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Stadtgespräch: Bürgerprotest gegen Stromtrassen

Ein Anwohner zeigt auf einen Strommast

Stadtgespräch: Bürgerprotest gegen Stromtrassen

Von Stephan Pesch

Energiewende auf unsere Kosten? Bürger machen mobil gegen neue Strommasten vor ihrer Haustüre. Darum geht es heute in der live-Sendung Stadtgespräch auf WDR5 um 20.05 Uhr aus Pulheim bei Köln.

Wenn im Jahr 2022 das letzte deutsche Atomkraftwerk vom Netz gehen wird, dann soll Strom aus Windenergie aus dem Norden in den Süden fließen, um dort die Energieversorgung zu sichern. Dazu werden aktuell neue Stromleitungen verlegt und Trassen gebaut. An vielen Orten in Deutschland und auch in NRW machen Bürger mobil gegen den Netzausbau.

Protest gegen erste Hochspannungs-Gleichstrom-Leitung

Umstritten ist vor allem ein ganz besonderes Projekt der Energiewende: Eine Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (kurz HGÜ), die Nordrhein-Westfalen mit Baden-Württemberg verbindet. Die sog. Ultranet soll den Strom mit einer Spannung von 380 Kilovolt übertragen und vorhandene Stromtrassen nutzen. Rund 2.000 Megawatt elektrische Leistung soll die 340 Kilometer lange Leitung übertragen. Die Ultranet-Trasse wäre Deutschlands erste Hochspannungstrasse für Gleichstrom.

Ist Ultranet sicher ?

Strommast

Viele Bürger haben Angst um ihre Gesundheit, weil der Strom durch die Ultranet- Leitung oberirdisch verlaufen soll. In Meerbusch-Osterath wehren sich Anwohner zudem gegen einen geplanten Konverter, der soll den in Haushalten üblichen Wechselstrom in Gleichstrom umwandeln. Die Ängste sind groß: Entwertung der Nachbargrundstücke, Gesundheitsrisiken durch elektromagnetische Strahlung und Betriebslärm, Verlust an Lebensqualität und sogar Angst vor Terroranschlägen auf das Bindeglied der deutschen "Stromautobahn".

Pulheim: Bürger fordern mehr Abstand zum Haus

In Pulheim-Geyen wird die Ultranet-Leitung nur einen Steinwurf weit von Häusern auf bis zu 90 Meter hohe Strommasten gelegt. Die Anwohner fordern, dass die Stahlträger um Geyen herum versetzt werden.

Hürth: Bürger klagten erfolgreich

In einem Wohngebiet in Hürth kommt der Netzausbau zur Zeit gar nicht weiter. Anwohner wollen, dass der Strom künftig durch Erdkabel fließt. Sie haben gegen den Netzausbau vor ihrer Haustür erfolgreich vor dem Bundesverwaltungsgericht geklagt. Netzbetreiber Amprion muss nun eine alternative Trasse prüfen, die um das Hürther Wohngebiet herumführt.

Das Stadtgespräch auf WDR 5 kommt heute (13.05.2019) live aus Pulheim-Geyen. Gäste auf dem Podium sind: Prof. Dr. Andreas Pinkwart, NRW-Minister für Wirtschaft, Energie und Innovation; Sebastian Locker, Pulheimer Bürgerinitiative gegen Ultranet; Prof. Dr. Alexander Lerchl, Biologe und Strahlenfroscher an der Jacobs University Bremen; Klaus Wewering, Netzbetreiber Amprion

Weitere Experten: Oliver Krischer, Bundestagsabgeordneter Bündnis 90/Die Grünen; Prof. Dr. Markus Zdrallek, Bergische Universität Wuppertal, Energieversorgungstechnik

Stand: 16.05.2019, 09:23