WDR5 Stadtgespräch - Sind reine Männervereine noch zeitgemäß?

Stand: 25.03.2022, 09:30 Uhr

Noch immer gibt es Vereine, in denen nur Männer oder auch nur Frauen Mitglieder sein dürfen. Warum eigentlich?

Von Moritz Börner

Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) will kein Mitglied im Vorsitz des Männervereins "Düsseldorfer Jonges" sein. Weil die Jonges keine Frauen aufnehmen. Das hatte er Anfang dieses Jahres mitgeteilt. Im Stadtgespräch auf WDR 5 haben wir nun darüber diskutiert, welchen Sinn reine Männer- oder Frauenvereine machen.

Es gibt noch einige solcher reinen Männervereine. Nicht nur die Düsseldorfer Jonges, auch Schützenvereine lassen Frauen nicht, oder nur mit eingeschränkten Rechten, in ihren Reihen zu.

Stadtgespräch aus Düsseldorf: Wir müssen draußen bleiben

WDR 5 Stadtgespräch 24.03.2022 55:45 Min. Verfügbar bis 24.03.2023 WDR 5


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Einige Schützenvereine sind Männervereine

Auf dem Foto sind Männer in traditioneller Schützentracht, die in einer Reihe stehen und sich an ihren Hut fassen.

Männersache: In Schützenvereinen haben Frauen oft weniger Rechte.

So ist das zum Beispiel im Neusser Bürgerschützenverein. Constanze Stroeks, die im Studio mitdiskutiert hat, ist dort zwar Mitglied, ihre Mitgliedschaft ist aber passiv. Viele Dinge, die Männer dürfen, sind für sie nicht möglich. "Ich darf nicht mitmarschieren! Ich habe auch keinerlei Wahlrecht", sagt Stroeks, "also weder aktiv noch passiv. Den Vorstand des Vereins, das sogenannte Komitee, das darf ich nicht wählen und mich nicht rein wählen lassen. Und ich darf keine Schützenkönigin werden."

Stroeks forderte am Mittwochabend die vollen Mitgliedsrechte für Frauen. Der Verein wiederum argumentiert, dass es eben Teil des Brauchtums und der Tradition sei, dass der Schützenverein ein Männerverein ist. Und dieses Brauchtum gelte es zu pflegen.

"Wir heißen Jonges und wir heißen nicht Mädches" Wolfgang Rolshoven, Präsident Düsseldorfer Jonges

Der Präsident des Männervereins Düsseldorfer Jonges, Wolfgang Rolshoven, argumentiert ähnlich: "Wenn man in der heutigen Zeit einen Verein gründen würde, würde man Frauen nicht ausschließen, das ist ja wohl selbstverständlich", sagt Rolshoven, "aber man darf auch die Tradition nicht vergessen: Wir heißen Jonges und wir heißen nicht Mädches!"

Männervereine sind oft berufliche Netzwerke

Soziologin Birgit Riegraf von der Uni Paderborn sieht in Männervereinen sogar einen Karrievorteil für Männer. Sie erklärte, Männervereine hätten oft einen großen gesellschaftlichen Einfluss: Sie seien auch berufliche Netzwerke, bei denen Frauen außen vor bleiben.

Düsseldorfer Jonges wollen abstimmen

Die Kritik an den reinen Männervereinen teilten die meisten der Anrufer in der Sendung. Eine Anruferin forderte die Düsseldorfer Jonges auf, sich nach neunzig Jahren, die es den Verein jetzt gibt, endlich für Frauen zu öffnen: "Gerade, weil ihre Gruppierung ja wirklich durch alle Bevölkerungsschichten geht, vom Handwerkermeister bis zum Industrieboss. Sie sind doch ein prima Bild der Gemeinschaft, dann setzen sie doch ein positives Signal. Kurz gesagt: Was spricht dagegen?"

Eine Öffnung des Traditionsvereins für Frauen will deren Präsident Wolfgang Rolshoven auch nicht ausschließen. Es soll eine Abstimmung geben. Wie die ausgehen wird, lässt sich kaum vorhersehen. Das letzte Mal wurde bei den Düsseldorfer Jonges in den 70er-Jahren abgestimmt, ob sie Frauen aufnehmen wollen – eine Öffnung des Vereins wurde damals abgelehnt.