Deutsche Fans singen die Nationalhymne

100. Jahre Nationalhymne – Wie stehen Sie dazu?

100 Jahre Nationalhymne – Wie stehen Sie dazu?

Am 11. August 1922 erklärte der sozialdemokratische Reichskanzler Friedrich Ebert das 1841 von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben gedichtete "Lied der Deutschen" zur Nationalhymne. Was bedeutet Ihnen die Hymne heute? Diskutieren Sie mit im WDR 5 Tagesgespräch!

"Einigkeit und Recht und Freiheit für das Deutsche Vaterland." Mit diesen Worten gab Fallersleben damals seinem Wunsch nach einer nationalen Einheit Deutschlands Ausdruck. Denn zu seiner Zeit, in der Mitte des 19. Jahrhunderts, bestand Deutschland noch aus einer Vielzahl kleiner Fürsten- und Herzogtümer. Die Nationalsozialisten deuteten die Hymne dann in ihrem Sinne um: Man sang die erste Strophe des Deutschlandlieds in Verbindung mit dem Horst-Wessel-Lied, einem nationalsozialistischen Kampflied.

Auch deshalb tat man sich nach dem 2. Weltkrieg schwer mit der Entscheidung über die Nationalhymne. Erst 1952 legten sich die Politiker fest, auf die dritte Strophe des Deutschlandliedes, so wie sie bis heute gesungen wird. Nach der Wiedervereinigung 1991 gab es Bestrebungen eine neue Hymne zu wählen, doch die Befürworter eines Hymnenwechsels konnten sich nicht durchsetzen. In jüngster Vergangenheit gab es dann Diskussionen, ob die Liedzeilen noch zeitgemäß seien. Kritiker wollen etwa, dass der Ausdruck Vaterland umgeschrieben werden soll.

Noch bis zu Jahrtausendwende wurde die Hymne von nur wenigen Menschen mitgesungen. Der damit verbunden Patriotismus galt als unangebracht. Seit der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland hat sich das Verhältnis vieler zur Nationalhymne aber gewandelt. Gerade in Sportstadien ist der Text nun wieder häufig vielstimmig zu hören. Wie fühlt sich das für Sie an?

Die deutsche Gesellschaft vor einhundert Jahren war eine andere: Globalisierung und eine Europäische Union waren noch kein Thema. Zuwanderung gab es, aber die Frage der Identität der Zugewanderten wurde anders gestellt. Heute fragen wir, ob die Nationalhymne uns alle verbindet.

Eine Nationalhymne ist eine emotionale Angelegenheit, was löst Sie bei Ihnen aus? Singen Sie mit? Ist der Text immer noch treffend? Können wir uns in Deutschland alle damit identifizieren? Oder schließt sie Menschen aus? Wünschen Sie sich eine neue Hymne, ohne 'Vaterland' und ohne 'brüderlich' mit Herz und Hand?

Rufen Sie uns während der Sendung an (WDR 5 Hotline 0800 5678 555).

Gast: Dr. Clemens Escher, Historiker

Redaktion: Willi Schlichting und Beate Wolff

100 Jahre Nationalhymne – Wie stehen Sie dazu?

WDR 5 Tagesgespräch 11.08.2022 46:04 Min. Verfügbar bis 11.08.2023 WDR 5


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