Nach Berlin, London, Barcelona: Wenn Terror zum Alltag wird

Nach Berlin, London, Barcelona: Wenn Terror zum Alltag wird

Hingucken oder wegschauen? Angst haben oder weitermachen wie bisher? Jeder geht unterschiedlich mit Terroranschlägen und der akuten Terrorgefahr um. Im Tagesgespräch und im Netz haben WDR 5-Hörer darüber diskutiert.

Hörer-Reaktion zur Terroranschlägen

Peter Klein hat vor rund 30 Jahren im Irland-Urlaub einen Bombenanschlag der IRA in miterlebt. Zwar seien damals keine Menschen verletzt worden, dennoch sei es beängstigend gewesen, erinnert sich der WDR 5-Hörer im Tagesgespräch am Tag nach dem Anschlag in Barcelona (17.08.17). Seitdem gehe er viel aufmerksamer durch die Straßen. Und er wünscht sich, dass auch seine Mitmenschen nicht in Lethargie verfallen.

Peter Klein hat vor rund 30 Jahren im Irland-Urlaub einen Bombenanschlag der IRA in miterlebt. Zwar seien damals keine Menschen verletzt worden, dennoch sei es beängstigend gewesen, erinnert sich der WDR 5-Hörer im Tagesgespräch am Tag nach dem Anschlag in Barcelona (17.08.17). Seitdem gehe er viel aufmerksamer durch die Straßen. Und er wünscht sich, dass auch seine Mitmenschen nicht in Lethargie verfallen.

Nicht ohne schlechtes Gewissen bemerkt Thomas Käferstein, dass er die Berichterstattung über Terroranschläge nicht immer ertragen kann. Statt die Nachrichten zu verfolgen, zappt er solange durch die Programme, bis er eine Sendung findet, die sich nicht mit dem Terror auseinandersetzt. Aus psychologischer Sicht ist das gar keine schlechte Angewohnheit.

Terror auf den Titelseiten, Terror auf allen Kanälen – das geht auch anderen zu weit. Zudem würden die Medien den Terroristen durch ihre umfangreiche Berichterstattung eine viel zu große Bühne bereiten, kritisiert Dorothea Dorn im WDR 5-Gästebuch.

Inwieweit Deutschland indirekt selbst Terroristen heranzüchtet, sind die Meinungen gespalten. Claudia Liebers regt im Tagesgespräch an, einmal über Kriege mit deutscher Beteiligung und Waffenexporte in unsichere Staaten nachzudenken.

Erst die Medien würden aus den Terroranschlägen in Europa Großereignisse machen, meint Katharina F.. Gleichzeitig ist ihr die Berichterstattung über das Leid der Menschen in Kriegs- und Krisenregionen zu dünn.

Täglich sterben Menschen – an Hunger, im Krieg, auf der Flucht. Das dürfe man nicht aus den Augen verlieren, sagt Monika Mangen im Tagesgespräch. Die 70-Jährige Bochumerin warnt davor, ein paar Stunden um die Opfer von Terroranschlägen zu trauern und dann zurückzukehren zum Tagesgeschäft.

Komplett auszublenden, was gerade der Welt passiert, sei falsch, erklärt Michael Krämer, der Präsident des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen. Sich alle Probleme zu Eigen machen, sei aber ebenfalls nicht gesund.

Jan Esen arbeitet als Veranstaltungstechniker und reist als solcher im Sommer von Festival zu Festival. Auch in diesem Jahr hatte er dort keine Angst. Die Polizei mache einen guten Job, lobt er im Tagesgespräch. In Anwesenheit der Polizisten fühle er sich jedenfalls sicher.

In Zeiten des islamistischen Terrors wird insbesondere nach Anschlägen eine generelle Kritik am Islam laut, die sich vor allem in den sozialen Netzwerken entlädt. Aber es gibt auch Gegenstimmen im Netz, WDR 5-User Wolfgang ist eine von ihnen.

Ob Rauchen, Bergsteigen oder Autofahren – es gibt viele Risiken im Leben. Der Terror sei eben nun hinzugekommen, schreibt Frodo im WDR 5-Gästebuch. Wir müssten uns damit abfinden, dass wir "diese Art von Menschenverachtung nicht beseitigen können". Angst aber sei der falsche Begleiter. So sehen das auch die Spanier, die am 26. August, gut eine Woche nach dem Anschlag auf den Ramblas, unter dem Motto "No tinc por" (dt. Ich habe keine Angst) in Barcelona auf die Straße gingen.

Stand: 29.08.2017, 15:11 Uhr