Kippa tragen gegen Antisemitismus?

Ein Mann hilft einem weiteren auf der Solidaritätskundgebung "Berlin trägt Kippa" der Jüdischen Gemeinde zu Berlin seine Kippa aufzusetzen

Kippa tragen gegen Antisemitismus?

Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hat die Bundesbürger dazu aufgerufen, als Zeichen der Solidarität mit Juden am Samstag Kippa zu tragen. Was halten Sie davon? Diskutieren Sie mit im WDR 5 Tagesgespräch!

Zuvor hatte Felix Klein davor gewarnt, an jedem Ort und zu jeder Zeit eine Kippa zu tragen. Anlass war für ihn die Statistik der Straftaten 2018. Danach haben antisemitische Delikte um fast 20 Prozent zugenommen. Wenn nun am Samstag viele Bürger Kippa trügen, sei dies ein wichtiges Zeichen der Solidarität mit Juden, so Klein. Man setze sich ein für die uneingeschränkte Religionsfreiheit und gesellschaftliche Vielfalt.

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, bezeichnete Solidaritätsaktionen wie "Berlin trägt Kippa" im April 2018 zwar als sinnvoll, aber sie reichten nicht aus. Antisemitismus müsse auf vielen Ebenen bekämpft werden. Entscheidend seien Schule und Elternhaus. Es brauche eine bessere Ausbildung von Lehrern, damit sie angemessen handeln könnten, wenn sie mit dem Thema konfrontiert werden. So wie Felix Klein riet auch Josef Schuster Kindern und Jugendlichen in manchen Großstädten davon ab, offen eine Kippa zu tragen. Sie sollten lieber eine Mütze über ihre Kippa ziehen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bedauert, dass es bis heute keine einzige Synagoge, keinen einzigen Kindergarten, der jüdisch geprägt sei, gebe, vor dem nicht deutsche Polizisten stehen und aufpassen müssen, dass nichts passiert.

Kippa tragen als Zeichen der Solidarität und gegen Intoleranz – wie bewerten Sie solche Aktionen? Passiert Ihrer Meinung nach genug bei der Bekämpfung von Antisemitismus? Wie erklären Sie sich den Anstieg antisemitischer Straftaten? Was müsste passieren, damit Juden in der Öffentlichkeit ohne Gefahr in Erscheinung treten können?

Rufen Sie uns während der Sendung an (WDR 5 Hotline 0800 5678 555) oder schreiben Sie uns Ihren Kommentar in unser Gästebuch – von 11.00 bis 14.00 Uhr.


Gast: Marina Chernivsky, Leiterin des Kompetenzzentrums für Prävention und Empowerment in Berlin

Redaktion: Valentina Dobrosavljevic und Heiko Hillebrand

Kippa tragen gegen Antisemitismus?

WDR 5 Tagesgespräch 31.05.2019 45:16 Min. Verfügbar bis 30.05.2020 WDR 5

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Kommentare zum Thema

150 Kommentare

  • 150 Gretel Taubert 31.05.2019, 13:59 Uhr

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  • 149 Jeder 31.05.2019, 13:58 Uhr

    , der seinen persönlichen Glauben demonstrativ nach außen trägt, scheint mir intolerant gegenüber anderen Meinungen. Deshalb: Weg mit religiösen Symbolen aus der Öffentlichkeit (öffentliche Einrichtungen und Straßen).

  • 148 Klartext 31.05.2019, 13:57 Uhr

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  • 147 Außer Spesen nichts ... 31.05.2019, 13:57 Uhr

    Durch den staatlichen Medienzirkus der angeblichen Solidarität mit den Juden durch das demonstrative Tragen einer Kippa wird bestenfalls die Konjunktur und der Absatz für die Hersteller von Kippas angeregt, aber es wird damit verschleiert, dass die angeblich so erfolgreiche deutsche Geschichte der letzten 1000 Jahre zwar auch von Pogromen gegen Juden, aber noch viel mehr durch chauvinistische Intellektuelle und extrem aggressive Herrschaftsmethoden absolutistisch oder totalitär privilegierter Eliten geprägt war. Daher werden hier durch das demonstrative Tragen einer Kippa und die sog. Aufklärung über das Judentum weder die antisemitische oder antijudaistische Weltanschauung verhindert, die für die Zunahme der antisemitischen Straftaten hauptsächlich verantwortlich ist, noch wird dadurch der populistisch begünstigte allgemeine Mangel an Rechtsstaatsbewusstsein bei den Bürgern behoben, um so die Schnäppchenjäger nach persönlicher Vorteilsnahme in die Schranken des Rechtsstaats zu weisen.

