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Droht ein neuer Golfkrieg?

Donald Trump am Rednerpult

Droht ein neuer Golfkrieg?

Eskalation im Nahen Osten. Nach der Tötung eines ranghohen iranischen Generals verschärfen die USA und der Iran ihre gegenseitigen Drohungen. Wie blicken Sie auf diesen Konflikt? Diskutieren Sie mit im WDR 5 Tagesgespräch!

Von Rache und Vergeltung ist die Rede. Das geistliche Oberhaupt des Irans Chamenei droht den USA mit "schwerer Vergeltung" und der amerikanische Präsident droht zurück. Im Falle eines Angriffs auf US-Bürger oder amerikanische Ziele muss der Iran nach Worten von Präsident Donald Trump eventuell mit einem "unverhältnismäßigen" Gegenschlag rechnen. Die Vereinigten Staaten würden schnell und umfassend zurückschlagen und Ziele attackieren, die für die Islamische Republik und deren Kultur teils sehr bedeutsam seien, drohte er auf Twitter.

In den USA selbst ist der Angriff auf Soleimani hoch umstritten. Diverse Republikaner haben Soleimanis Tötung als gerechte Strafe für einen Feind Amerikas verteidigt. Auch Demokraten erklärten, niemand werde dem General eine Träne nachweinen – doch der Raketenangriff auf ihn sei eine verantwortungslose und noch dazu vom Kongress nicht abgesegnete Eskalation. "Präsident Trump hat soeben eine Stange Dynamit in ein Pulverfass geworfen", erklärte der frühere US-Vizepräsident und demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden.

Als Folge der Eskalation scheint das Atomabkommen mit dem Iran, an dem die EU immer noch festhalten will, endgültig vor dem Aus zu stehen und auch der Verbündete Irak, auf dessen Boden der Anschlag stattfand, distanziert sich deutlich. Das Parlament des Iraks verabschiedete gestern eine Resolution, die die Regierung auffordert, für ein Ende der militärischen Präsenz aller ausländischen Truppen im Land zu sorgen. Auch hier reagierte der US Präsident empört und drohte den Irakern mit schweren Sanktionen.

Bundesaußenminister Heiko Maas hat die Haltung der USA als "nicht sehr hilfreich" bezeichnet. Wie die gesamte EU setzt er auf Deeskalation und Gespräche, doch die scheinen derzeit nicht in Sicht. Auch die Nato hat für heute eine Sondersitzung einberufen.

Was meinen Sie? Lässt sich der Konflikt noch entschärfen, oder steuern wir auf einen neuen Golfkrieg zu? Wer sollte hier vermitteln, welche Kräfte können vor Ort überhaupt noch wirken? Wie sehen Sie Deutschlands Rolle in der Konfliktregion?

Rufen Sie uns während der Sendung an (WDR 5 Hotline 0800 5678 555) oder schreiben Sie uns Ihren Kommentar in unser Gästebuch - von 11.00 bis 14.00 Uhr.

Gast: Michael Lüders, Politik- und Wirtschaftsberater, Publizist und Autor

Redaktion: Ulrich Horstmann und Julia Lührs

Droht ein neuer Golfkrieg?

WDR 5 Tagesgespräch 06.01.2020 45:09 Min. Verfügbar bis 05.01.2021 WDR 5

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Kommentare zum Thema

140 Kommentare

  • 140 A. Müller 06.01.2020, 13:59 Uhr

    Dieser Kommentar wurde mehrfach abgegeben und daher an dieser Stelle gesperrt. (die Redaktion)

  • 139 Anonym 06.01.2020, 13:59 Uhr

    Der Konflikt in der Golfregion lässt sich natürlich wie jeder andere geschürte Konflikt in der Welt entschärfen: Die Frage ist nur, wer außer leere Versprechen auch ein tatsächliches Interesse an einer Entschärfung hat.

  • 138 MarcoM 06.01.2020, 13:59 Uhr

    "Wie es scheint, ist Donald Trump dazu bereit, den Mittleren Osten mit einem weiteren Krieg zu überziehen. Wahrscheinlich haben seine Wahlkampfmanager ihm gesagt, dass dies die Chancen auf eine Wiederwahl erhöht. Wer bislang immer noch der Meinung war, Trump sei – auch im Vergleich zu seinen Amtsvorgängern – ein eher 'friedliebender' US-Präsident, sollte spätestens jetzt aufwachen und Trump als einen weiteren militärischen Hasardeur an der Spitze eines kriegerischen Imperiums sehen, das die USA seit vielen Jahren sind." (Jens Berger) - In der Tat weckte die Wahl Trumps die Hoffnung auf einen US-Präsidenten, der weniger kriegerisch als seine Amtsvorgänger agiert. Mindestens im Bezug auf den Iran ist Trump dahingegend aber eine große Enttäuschung.

