Leiden für die Forschung - Wie lange sind Tierversuche noch nötig?

Das Podium beim Stadtgespräch

Leiden für die Forschung - Wie lange sind Tierversuche noch nötig?

Tierversuche durchführen, um die physiologischen Reaktionen auf den Menschen zu übertragen – ist das noch zeitgemäß und überhaupt notwendig? Darüber diskutierten am Donnerstag (06.02.2020) beim WDR 5 Stadtgespräch in Münster Fachleute und Bürger.

Auf dem Podium in Münster saßen neben Moderatorin Beate Kowollik der Wissenschaftler Prof. Stefan Schlatt vom Institut für Reproduktions- und Regenerationsbiologie der Universität Münster, die Tierärztin Dr. Gaby Neumann vom Verein Ärzte gegen Tierversuche, Dr. Siegfried Throm vom Verband forschender Pharma-Unternehmen sowie Norwich Rüße, Sprecher für Tierschutz der NRW-Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Stadtgespräch Münster: Wie lange sind Tierversuche noch nötig?

WDR 5 Stadtgespräch 06.02.2020 55:55 Min. Verfügbar bis 05.02.2021 WDR 5


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Vorwürfe an Wissenschaftler

Professor Schlatt von der Universität Münster wehrte sich gegen den Vorwurf, ein blutrünstiger Mörder zu sein. Ihm ginge es darum, Tierversuche sehr vernünftig zu planen und die Tiere adäquat zu behandeln, um gute Ergebnisse und valide Daten zu erhalten.

Saalmoderatorin interviewt Zuschauer

Im vollen Saal fing Eva-Maria Schmelter die Diskussionsbeiträge der Zuschauer ein

Unter den rund 90 Gästen im Publikum war auch Roland Adam. Er kritisierte Schlatt, wie dieser ignorieren könne, dass Affen genauso fühlen wie Menschen, sie aber trotzdem für Tierversuche verwendet werden. Auch eine Dame meldete sich zu Wort. Sie verglich die Tierhaltung in Versuchslaboren mit dem Gefangenenlager Guantanamo.

Tierversuche verteidigt

Dr. Siegfried Trohm hingegen sprach sich klar für Tierversuche aus und erntete dafür Zwischenrufe. Nach seiner Meinung könnten mithilfe von Tierversuchen 70 Prozent der Nebenwirkungen eines Medikaments vorhergesagt werden: "Ich möchte mir nicht vorstellen, wie das wäre, wenn wir jetzt plötzlich auf Tierversuche verzichten würden", gab er zu bedenken.

Alternative Methoden

Von einer neuen und tierversuchsfreien Methode berichtete Tierärztin Dr. Gaby Neumann. Dabei könne man aus menschlichen Hautzellen Mini-Organe herstellen. Auf einem kleinen Chip könnten so unter anderem ein Mini-Gehirn, eine Mini-Lunge und eine Mini-Bauchspeicheldrüse mithilfe eines Flüssigkeitskreislaufs verbunden werden. So könnten die Organe miteinander kommunizieren. "Es passiert sogar ein Stoffwechsel", erklärte Neumann.

Mehr Geld für Forschung nötig

Grünen-Politiker Norwich Rüße stellte die These auf: Würde man eine Milliarde Euro über zehn Jahre in tierversuchsfreie Forschung investieren, würde sich auf dem Gebiet einiges tun, war er sich sicher. In diesem Punkt waren sich am Ende sowohl Publikum als auch Podiumsgäste erstmals einig.

Wann ist Schluss mit Tierversuchen? Lokalzeit Münsterland 04.02.2020 05:57 Min. Verfügbar bis 04.02.2021 WDR Von Ann-Marlen Hoolt/Andrea Benstein

Stand: 07.02.2020, 08:24