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Kurden – von allen verraten?

 Eine Frau hält ein gerahmtes Porträt eines kurdischen Kämpfers, der im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) getötet wurde, 08.10.2019, Syrien, Qamishli.

Kurden – von allen verraten?

Die Türkei droht mit einen Militäreinsatz im Kurdengebiet in Syrien. Hintergrund ist die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, amerikanische Truppen von dort abzuziehen. Ein Verrat an den Kurden? Diskutieren Sie mit im WDR 5 Tagesgespräch!

Die YPG-Kurdenmilizen waren ein wichtiger Verbündeter der USA im Kampf gegen die Terrormiliz IS in Nordsyrien. Nachdem sie den IS aus Städten wie Kobane vertrieben haben, dominieren sie nun den Nordosten Syriens.

Ein Einmarsch der Türkei in das Gebiet könnte unmittelbar bevorstehen: "Alle Vorbereitungen für den Einsatz sind abgeschlossen", erklärte das Verteidigungsministerium am Dienstag (8.10.2019) per Twitter. Die Türkei will auf syrischem Territorium eine sogenannte Sicherheitszone schaffen, die 30 Kilometer breit sein soll. Die Kurdenmiliz YPG wird von der Türkei als Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK gesehen – und damit als Terrororganisation.

Die Drohung der Türkei, in Nordsyrien einzumarschieren, steht schon länger im Raum. Akut ist sie jetzt geworden, weil das Weiße Haus am Montag (07.10.2019) signalisiert hatte, dass US-Streitkräfte sich einem türkischen Militäreinsatz nicht länger in den Weg stellen würden. Erste amerikanische Soldaten wurden bereits aus der Grenzregion abgezogen. Kurdenvertreter warnen, dass die Region zu einem Kriegsgebiet werden könnte.

Aus Deutschland kamen Warnungen: "Ein solches militärisches Eingreifen würde zu einer weiteren Eskalation in Syrien führen", sagte Vize-Regierungssprecherin Ulrike Demmer. Sie zeigte jedoch gleichzeitig Verständnis für die Sicherheitsinteressen der Türkei im Grenzgebiet.

Was denken Sie über die Situation an der türkisch-syrischen Grenze? Werden die Kurden von ihren ehemaligen Verbündeten verraten? Könnte ein neuer Konflikt in der Region langfristig den IS wieder stärker machen? Befürchten Sie, dass dann auch wieder mehr Flüchtlinge nach Deutschland kommen könnten? Hat sich Europa durch den Flüchtlingsdeal zu abhängig von der Türkei gemacht?

Rufen Sie uns während der Sendung an (WDR 5 Hotline 0800 5678 555) oder schreiben Sie uns Ihren Kommentar in unser Gästebuch - von 11.00 bis 14.00 Uhr.

Gast: Daniel Gerlach, Mitherausgeber und Chefredakteur des Magazins Zenith

Redaktion: Gundi Große und Dirk Müller

Kurden – von allen verraten?

WDR 5 Tagesgespräch 09.10.2019 45:05 Min. Verfügbar bis 08.10.2020 WDR 5

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Kommentare zum Thema

115 Kommentare

  • 115 Dirk 09.10.2019, 13:59 Uhr

    NATO, EU usw. tolerieren wie üblich türkische Angriffe auf Kurdengebiete, aber jedes Volk sollte das Recht auf Autonomie u. Selbstbestimmung auf seinem angestammten Land haben! Die Aufteilung „Kurdistans“ auf Irak, Syrien u. Türkei führte zudem unterschiedliche Völker ins selbe Land, deren bewaffneten Konflikte Hauptursache der weltweiten Flüchtlingsströme ist! Weshalb will die internationale Politik unbedingt ein eigenständiges Kurdistan verhindern? Weil sie mithilfe ihres UN-Migrations- u- Flüchtlingspaktes eigenständige Völker abschaffen will! Nach dem US-Militärgeostrategen Thomas P.M. Barnett sind die v.a. auf Europa abzielenden Flüchtlingsströme Teil d. Globalisierungsstrategie „Der ungehinderte Strom v. Einwanderern“, den keine Regierung oder Institution verhindern darf. Nationale Grenzen sollen aufgelöst, Rassen vermischt, dadurch Werte u. Religionen abgeschafft u. der Weg zu einer globalen „Neuen Weltordnung“ (NWO) geebnet werden; so der „NWO-Plan zur Zerstörung der Staaten“!

  • 114 Udo FLintenberg 09.10.2019, 13:58 Uhr

    Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. (die Redaktion)

  • 113 Rüdiger H. 09.10.2019, 13:56 Uhr

    Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er sich nicht auf das Thema der Diskussion bezieht. (die Redaktion)

  • 112 MarcoM 09.10.2019, 13:55 Uhr

    2/2: Den Türken sind die Pläne, die sich hinter den wohlklingenden Projekten "Greater Middle East" und "Neuer Naher Osten" verbergen und was dieses für die Türkei und die gesamte Region bedeuten, immer noch durchaus bewußt. Siehe hierzu die Kommentare 54, 55 u. 56 (Zusatz 65), insbesondere die dort angegebenden Beiträge. Aber um es klar zu machen: Ein Einmarsch der Türkei in Syrien ist ein Völkerrechtsbruch, was man so auch klar benennen sollte. Niemand hat das Recht, einfach so in ein anderes Land einzumarschieren und Teile davon zu besetzen. Nur gilt das natürlich und insbesondere auch für die US-Truppen. Aber ebenso gilt auch: Die YPG unterstützt die PKK in der Türkei mit Waffen und Kämpfern, und die PKK wird international als Terrororganisation eingestuft. Der Westen hat also durch seine Unterstützung von Terroristen eine Situation geschaffen, in der man fast Verständnis für den völkerrechtswidrigen Einmarschplan von Erdogan haben kann.

