1.180 Euro im Monat: Rettet eine Pauschale die Kultur?

Theatersaal der Volksbühne ohne Zuschauer im stimmungsvollen Licht

1.180 Euro im Monat: Rettet eine Pauschale die Kultur?

Die Kultur ächzt! Trotz Kurzarbeitergeld, Überbrückungs- und Soforthilfen bangen viele um die Existenz. Was, wenn die Hilfen nicht ankommen? Diskutieren Sie mit im WDR 5 Tagesgespräch!

Wenn die deutsche Punkband "Die Ärzte" die Tagesthemen in ihrer eigenen E-Gitarren-Version eröffnen, weiß man, dass etwas Besonderes passiert. Das Rock-Intro ist kein Witz, sondern ein Aufschrei, denn die Kunst- und Kulturbranche steht seit Monaten still und Künstlerinnen und Künstler können häufig keine Sofort- und Überbrückungshilfen annehmen. Das war im Oktober. So langsam wird es eng, die letzten Ersparnisse sind aufgebraucht, der Ausblick ist düster.

Viele stehen alleine dar: "Menschen, die das ganz Jahr über keine Jobs hatten und inzwischen wirklich Existenzängste haben", sagt Ärzte-Schlagzeuger Bela B. So ging es der Fotografin Marie Köhler, die in einem Brief an den "Kölner Stadt-Anzeiger" bereits im März darüber berichtet, dass ihre Aufträge und Nebenjobs von heute auf morgen weg waren und Geld für Essen und Miete knapp wird. Der Heavy Metal Sänger Marcus Bischoff von der Band "Heaven Shall Burn" konnte als gelernter Krankenpfleger auf der Intensivstation arbeiten. Der Kölner Musiker Matthias Klimsch resümiert nüchtern: "Alles stagniert – keine Messen, keine Konzerte, nichts mehr. Null Einnahmen und die Kosten bleiben."

So lauten die Hilferufe aus der Kulturbranche. Aber wie kann es sein, dass der Staat Zuwendungen in Milliardenhöhe ankündigt und diese aus Sicht der Empfänger nicht ankommen? Der Zugang sei erschwert durch bestimmte Voraussetzungen, die Anträge seien unübersichtlich formuliert und ohne Fachwissen nicht zu durchschauen, so komme die Hilfe nicht bei den Menschen an. Statt Soforthilfen und Ausfallzahlungen braucht es eine Pauschale für alle Kulturschaffenden, Freiberufler und Solo-Selbständigen – das fordert die Kulturinitiative 21 in einem offenen Brief an die Regierung. Die Pauschale: 1.180 Euro jeden Monat für mindestens ein Jahr, so sollen dringend notwendige Hilfen ankommen.

Einen ähnlichen Weg geht die Initiative "Kultur im Grundgesetz": Die Betreiber fordern, "langfristige stabile Sicherungsinstrumente für Kunst- und Kulturschaffende zu etablieren sowie ein auf sie zugeschnittenes Regelwerk zu schaffen, das sie vor unverschuldeten Verdienstausfällen schützt". Eine Pauschale könnte eine solche Sicherung bedeuten.

Muss der Kulturbetrieb anders behandelt werden? Viele andere müssen ebenfalls auf Hilfen warten und sich durch bürokratische Prozesse arbeiten – braucht der Kulturbetrieb hier trotzdem eine Sonderbehandlung? Was ist Ihnen die Kultur wert und wie können wir Künstlerinnen und Künstlern helfen?

Rufen Sie uns während der Sendung an (WDR 5 Hotline 0800 5678 555).

Gast: Gerhart Baum (Vorsitzender Kulturrat NRW)

Redaktion: Willi Schlichting und Julia Lührs

1.180 Euro im Monat: Rettet eine Pauschale die Kultur?

WDR 5 Tagesgespräch 26.01.2021 42:33 Min. Verfügbar bis 26.01.2022 WDR 5


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