostasien ans (bei uns ist Frauenarbeit in der Nachtschicht grundsätzlich untersagt)." (Quelle: Der SPIEGEL, Mai 1958)

  • 92 Maik G. 24.04.2018, 13:31 Uhr

    Die Frage, warum die deutschen Webereien der ausländischen Konkurrenz nicht gewachsen seien, beantwortete der Baumwohlweber-Verband mit einer Expertise Über die Sozialstruktur in den Billigpreis -Ländern: "Obwohl die deutschen Unternehmen größte Anstrengungen zur rationellsten Ausnutzung der Maschinen und zur höchsterreichbaren Arbeitsproduktivität in allen Herstellungsbereichen machen, können sich ihre Kosten nicht mit ostasiatischen Industrien mit einem Drittel oder zwei Fünfteln der bei uns gezahlten Löhne messen ...