  • 111 MarcoM 09.10.2019, 13:54 Uhr

    1/2: "Könnte ein neuer Konflikt in der Region langfristig den IS wieder stärker machen?" ~~~ Na, wenn der IS in Syrien noch nicht vollständig geschlagen sein sollte, so sollte man diesen Job getrost den syrischen Streitkräften überlassen - mit Unterstützung durch Russland und dem Iran. Diese haben doch gezeigt, dass sie im Bekämpfen islamistischer Terroristen wesentlich effizienter und zielorientierter sind. (Aber wenn man die Berichterstattung unserer Medien in den letzten Jahren dazu Revue passieren läßt, so scheint man diese Bekämpfung von Terroristen wohl eher nicht begrüßt zu haben.) Ansonsten kann ich nur davor warnen sich auf Grundlage der äußerst dünnen Berichterstattung in unseren Staats- und Konzernmedien zu den geostrategischen Hintergründen und vereinfachten Schwarz-Weiß-Malereien ein Bild zu den Vorgängen und Zusammenhänge in dieser region machen zu wollen. Auch darf man sich bei seiner Bewertung nicht von Antipathien und vezerrten Heldendarstellungen leiten lassen.

  • 110 Muddsch Pfutsch 09.10.2019, 13:53 Uhr

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  • 109 Dirk 09.10.2019, 13:53 Uhr

    „Was denken Sie über die Situation an der türkisch-syrischen Grenze?“ Schon die türkische Invasion in Afrin (wo u.a. viele syrische Christen, Jesiden und auch Turkmenen und Araber Schutz fanden) richtete sich sowohl gegen die Bildung eines Kurdenstaates als auch gegen eine demokratische Entwicklung in Nordostsyrien. um dort sunnitische Syrer anzusiedeln. Unter dem bekennenden Islamisten und sich in der Zeitung „Milliyet" als Anhänger der Scharia bezeichnende Erdogan kooperierten die türkischen Militärs in Syrien mit der Al-Nusra-Front, dem syrischen Al-Qaida-Ableger, um die Region unter islamistische Herrschaft zu bringen, und bekämpft mit den Kurden den einzig ernsthaften Gegner des IS, dem die Türkei auch schon tatkräftig geholfen hat. Die NATO sollte die Türkei aus ihrem Bündnis ausschließen, denn „bei solchen Freunden braucht man keine Feinde mehr“! Aber NATO, USA, EU u. auch GroKo halten still, wenn Erdogan Kurden und auch Christen bekämpfen will!

  • 108 Guter Kommentar 09.10.2019, 13:50 Uhr

    Wie gute Kurden Politik aussieht zeigen NUR die Kommentare von Breslein, alle anderen sind nur BLaBla.

  • 107 Johannes Schmalor 09.10.2019, 13:49 Uhr

    Die euphemistische Wortwahl des Studiogastet hat mich bestürzt gemacht: Es befinden sich verschieden Global Player in dem Raum. Ach wie schön: sie wollen ja nur spielen! … Dabei agieren sie fast alle völkerrechtswidrig, auch Deutschland! Warum sollte man nicht auch dort einen Bevölkerungsaustausch vornehmen oder die Bevölkerung gestalten? Der Anrufer nach diesem Statement wählte schon deutlichere Worte: Kurden vertreiben, vernichten … Gemetzel. Oder: Eine kriegerische Auseinandersetzung bahnt sich an. Der 1.9.1939 wird zurecht als Überfall bezeichnet. Warum nicht auch dieser Einfall in ein anderes Land!? Mit friedlichen Grüßen Johannes Schmalor

  • 106 Breslein 09.10.2019, 13:48 Uhr

    Hauptsache in der Festung Europa herrscht Friede. Was auf den Vorhof des Paradieses passiert ist mir total schnuppe. Wir in Europa haben unsere Lektion in 2 Weltkriegen bitter erlernt. Dieses schmerzhafte Periode haben die Länder des Nahen Osten und in Afrika leider noch vor sich. Deshalb ist es richtig und wichtig sich in den Lernprozess nicht einzumischen.

  • 105 Dirk 09.10.2019, 13:46 Uhr

    „Befürchten Sie, dass dann noch mehr Flüchtlinge nach Deutschland kommen könnten?“ Wie die anderen Fragen mit „Ja“ zu beantworten! Wer wirklich ernsthaft Fluchtursachen bekämpfen will, sollte auch die weltweit häufigste Fluchtursache beseitigen, nämlich bewaffnete Konflikte zwischen unterschiedlichen Völkern, die wie z. B. im Irak u. Syrien durch willkürliche Grenzziehungen ignoranter Kolonialmächte zum Zusammenleben im selben Land gezwungen wurden! Aber führende internationale (auch deutsche) Politiker nennen alle jetzigen Grenzen (außer auf der Krim) „feststehend und unverrückbar“, dulden aber u. a. Waffenlieferungen an korrupte Regierungen und sind auch dadurch mitverantwortlich für Vertreibungen u.a. nach Europa! Jedes Volk (wie die Kurden, Tibeter, Katalanen usw.) sollte sich auf ihrem angestammten Land selbst verwalten und ihre eigene Regierung bestimmen können. Das sollten auch Erdogan, die EU, NATO, UNO u. a. anerkennen!