Arbeitszeit erfassen – Schutz oder Kontrolle?

Ein Mitarbeiter erfasst seine Arbeitszeit digital an einem Terminal

Arbeitszeit erfassen – Schutz oder Kontrolle?

Arbeitgeber sind künftig verpflichtet, die Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter genau zu erfassen. Das hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) nun entschieden. Was halten Sie davon? Diskutieren Sie mit im WDR 5 Tagesgespräch!

Jeder Arbeitnehmer habe ein Grundrecht auf die Begrenzung der Höchstarbeitszeit sowie auf tägliche und wöchentliche Ruhezeiten. So hat der EuGH gestern sein Urteil begründet – nach dem Arbeitgeber in der EU künftig die Arbeitszeit ihrer Angestellten systematisch erfassen müssen.

Wie genau die Zeiten überprüft werden, das können die Mitgliedsstaaten selbst bestimmen – vorausgesetzt, es handele sich dabei um ein "objektives, verlässliches und zugängliches System". Andernfalls sei es für Arbeitnehmer "äußerst schwierig oder gar praktisch unmöglich", ihre Rechte durchzusetzen, so der EuGH.

Im konkreten Fall hatte eine Gewerkschaft in Spanien gegen die Deutsche Bank SAE geklagt. Wie auch häufig in Deutschland werden dort bislang oft nur die Überstunden der Arbeitnehmer registriert. Das aber reiche nicht aus, stellte der EuGH jetzt fest.

Das Urteil könnte auch den Arbeitsalltag hierzulande stark verändern: Denn in vielen Branchen in Deutschland werden die Arbeitszeiten bislang nicht systematisch dokumentiert. Hinzu kommt: Auch wer im Homeoffice oder Außendienst tätig ist, muss künftig seine Arbeitszeit erfassen lassen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) begrüßte das Urteil: Es schiebe der "Flatrate-Arbeit" einen Riegel vor. Von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) hingegen kam Kritik: Die Entscheidung wirke wie ein Rückfall in vergangene Zeiten. Man könne auf die Anforderungen der modernen Arbeitswelt nicht mit der Stechuhr reagieren.

Was sagen Sie zu dem Urteil? Ist es ein gutes Instrument, um die Rechte der Angestellten zu stärken? Oder gibt es lediglich den Arbeitgebern die Möglichkeit, ihre Mitarbeiter zu kontrollieren? Halten Sie das Urteil für zeitgemäß? Ist Arbeit überhaupt mit Zeit gleichzusetzen? Oder sollte nicht vielmehr die erbrachte Leistung zählen?

Rufen Sie uns während der Sendung an (WDR 5 Hotline 0800 5678 555) oder schreiben Sie uns Ihren Kommentar in unser Gästebuch – von 11.00 bis 14.00 Uhr.


Gast: Prof. Dr. Hilmar Schneider, Direktor IZA

Redaktion: Valentina Dobrosavjlevic und Felix Ohmes

Arbeitszeit erfassen – Schutz oder Kontrolle?

WDR 5 Tagesgespräch 15.05.2019 45:21 Min. Verfügbar bis 14.05.2020 WDR 5

Download

Kommentare zum Thema

70 Kommentare

  • 70 E. Stoiber 15.05.2019, 13:59 Uhr

    Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. (die Redaktion)

  • 69 Gerd SR-71A/ Auslieferung 15.05.2019, 13:59 Uhr

    . . . an die totale Willkürlichkeit von Markt und Unternehmer propagierte diese Sendung in der Konsequenz und hauptsächlich, wenn sie eine sog. "Leistungsbemessung" der Zeitbemessung entgegenstellt. - Die Zeitbemessung ist die Grundvoraussetzung für eine halbwegs gerechte berechnung des Arbeitslohnes ! Aber damit man der Intendition Senel's folgt, baute sie noch vorher große Popanze auf: "Kontrolle!" - wie schrecklich, das Selbstverständliche, -- und gar "Bürokratiemonster!"

