Live hören
ARD Infonacht
23.03 - 06.00 Uhr ARD Infonacht
Mädchen in der Turnhalle

Missbrauch im Sport – was schafft Vertrauen?

Sportvereine als Tatumfeld. Wissenschaftlerinnen haben 72 Geschichten von Betroffenen analysiert. Es gibt Strukturen, die sexuelle Gewalt begünstigen. Die Täter: männlich. Die Kontrolle: oft wissen und wegschauen. Wie können Vereine Vertrauen schaffen? Diskutieren Sie mit im WDR 5 Tagesgespräch.

Vorgelegt hat die Studie die "Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs" der Bundesregierung. Grundlage sind 72 Berichte von Betroffenen sowie Zeitzeuginnen und Zeitzeugen. Die Auswertungen zeigen, dass mehr als die Hälfte der Betroffenen Gewalt in ihrem Sport nicht nur einmal erfahren haben, sondern regelmäßig und über einen längeren Zeitraum hinweg. Häufig ging es um Vergewaltigung. Gemeinsam ist den Opfern demnach, dass ihnen als junge Menschen nicht zugehört, nicht geglaubt, nicht geholfen wurde und sie dadurch ins Schweigen verfielen.

Die Sportvereine waren dabei das Umfeld, in dem die Verbrechen laut Studie am häufigsten geschahen. Die meisten Betroffenen kamen aus den Sportarten Turnen und Fußball. Das ist nicht ungewöhnlich, da dies die Sportarten mit den meisten Vereinsmitgliedern sind. Aber auch Reiten, Schwimmen, Judo und viele weitere Sportarten wurden genannt.

Die Täter stammen vor allem aus dem direkten Umfeld und sind männliche Trainer, Betreuer oder Lehrer. Zudem befanden die Täter sich meist in machtvollen Positionen. Studienleiterin Bettina Rulofs spricht in ihrer Analyse von "schwersten Menschenrechtsverletzungen" und von einem "Bild des Sports, das viele so nicht wahrhaben möchten".

In Deutschland treiben dreiviertel der Mädchen und 87 Prozent der Jungen zwischen neun und 18 Jahren regelmäßig Sport. Und die meisten davon im Verein. Damit, so sagt es die Studie, ist der organisierte und kommerzielle Sport in Deutschland der Freizeitbereich, in dem sich die meisten Kinder und Jugendlichen aufhalten.

Die meisten Erwachsenen waren als Kinder also im Verein, haben Trainer gekannt, die das Vertrauen verdient haben. Manche haben aber auch Grenzverletzungen erlebt, manchmal allein schon durch Worte und Blicke. Viele Eltern setzen auf die sichere Umgebung für ihr Kind im Verein. Der Schlüssel für das Glück im Sport ist auch hier das Vertrauen. Das braucht aber auch Kontrolle, wie die jüngste Studie belegt.

Was hat die Veröffentlichung der Studie bei Ihnen ausgelöst? Was unternimmt der Verein ihres Kindes, damit Sie ihr Kind Trainern anvertrauen können? Ist Schutz vor Übergriffen überhaupt ein Thema in ihrem Verein? Können die Sportverbände die Kontrolle ausüben? Was haben Sie selbst erlebt oder erfahren im Verein und Breitensport?

Rufen Sie uns während der Sendung an (WDR 5 Hotline 0800 5678 555).

Gast: Andrea Schültke, freie Journalistin mit Schwerpunkt sexualisierte Gewalt im Sport

Redaktion: Willi Schlichting und Gundi Große

Missbrauch im Sport – was schafft Vertrauen?

WDR 5 Tagesgespräch 28.09.2022 46:15 Min. Verfügbar bis 28.09.2023 WDR 5


Download