Besser weniger Krankenhäuser?

Ein Schild mit der Aufschrift "Klinikum" weist in die Richtung eines Krankenhauses

Besser weniger Krankenhäuser?

Jedes zweite Krankenhaus müsste geschlossen werden, damit Patienten besser versorgt werden können. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Bertelsmann Stiftung. Was halten Sie davon? Diskutieren Sie mit im WDR 5 Tagesgespräch!

Rund 1.400 Krankenhäuser gibt es in Deutschland. Besser wären aber 600, diese Ansicht vertreten Gesundheitsökonomen in einer am Montag (15.07.2019) veröffentlichten Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Viele Krankenhäuser seien zu klein und hätten nicht die nötige Ausstattung, um lebensbedrohliche Notfälle wie einen Herzinfarkt angemessen zu behandeln, heißt es da. Ein kritischer Punkt sei auch der Personalmangel in deutschen Kliniken. Wenn Ärzte und Pflegepersonal in wenigen großen Krankenhäusern gebündelt würden, ließen sich dadurch Komplikationen und Todesfälle verhindern, so die Autoren der Studie.

Dazu gibt es heftigen Widerspruch: Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) warnte davor, viele Krankenhäuser "platt zu machen". Die meisten Patienten kämen nicht für eine Spezialbehandlung ins Krankenhaus, sondern für die medizinische Grundversorgung wie Geburten oder altersbedingte Behandlungen. "Das sind Behandlungen, die möglichst familien- und wohnortnah in erreichbaren Krankenhäusern auch in Zukunft erbracht werden müssen", sagte DKG-Präsident Gerald Gaß.

Tatsächlich leistet sich Deutschland deutlich mehr Krankenhäuser als andere europäische Länder. Für tausend Einwohner gibt es hier mehr als drei Mal so viele Krankenhausbetten wie beispielsweise in Schweden. Die finanzielle Lage vieler Krankenhäuser in Deutschland ist prekär, jede dritte Klinik hat 2017 rote Zahlen geschrieben.

Meinen Sie, dass weniger Krankenhäuser besser für alle wären? Was halten Sie von dem Vorschlag, die Hälfte aller Krankenhäuser zu schließen? Wie wichtig ist es für Sie, ein Krankenhaus in unmittelbarer Nähe zu haben? Haben Sie Erfahrungen mit unzureichender Behandlung im Krankenhaus gemacht? Arbeiten Sie vielleicht selbst im Krankenhaus und können uns einen Einblick in Ihren Alltag geben?

Rufen Sie uns während der Sendung an (WDR 5 Hotline 0800 5678 555) oder schreiben Sie uns Ihren Kommentar in unser Gästebuch - von 11.00 bis 14.00 Uhr.

Gast: Werner Bartens, Mediziner und Journalist, Süddeutsche Zeitung München

Redaktion: Jessica Eisermann und Regina Tanne

Besser weniger Krankenhäuser?

WDR 5 Tagesgespräch 16.07.2019 45:39 Min. Verfügbar bis 15.07.2020 WDR 5

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Kommentare zum Thema

138 Kommentare

  • 138 Gemessen... 16.07.2019, 13:59 Uhr

    an dem, was sich so Zivilisation nennt, leben wir im Moment in so etwas wie dem Endzeitalter. Alles was früher utopisch war, ist heute völlig normal - und damit meine ich keinesfalls technische Errungenschaften, sondern vielmehr das allgemeine Denken und vor allem die Werte und Ansätze, die sich vollkommen gewandelt haben. Und wenn man sich in Deutschland so umschaut, hat man hier in jeglicher Hinsicht völlig den Anschluss verpasst, weil man einfach nicht hinkriegt sich mal zur Abwechslung in die richtige Richtung zu entwickeln. Das ist beschämend! Wir sind eigentlich mehr Entwicklungsland als die, die wir als solche bezeichnen!

  • 137 Karina 16.07.2019, 13:59 Uhr

    Danke für die gute diskussion und den kompetenten Sachverständigen !

  • 136 MarcoM 16.07.2019, 13:59 Uhr

    Jens Berger hat in seinem kurzen Beitrag gezeigt (siehe Kommentar 117 ff.) wie Journalismus aussehen kann. Vielleicht sollten wir morgen im TG fogende Frage einmal erötern: Warum finden sich im WDR oder der gesamten ÖR (ebenso bei den konzernmedien) keine Journalisten, die solch einen kritischen Blick auf die Bertelsmann Studie werfen. Am Geld kann es nicht mangeln!

  • 135 KlartextJetzt 16.07.2019, 13:59 Uhr

    Die Ergebnisse der Bertelsmann-Studie kann ich aufgrund eigener traumatischer Erfahrungen der letzten Monate nur bestätigen. Im Februar wurde meine Mutter aufgrund einer Herzattacke in ein Krankenhaus einer bekannten gemeinnützigen Organisation eingeliefert, die Wahl dieser Klinik erfolgte aufgrund eines Vortrags in der Cafeteria. Hier infiziete sie sich mit dem "Clostridium difficile" - Keim, was zwei weitere Aufenthalte erforderlich machte, der letzte endete schließlich tödlich auf der Intensivstation durch den übersteigerten Therapieversuch eines albanischen Assistenzarztes. Die Behandlung davor bestand überwiegend aus Antibiotika (z. T. nephrotoxisch) und anderen, teilweise hoch umstrittenen Präparaten. Bis auf die Untersuchungen in der Notaufnahme ansonsten keine bildgebende Diagnostik und kein weiteres EKG mehr, obwohl sich bei meiner Mutter täglich mehr Wasser einlagerte. Die Abteilung verfügte über ca. vier bis fünf Fachärzte, alle anderen waren ausländische Assistenzärzte.