  • 68 Auch das Ehrenamt 15.05.2019, 13:58 Uhr

    in öffentlichen Einrichtungen sollte streng kontrolliert werden. Weil gerade hier immer mehr Arbeitgeber schlau Arbeitsplätze einsparen.

  • 66 Ich 15.05.2019, 13:56 Uhr

    bin froh über diese Entscheidung. Denn so wird das Problem eingedämmt, dass immer weniger Personal immer mehr Arbeit (oft als unvergütete Überstunden) leisten muss und auch will. Aus Angst vor Arbeitsplatz-Verlust. Und der Arbeitgeber lacht sich ins Fäustchen, weil er Geld gespart hat.

  • 65 Gerd SR-71 A/ Wieder ... 15.05.2019, 13:56 Uhr

    . . . hat die Sendung noch nicht angefangen und die MODERATORIN hat uns schon zweimal gesagt, in welche Richtung man denken sollte ,- also gegen Arbeits-Zeitbemessung, - für "Leistungsbemessung" - - wie lächerlich und r e a l i t ä t s f e r n ! Als wenn nicht längst schon beides, auch tarifvertraglich, einstufungsmäßig . . . usw. usf. traditionell miteinander verbunden wäre ! Wo lebt Frau Senel ?!

  • 64 Miss Piggy 15.05.2019, 13:55 Uhr

    Es gibt Winterzeit, Sommerzeit und Mahlzeit. Und die Arbeitszeit liegt irgendwo dazwischen.

    Antworten (1)
    • Sie 15.05.2019, 13:59 Uhr

      nerven mit Ihrem Quatsch, den man ständig lesen muss.

  • 63 E. Stoiber 15.05.2019, 13:52 Uhr

    Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. (die Redaktion)

  • 62 Die Entscheidung 15.05.2019, 13:47 Uhr

    des EuGH ist richtig. Denn nur dadurch, dass Arbeitgeber/innen gesetzlich unkontrolliert bzw. heimlich Überstunden ableisten lassen, ist der eklatante Personalmangel in allen Branchen überhaupt möglich geworden. So nach dem Motto Wieso soll ich mehr Personal einstellen, meine Mitarbeiter müssen eben immer länger arbeiten, wenn sie ihren Arbeitsplatz behalten wollen.

  • 61 Humpel Watch 15.05.2019, 13:40 Uhr

    Da werden bald viele Stechuhren langsamer gehen als die Normalzeit.

  • 60 Ach so schaut das aus 15.05.2019, 13:38 Uhr

    Schutz ist gut, Kontrolle ist besser.

  • 59 Dirk 15.05.2019, 13:33 Uhr

    Wäre ich Arbeitgeber, würde ich meine Mitarbeiter (sofern dies gesetzlich möglich ist) nicht nach Arbeitsdauer, sondern nach Arbeitsleistung bezahlen, wobei ich ihnen nur ein geringes Grundgehalt, aber eine umso höhere Leistungsprämie auszahlen würde. – Natürlich sollte man allgemein – wenn man ihr nicht schon vorbeugen kann – gegen jede Art der Ausbeutung gesetzlich vorgehen können, aber hier dient dieses gleichwohl bedenkliche Thema den Gewerkschaften und dem EuGH anscheinend als Vorwand zur Ausweitung der allgemeinen Überwachung, weshalb ich dieses Urteil sehr bedaure! Dies ist (nur) ein weiterer Grund, bei der Europa-Wahl gegen diese EU(-Gesetzgebung) zu stimmen, die uns – weil ich keine international handelnde Firma habe – tatsächlich weitaus mehr Nachteile als Vorteile gebracht hat, z. B. offene Grenzen zur Förderung internationaler Kriminalität, steuerfinanzierte Bankenrettung mit Sparerenteigung u. Geldentwertung, unbedingte EU-weite Ausschreibungen öffentlicher Aufträge usw.!