Ist Olaf Scholz der Richtige?

Olaf Scholz verlässt eine Pressekonferenz mit Mund- Nasenmaske neben Saskia Esken (r) und Norbert Walter-Borjans (l), auf der er als Kanzlerkandidat seiner Partei für die Bundestagswahl 2021 vorgestellt wurde

Ist Olaf Scholz der Richtige?

Die SPD hat sich festgelegt: Olaf Scholz soll die Partei als Spitzenkandidat im kommenden Jahr in die Bundestagswahl führen. Eine gute Wahl? Diskutieren Sie mit im WDR 5 Tagesgespräch!

Plötzlich ist die Entscheidung da, an einem Montagvormittag im Sommer: Finanzminister Olaf Scholz ist Kanzlerkandidat der SPD. Einstimming hat der Vorstand die Entscheidung gefällt, kein Mitgliederentscheid, keine beschädigenden Debatten im Vorfeld, keine Aussprache.

Die Parteiführung lobt den Kandidaten als Krisenmanager der Bundesregierung in der Corona-Krise. "Olaf Scholz genießt hohes Ansehen in der Bevölkerung, aber auch in der Partei", sagt Parteichef Norbert Walter-Borjans. Die Parteivorsitzende Saskia Esken sagt, Scholz könne und wolle für eine sozialdemokratische Politik kämpfen. Vor Monaten hatten sie noch alles gegeben, um den als "Scholzomat" Verspotteten vom Parteivorsitz fernzuhalten.

Im kommenden Jahr müssten sich die Bürgerinnen und Bürger entscheiden, wer nach Angela Merkel (CDU) dieses Land führen soll, sagt Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. "Und Olaf Scholz wäre ein sehr guter Kanzler für Deutschland."

Doch was heißt schon Kanzlerkandidat in einer Partei, die in allen Umfragen deutlich hinter dem bevorzugten Koalitionspartner von Bündnis 90/Die Grünen liegt? Bewirbt sich Olaf Scholz am Ende nur um die Fortsetzung seiner Vizekanzlerschaft – egal, wer die Regierung führt?

Bei den Grünen gibt sich Parteichef Robert Habeck wenig überrascht und wünscht Scholz viel Spaß bei der Reise. Linkspartei-Chef Bernd Riexinger ist zurückhaltend: Seine Partei mache mögliche zukünftige Koaltionen nicht von Personen, sondern von Inhalten abhängig.

Anders der Koalitionspartner: CSU-Chef Markus Söder beklagt, der Zeitpunkt für die Nominierung sei falsch gewählt und belaste die Corona-Krisenpolitik der Koalition. Dass die SPD jetzt schon den Wahlkampf beginne, sei "verheerend für die weitere Zusammenarbeit". Kein Mensch in Deutschland habe Verständnis dafür, dass jetzt über Wahlkampf geredet werde.

Der Bewerber um den CDU-Vorsitz, Norbert Röttgen, sagte: "Die SPD hatte schon einige Kanzlerkandidaten, die nicht zur Partei und ihrer Richtung passten." Scholz sei eine taktische Lösung, die nicht glaubwürdig sei.

Wie bewerten sie die Entscheidung der SPD? Ist Scholz der Richtige? Hätte die Parteispitze die Mitglieder fragen sollen? Kommt die Entscheidung zu früh? Braucht die SPD überhaupt einen Kanzlerkandidaten? Ist der Zug für eine (rot-)rot-grüne Koalition abgefahren?

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Gast: Karl-Rudolf Korte, Politikwissenschaftler

Redaktion: Ulrich Horstmann und Julia Lührs

Ist Olaf Scholz der Richtige?

WDR 5 Tagesgespräch 11.08.2020 44:56 Min. Verfügbar bis 11.08.2021 WDR 5

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Kommentare zum Thema

168 Kommentare

  • 168 Nora H. 11.08.2020, 13:59 Uhr

    Hat Herr Scholz nicht in seiner Funktion als Hamburger Bürgermeister auf die Rückzahlung von ca. 46 Millionen € aus Cum-Ex-Geschäft der Warburg Bank verzichtet?

  • 167 thedarkside 11.08.2020, 13:59 Uhr

    Viele Kommentatoren verstehe ich nicht! Wer ist denn als Kanzler/in geeignet? Der Black-Rock-Mann, die designierte, inzwischen als Verteidigungsministerin abgeschobene KK, der Söder, ein richtiger "Macher", Laschet, der Germanist aus SW, Röttgen? Als Wähler haben wir nur mittelbar Einfluss auf die Kanzlerschaft! Dennoch verglichen mit dem was in der Welt herumläuft, ist dieses Land in einer noch konfortablen Lage! Noch! Was mich immer wieder erstaut, ist die Tatsache, wie Politik seine Bürger missbraucht! Schaut in die (kritischen) Geschichtsbücher!