  • 134 Ulf Lindermann 16.07.2019, 13:58 Uhr

    Einige Kommentatoren mit eigener Krankenhauserfahrung schreiben es bereits, daß diese Medizingroßbetriebe letztendlich den Patienten nicht wirklich weiterhelfen und durch all die schwerfällig Bürokratie und Fachärzte-Scheuklappendenken besteht da immer die Gefahr, daß Patienten noch kränker oder gar zu Pflegefällen gemacht werden. Da diese Medizingroßbetriebe heute dank der Krankenkassen relativ konkurrenzlos über die Patienten-Schicksale verfügen können, sollte man dieser Misere mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen begegnen, sodaß dann auch Konkurrenzmöglichkeiten damit geschaffen werden können, wie z.B. Homoöpathen, Heilpraktiker, Naturheilkundler oder die Selbsttherapie und bedarfsgemäße Medizinforschung durch die Patienten selber.

  • 133 Katharina F 16.07.2019, 13:58 Uhr

    ob es unbedingt weniger Krankenhäuser sein müssen , weiß ich nicht, aber BESSERE sollten es schon sein. Mein Vater und die Schwiegermutter meiner Tochter wurden Opfer inkompetenter Krankenhausärzte: Die 50-jährige Frau kam mit einem großen, schnell gewachsenen Bauchtumor ins Krankenhaus: Der Arzt vermutete ein Myom und entschloß sich zu einer "minimalinvasiven" Operation, bei der er den Tumor im Körper klein zerstückelte. Als sich herausstellte, dass er sehr bösartig war, wurde großzügig nachoperiert, aber die ame Frau bekam durch die Zerstückelung viele tochtergeschwülste und starb ! Meinem Vater wurde im Krankenhaus sein gewohntes Adumbran (1/2 Tablette) entzogen. Darauf konnte er nächtelang nicht schlafen und erlitt durch die Aufregung darüber ein tödliches Lungenödem.

  • 132 Mogli 16.07.2019, 13:56 Uhr

    Lieber WDR, Ihr seid doch in anderen Sendungen nicht verlegen, wenn es um kritische Nachfragen von Seiten der ModeratorInnen geht. Und heute? Nichts dergleichen. Ich freue mich daher, dass so viele Menschen kritische Kommentare geschrieben haben. Für mich bleibt ein mulmiges Gefühl betr. dieses Thema. Mein Gedanke dazu: "O brave new world that has such people in it" - in diesem Sinne einen guten gesunden Tag.

  • 131 Zeitlupenapoplex 16.07.2019, 13:52 Uhr

    An dieser Stelle aus gegebenem Anlaß eine Erinnerung an die unvergessene "Gesundheitsministerin" Ullalala Schmidt bei WDR 2 : "Bleiben Sie gesund. Anders wär' nämlich schlecht..."

  • 130 Die Milchmädchen-Rechnung 16.07.2019, 13:51 Uhr

    der Studie, die Herr Bartens unterstützt, geht nicht auf. Stellen Sie sich vor, Sie werden am Wochenende lebensgefährlich krank, was oft vorkommt. Die Arzt-Praxen sind alle geschlossen. Und der Notarzt völlig überlastet. Und sie wollen ein Krankenhaus in der nächsten Nähe erreichen bzw. in die Notaufnahme. Und da heißt es: Krankenhaus geschlossen. Was machen Sie dann? Nur noch sterben?!

  • 129 Joachim Möller 16.07.2019, 13:51 Uhr

    Heute haben wir Probleme ohne Ende. Und das BGE macht all diesen Problemen ein Ende. Und dann kann jeder selber frei und ohne finanzielle Zwänge entscheiden, ob er z.B. als Patient sich Praxen und Kkiniken anvertraut, und ob Menschen in diesen Medizin-Betrieben arbeiten möchten. Dieses Mindestmaß an Selbstbestimmung und Entscheidungsfreiheit sollte kein Staat länger den Menschen verwehren. Denn was bei so einer Grundrechte-Verwehrung rum kommt, das sieht man auch an diesem ganzen Krankenhäuser-Desaster.

  • 128 verschieden Zielkonflikte 16.07.2019, 13:48 Uhr

    Das Thema hat als Zielkonflikte falsche Leistungserbringungsanreize durch in Überangebot an Krankenhauskapazitäten, damit Überversorgung, schnelle Versorgung bei Akutfällen, und gute Erreichbarkeit auch im ländlichen Raum. Polikliniken, heute Ärztehaus, könnten einen Teil davon übernehmen.