  • 137 Gerda von Aldi Nord 06.01.2020, 13:59 Uhr

    Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. (die Redaktion)

  • 136 A. Müller 06.01.2020, 13:58 Uhr

    Die Redaktion hat eine kluge Entscheidung getroffen und Frau Brandi hat es super gemanagt, Herrn Dr. Lüders einzuladen. Er ist eine integre Persönlichkeit und sehr kompetent. Von ihm können wir immer was dazu lernen.. Wir haben als Zuhörer einen äußerst kompetenten, klugen und erfahrenen Analytiker und Kenner der Geschichte und aktueller Lage des nahen und mittleren Ostens erlebt. Dafür verdient WDR5 einen Riesenbeifall. Herrn Lüders kann man nicht satt hören. Die 40 Minuten, die Herr Lüders dem Sender zur Verfügung stand, sind für solche Fragenkomplexe nicht genug. Schön wäre ihn einen ganzen Tag bei einem Workshop zu erleben und von seinen reichlichen Kenntnissen zu profitieren. Zu dem letzten Beitrag, den Frau Brandi vortrug und zu der letzten Wortmeldung ein kurzer Hinweis: Studiert bitte die iranische Geschichte des 20. Jahrhunderts. USA hatten 1953 die Demokratie unter Mossadeq im Keim erstickt. Ohne dieses Verbrechen, hätten die Mullahs keine Chance in Iran.

  • 135 Simone 06.01.2020, 13:58 Uhr

    Fr.Brandi: "...der Mord an dem General..." Welche Arroganz. Ist sie moralische Instanz?

  • 134 MarcoM 06.01.2020, 13:58 Uhr

    Die USA haben mit der Tötung des Generalmajors Soleimani die Sicherheitslage für Europa erheblich verschärft. Soleimanis Quds-Einheit hat in Syrien und zuletzt auch im Irak hauptsächlich gegen die islamistischen Streitkräfte des IS gekämpft - und das mit großem Erfolg. Soleimani hat dazu beigetragen die Lage in Syrien zu stabilisieren. Die USA haben einen Mann getötet, der dafür gesorgt hat, daß weniger Terroristen nach Europa einsickern. Das war im Interesse Europas – vor allem auch im Interesse Deutschlands. Die USA tragen kaum ein Risiko durch die Ermordung Soleimanis. Im Falle eines Krieges in der Region werden die Flüchtlingsmassen (inklusive Terroristen) nicht etwa in die USA, sondern nach Europa strömen. Egal wieviel Sympathie man Trumps Kampfansage an den Globalistensumpf im eigenen Lande entgegenbringen mag, die USA stellen - auch unter Trump - ein erhebliches Sicherheitsrisiko für Europa dar. Hier zeigt sich wieder einmal: Die USA sind keine Verbündeten für Europa.

  • 133 Hau druff 06.01.2020, 13:56 Uhr

    Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. (die Redaktion)

  • 132 Ralf Langheim 06.01.2020, 13:56 Uhr

    Ja unbedingt, wenn Donald meint, ihn für seine Wiederwahl doch noch brauchen zu können.

  • 131 MarcoM 06.01.2020, 13:56 Uhr

    "Stellen Sie sich einmal folgendes Szenario vor: Der Chef des US-Generalstabs Mike Milley trifft zu einem informellen Besuch in Kiew ein und Wladimir Putin befiehlt den russischen Streitkräften, die Wagenkolonne, in der Milley von ranghohen ukrainischen Militärs vom Flughafen der Stadt abgeholt wird, mit einem Luftangriff zu vernichten. Wenige Minuten später postet Putin dann auf Twitter die russische Flagge … ohne weiteren Kommentar. Was würde in einem solchen Fall passieren? Im Morgenmagazin würden sich deutsche Sicherheitspolitiker gegenseitig mit Anschuldigungen an die russische Seite übertreffen und diesen offenen Bruch des Völkerrechts vollkommen zu Recht verurteilen. Wie die USA diese 'Kriegserklärung' aufnehmen würden, ist der Phantasie der Leser überlassen." (Jens Berger: "Trump will Krieg")

  • 130 JoLa 06.01.2020, 13:55 Uhr

    Ich sehe den Konflikt als brandgefährlich an und befürchte, dass der nächste Nahostkrieg vor der Tür steht. Herr Lüders, den ich als einen der wenigen Journalisten sehe, die noch objektiv und kompetent aus der Krisenregion Nahost berichten, ist klar und präzise. Seiner Analyse kann ich vollinhaltlich nachvollziehen. Mit dem Krieg im Irak und den Lügen des Pentagon begann der Krieg und die Destabilisierung der ganzen Region. Der letzte positive Akt in der Regierung Schröder war die Ablehnung der Beteiligung an Kriegseinsätzen. War aber den Amis, Franzosen und vor allem Blair egal. Nach diesem Desaster mit 100 tausenden Toten und einem zerstörten Land begann die Ära des IS. Lybien und Syrien folgten mit Krieg, Terror und Flucht für Millionen. Damit war primär die Türkei , Europa und insb. D betroffen, bis heute. Jetzt Iran, das zwar ein verachtenswerter islamischer Staat ist, aber nicht schlimmer als Saudi Arabien. USA macht Geschäfte, die Last trägt EU und D. Wahnsinn hat Methode, USA!