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Bruchlandung Greenpeace – Muss Protest provozieren?

Im Stadion gelandeter Greenpeace-Aktivist wird in Gewahrsam genommen

Bruchlandung Greenpeace – Muss Protest provozieren?

Die missglückte Aktion von Greenpeace beim EM-Spiel Deutschland gegen Frankreich sorgt weiter für Diskussionen. Und wirft die Frage auf: Wie weit darf Protest gehen? Sollten wir den "guten Zweck" beim Regelbruch berücksichtigen? Diskutieren Sie mit im WDR 5 Tagesgespräch!

Es passierte wenige Minuten vor dem Anpfiff der EM-Begegnung zwischen Deutschland und Frankreich: Plötzlich flog ein motorisierter Gleitschirm über das Münchner Stadion, geriet ins Taumeln, verletzte Zuschauer und landete unsanft auf dem Rasen.

Dabei handelte es sich um eine Protestaktion von Greenpeace. Mit dem Ziel, den EM-Sponsor VW zu "mehr Tempo beim Ausstieg aus klimaschädlichen Verbrennungsmotoren" zu bewegen. Die Aktion ging schief – im Stadion und als Werbung für Greenpeace.

Was wäre denn gewesen, wenn statt des Piloten der Latexball mit der Protestnote durchs Stadion gekullert wäre? Hätte das die Aktion legitimiert? Es geht ums Klima. Und da werden auch mal Straßen blockiert, Bagger besetzt und Baumhäuser errichtet. Ein bewusster Bruch von Verordnungen und Gesetzen. Mediale Aufmerksamkeit ist garantiert. Der Rückhalt in der Bevölkerung ist kaum Thema. Will die Mehrheit der Bevölkerung diese Protestformen? Ist das wichtig?

Die Polizei will sie ganz sicher nicht. Man habe "keinerlei Verständnis für solche unverantwortlichen Aktionen, bei denen eine erhebliche Gefährdung von Menschenleben in Kauf genommen wird". Auch Bayerns Ministerpräsident Marcus Söder und DFB-Sprecher Jens Grittner verurteilten die Aktion.

Wie denken Sie über solche Aktionen? Sind gewisse Grenzüberschreitungen zulässig, wenn aus Sicht der Organisatoren auf ein wichtiges Thema aufmerksam gemacht wird? Sind solche Provokationen vielleicht sogar nötig, damit Botschaften ankommen? Unterscheiden Sie den "guten Zweck" von Protesten, bei denen Sie ein hartes Einschreiten der Polizei fordern? Sind spektakuläre Aktionen, wie Greenpeace sie seit den 80er-Jahren durchführt, noch zeitgemäß? Sind wir bei Umweltaktivistinnen und -aktivisten toleranter als bei politisch motivierten Aktionen?

Rufen Sie uns während der Sendung an (WDR 5 Hotline 0800 5678 555).

Gast: Dr. Piotr Kocyba, Wissenschaftlicher Mitarbeiter TU Chemnitz, Vorstandsmitglied Institut für Protest- und Bewegungsforschung  

Redaktion: Willi Schlichting und Beate Wolff

Bruchlandung Greenpeace – Muss Protest provozieren?

WDR 5 Tagesgespräch 17.06.2021 46:54 Min. Verfügbar bis 17.06.2022 WDR 5


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