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Truppenabzug aus Afghanistan

Afghanistan: ISAF-Soldaten der Bundeswehr setzen mit einem Militärhubschrauber zur Landung an. (03.10.2011)

Truppenabzug aus Afghanistan

Die US-Regierung will ihre Truppen aus Afghanistan abziehen. Zieldatum ist der 20. Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001. Nato und Bundeswehr schließen sich an. Überfällig oder verantwortungslos? Diskutieren Sie mit im WDR 5 Tagesgespräch!

"Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt." So begründete der damalige Verteidigungsminister Peter Struck 2002 den Einsatz der Bundeswehr in der von den USA geführten Nato-Mission in Afghanistan.

Auslöser waren die Terroranschläge auf die USA am 11. September 2001 und die Einschätzung der USA, dass der Terrorist Osama Bin Laden diese Anschläge von Afghanistan aus geplant hatte. Das damals von den Taliban beherrschte Land wurde als Quelle terroristische Bedrohung für die westliche Welt gesehen. Die Herrschaft der Taliban machte Afghanistan zum idealen Rückzugs- und Vorbereitungsort der Terrororganisation al-Kaida. Als zweites Ziel des Einsatzes betonte vor allem die Bundesregierung immer wieder, den Aufbau einer stabilen Demokratie in dem Land.

2014 beendete die Nato offiziell ihren Kampfeinsatz gegen die Taliban. Seitdem konzentriert sich die Mission auf die Beratung und Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte. Für die Bundeswehr ist es der bislang verlustreichste Einsatz ihrer Geschichte. 59 Soldaten starben in Afghanistan. Und es ist auch ihre bislang teuerste Mission, laut Bundesregierung bis Ende 2018 allein 12 Milliarden für den Einsatz der Bundeswehr selbst. Derzeit umfasst das Mandat der Bundeswehreinsatz bis zu 1.300 Soldaten und wurde unlängst im Bundestag bis Januar 2022 verlängert.

Der ehemalige US-Präsident Donald Trump hatte im Februar 2020 in einem Abkommen mit den wieder erstarkten Taliban vereinbart, die internationalen Truppen bis Ende April dieses Jahres abzuziehen, wenn die Taliban sich im Gegenzug an Friedensverhandlungen in Afghanistan beteiligen. Sein Nachfolger Joe Biden hat den Abtzugstermin zwar um einige Monate verschoben, bleibt aber bei der grundsätzlichen Entscheidung. Das ursprüngliche Ziel der Mission sei erreicht, von Afghanistan gehe keine Gefahr mehr für Terroranschläge gegen die USA aus, so die Begründung.

Die Taliban beherrschen wieder rund die Hälfte des Territoriums und viele zivile Organisationen befürchten einen Verlust demokratischer und auch frauenrechtlicher Fortschritte. Afghanistan gilt als eines der korruptesten Länder der Welt, in dem Hilfsgelder immer wieder in dubiosen Kanälen versickern. Und die Versorgungslage großer Teile der Bevölkerung ist schlecht.

Wie beurteilen Sie den geplanten Abzug von Nato und Bundeswehr? Ist der überfällig nach fast 20 Jahren? Oder ist er verantwortungslos, weil die erreichten Forteschritte für die Zivilgesellschaft dadurch gefährdet werden? Wie wichtig sind internationale Kräfte für die Stabilität im Land? Was könnte eine Verlängerung bringen? Wie könnte künftig eine Unterstützung für Afghanistan aussehen? Was bedeutet der Abzug für die Bundeswehr? Was lässt sich aus dem Einsatz lernen?

Rufen Sie uns während der Sendung an (WDR 5 Hotline 0800 5678 555).

Gast: Dr. Hans-Peter Bartels (SPD), früherer Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages

Redaktion: Willi Schlichting und Beate Wolff

Truppenabzug aus Afghanistan

WDR 5 Tagesgespräch 15.04.2021 45:52 Min. Verfügbar bis 15.04.2022 WDR 5


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