  • 166 KlartextJetzt 11.08.2020, 13:58 Uhr

    Aus meiner Erinnerung entspringt das Modell "Scholz" der Ära Schröder/ Fischer und steht für die Einführung von "Hartz 4" im Rahmen der "Agenda 2010". Gut erinnern kann ich mich noch an die Aussage von O. Scholz nach - infolge der "Reformen" - verlorenen Wahlen bei der PK im Willy-Brandt-Haus: "Die notwendigen Reformen sind noch nicht hinreichend vermittelt worden". Aber es ist durchaus positiv zu bewerten, daß er diesen Job jetzt übernommen hat. Das nährt Hoffnungen, daß diese überflüssigste alle Parteien, die Sparkassen- und Kohlepartei, nach 150 Jahren jetzt endlich aus der politischen Landschaft verschwindet!

  • 165 Loki & Smoky 11.08.2020, 13:58 Uhr

    Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er sich nicht auf das Thema der Diskussion bezieht. (die Redaktion)

  • 164 Der Richtige 11.08.2020, 13:58 Uhr

    ... den oder die gibt es nicht ALLE können nur die schaffenden ausbeuten und verpulvern geklautes Geld, sogar das von den Urenkeln. Welche Partei sorgt sich wirklich um die Bürger? KEINE!

  • 163 Martin R. 11.08.2020, 13:58 Uhr

    Olaf Scholz, bleib du selbst. Lass dich nicht beirren!

    Antworten (2)
    • Dazu 11.08.2020, 13:59 Uhr

      müsste der sich erst mal im Wendehalssystem wiederfinden....

    • Ulli H. 11.08.2020, 13:59 Uhr

      Klar, der Olaf ist ja schon irre.

  • 162 Dirk 11.08.2020, 13:56 Uhr

    Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er sich nicht auf das Thema der Diskussion bezieht. (die Redaktion)

  • 161 Scholz, Laschet und Co. 11.08.2020, 13:55 Uhr

    Eskens, Bojan, von der Leyen, Lindner, Annegret Kramp Karrenbauer, Gaulandt, Baerbock, Habeck, Kipping, Spahn und Merz ohne Rückhalt und Söder, will der aus Bayern raus? Ganz Deutschland egal welcher Parteizugehörigkeit schüttelt nur noch den Kopf was sich in der Politik so rumtummelt. Und die Ergebnisse sprechen für sich. Und dann schauen alle in die USA, genau dasselbe Trauerspiel egal ob amtierender Präsident oder seniler Herausforderer.

  • 160 Dirk 11.08.2020, 13:55 Uhr

    Als SPD-Generalsekretär bei Rot-Grün verantwortete Scholz u.a. Hartz-IV, d. Ausweitung prekärer Beschäftigungen u. des Niedriglohnsektors, wodurch viele Deutsche im Familiengründungsalter diese wg. finanzieller Unsicherheit verschoben bzw. ganz darauf verzicht(et)en! Zudem sorgte Rot-Grün mit d. weitgehenden Privatisierung staatl. Wohnungsgesellschaften (Mieterhöhungen) für weiteren Wegfall sozialer Sicherheit. Und mit d. Änderung d. Staatsbürgerschaftsrechts sorgte Rot-Grün für d. Abkehr vom wesentlichen Abstammungsprinzip zum zufälligen Geburtsortprinzip u. der widersinnigen doppelten Staatsbürgerschaft – Wer kann mehreren Staaten zugleich angehören? – dafür, dass kriminelle eingebürgerte Ausländer (Familien-Clans usw.) nicht abgeschoben werden können. Als Vize-Kanzler sorgt er seit 2015 für d. Familiennachzug auch f. geduldete Sozialflüchtlinge, obwohl es lt. d. Soziologin Necla Kelek bei „orientalisch-muslimischen Familien nicht um die bei uns in Europa übliche Kleinfamilie“ geht…

  • 159 SPD-Mitglied seit 51 Jahr 11.08.2020, 13:54 Uhr

    Eine interessante Diskussion und ein hervorragender Gast, dessen Analyse ich voll zustimme. Jetzt hege ich die leise Hoffnung, dass es tatsächlich zu einem Politikwechsel in diesem Land kommen kann - wenn die SPD jetzt zusammenhält und auch die GRÜNEN mitspielen. Denen ist leider zuzutrauen, dass es 2021 trotz rechnerischer Mehrheit für rotrotgrün zu einer schwarzgrünenRegierung kommt. deshalb werde ich sie keinesfalls wählen, wie öfters in der Vergangenheit.

  • 158 R. Wegen 11.08.2020, 13:53 Uhr

    "Wie bewerten sie die Entscheidung der SPD?". - Heinz Buschkowsky hat es schon damals in seiner Kritik an der SPD auf den Punkt gebracht: "... in weiten Teilen von der Lebenswirklichkeit der Sorgen und Nöten der Menschen entfernt ...". Genau da liegt der Hase im Pfeffer und zwar bei sämtlichen Parteien; nicht nur in Deutschland, sondern auch im Großteil Europas! Ohne diese, jahrzehntelang gewachsene, arrogante Ignoranz, würde es heute gar keine AfD in dieser Ausprägung geben.