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23.03 - 06.00 Uhr ARD Infonacht
Der emeritierte Papst Benedikt XVI. kommt am Flughafen München zu seinem Flugzeug. Aufnahme vom Juni 2020.

So sorry – Kann sich der zurückgetretene Papst entschuldigen?

Der frühere Papst Benedikt XVI. hat sich bei den Betroffenen der sexualisierten Gewalt entschuldigt. Gleichzeitig dementiert er, Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche aktiv vertuscht zu haben. Damit weist er konkretes, fallbezogenes Fehlverhalten von sich. Ist das eigentlich eine Entschuldigung? Diskutieren Sie mit im WDR 5 Tagesgespräch.

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. hat in einem Schreiben die Betroffenen von sexuellem Missbrauch um Verzeihung gebeten und eine Mitschuld der kirchlichen Verantwortlichen eingeräumt. So schreibt er unter anderem: "Ich habe in der katholischen Kirche große Verantwortung getragen. (…) Umso größer ist mein Schmerz über die Vergehen und Fehler, die in meinen Amtszeiten und an den betreffenden Orten geschehen sind." Jeder einzelne sexuelle Übergriff sei furchtbar und nicht wiedergutzumachen, er bedauere jeden einzelnen Fall. Die Formulierung 'geschehen' erweckt den Eindruck von Passivität und fehlenden Handlungsoptionen.

Er weist den Vorwurf zurück, er habe in seiner Zeit als Erzbischof von München aktiv Missbrauchsfälle vertuscht. In seinen Einlassungen zu einem Gutachten rund um die Missbrauchsfälle im Erzbistum habe er weder gelogen noch getäuscht. Es sei ein Versehen gewesen, dass in der Einlassung – entgegen den Tatsachen – behauptet wurde, er habe an einer bestimmten Ordinariatssitzung 1980 nicht teilgenommen.

Kritik an den aktuellen Äußerungen von Benedikt XVI. kommt vom Kirchenrechtler Thomas Schüller. Er sagte in einem Interview: "Was fehlt aber? Dass er sagt: 'Ich entschuldige mich und ich übernehme Verantwortung für die schlimmen Fehler, die in Sachen Umgang mit sexuellem Missbrauch in meiner Zeit als Erzbischof von München-Freising gemacht wurden'." Das Urteil des Kirchenrechtlers: "So übernimmt er erneut nicht persönliche Verantwortung und vor allem er zieht keine persönlichen Konsequenzen, außer sich der barmherzigen Liebe Gottes anzuempfehlen."

Am vergangenen Wochenende hatte die dritte Synodalversammlung, ein Forum zur Erneuerung der katholischen Kirche in Deutschland, viele Reformen angestoßen. Thema war dabei auch der Umgang der Kirche mit den Missbrauchsskandalen.

Welche Wirkung hat eine Entschuldigung ohne Übernahme von Verantwortung? Wie beurteilen Sie die Äußerungen vom früheren Papst Benedikt XVI.? Werden die den Betroffenen von sexuellem Missbrauch in der Kirche gerecht? Können sie helfen, Betroffene und Gläubige mit der Katholischen Kirche zu versöhnen? Oder ist das nicht der richtige Weg? Was wäre Ihrer Meinung nach der richtige Umgang der katholischen Kirche mit dem Thema?

Rufen Sie uns während der Sendung an (WDR 5 Hotline 0800 5678 555).

Gast: Christian Weisner, Mitbegründer der Reformbewegung "Wir sind Kirche"

Redaktion: Willi Schlichting und Beate Wolff

So sorry – Kann sich der zurückgetretene Papst entschuldigen?

WDR 5 Tagesgespräch 09.02.2022 46:16 Min. Verfügbar bis 09.02.2023 WDR 5


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