  • 146 JoLa 31.05.2019, 13:56 Uhr

    Wie erkläre ich den Anstieg der antisemitischen Straftaten in D? Neben unverbesserlichen Judenhassern aus dem verblendeten rechtsradikalen Bereich ist m.E. der Hauptgrund das enorme Anwachsen von islamisch verblendeten Menschen aus diversen arabisch- moslemischen Ländern in Deutschland. Dies infolge der Flüchtlingskrise und Migrationspolitik von Kanzlerin Merkel und ihrer politischen Unterstützer sowie vielen naiven und weltfremden Realitätsverweigerern in unserer Gesellschaft. Da nützen auch die Krokodilstränen einer Frau Merkel nichts, die heute beklagt, dass keine Synagoge bei uns ohne Polizeischutz unbehelligt bleibt. Unsere verantwortlichen Politiker haben uns massenweise Antisemiten mit einer oft intoleranten und modernitätsfeindlichen Einstellung ins Land geholt. Dies rächt sich jetzt auch mit dem steigenden Antisemitismus. Man muß sich nur die zuletzt vom Gaza- Streifen abgeschossenen über 600 Raketen auf Israel vor Augen halten. Die Hamas und Co.sind die übelsten Antisemiten

  • 145 Dirk 31.05.2019, 13:56 Uhr

    Weil ich kein Jude, sondern Christ bin, trage ich keine Kippa, auch nicht am Sabbat nach dem 4.Gebot! Nach der Bibel (1.Kor.11:4) soll ein Mann bei Gebeten sowieso keine Kopfbedeckung tragen, wie auch eine Frau nach 1.Kor.11:15 dabei kein Kopftuch o. Ä. tragen soll, „denn das lange Haar ist ihr anstelle eines Schleiers gegeben.“ Ob Juden eine Kippa tragen, ist mir ist egal; wenn sie sich aber auf ihre heiligen Schriften, Thora (= AT) u. Talmud berufen, in denen vom Kippatragen nichts geboten wird, haben sie angesichts Micha 5:1 u. Daniel 9:25 keine Ausrede, Jesus v. Nazareth nicht als den erwarteten Messias (gr.: Christus) anzuerkennen, weil in diesen Versen Jahrhunderte zuvor Sein Geburtsort u. -jahr prophezeit wurde! Jesus wies in Lk.24:27 die „Emmausjünger“ auf alle sich auf Ihn beziehenden Schriften d. AT (= Thora) hin (Vgl. u.a. Joh.7:39). Dan.9:25-27 bezieht sich auf den irdischen Dienst des damals noch künftigen Messias u. Seinen Opfertod nach 3½ prophet. Tagen, also 3½ Jahren!

  • 144 Historiker 31.05.2019, 13:53 Uhr

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  • 143 Frag mal Oma 31.05.2019, 13:51 Uhr

    Was hat der Zentralrat der Juden mit dem Kinderschänderfall in Lüdge zu tun ?

  • 142 Georg Brunner 31.05.2019, 13:50 Uhr

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  • 141 Helmut S. 31.05.2019, 13:49 Uhr

    Vielleicht trage ich morgen als Ausdruck meiner Solidarität mit den Geknechteten ein Palästinensertuch!!!!! Begründung: Von Israel wurden mehr als 120 Menschen in Gaza ermordet , weil sie gegen das die das Freiluft-Gefängnis Gaza protestierten. Aber darüber, schweigt die Politik und in der Presse und es ist höchstens ein Kurzmeldung zu finden. Landet aber eine aus Gaza abgeschossene Rakete irgendwo in Israel auf dem Feld, ist die Existenz Israels gefährdet, und wird tagelang von Politikern und den Medien dazu genutzt, die Palästinenser als Aggressoren zu verurteilen.

    Antworten (1)
    • JoLa 31.05.2019, 13:59 Uhr

      Sie sollten nicht die schlimmsten Menschenverächter wie die Hamas in Schutz nehmen. Mit diesen Typen könnte kein Staat der Welt friedlich nebeneinander leben. Realitätsfremder geht's nicht!

  • 140 Mechthild 31 31.05.2019, 13:47 Uhr

    Der Rat, Symbole der eigenen Religion in der Öffentlichkeit nicht zu zeigen, um Kriminelle nicht zu provozieren, wäre eine Bankrotterklärung des Rechtsstaats und der Religionsfreiheit. Ein fremdes religiöses Symbol ungefragt, nur zu Demonstrationszwecken, zu tragen, finde ich anmaßend. Da müsste man sich schon ein eigenes, nichtreligiöses Mottto ausdenken. Das Problem gerade beim Judentum aber ist, dass es sich selbst als durch die Mutter vererbbare Religion versteht, also auch völkisch. Und mit diesem Selbstbewusstsein und dessen Dominanzanspruch provoziert es seit jeher politisch. Der Israelhass der muslimischen Nachbarn ist in Deutschland neu eingeschleppt worden.

    Antworten (1)
    • Renate Meile 31.05.2019, 13:53 Uhr

      Seit wann sind Mütter völkisch? Ansonsten stimme ich Ihnen was die Symbolik und den importierten Israelhass vollkommen zu. Judenhass hat so gut wie nie etwas mit Religion zu tun und ist in der Regel rassistisch begründet.