Modernisierung verdrängt Mieter

Auf einem Podium sitzen fünf Männer, dahinter das WDR-Logo

Modernisierung verdrängt Mieter

Von Petra Brönstrup

  • WDR 5-Stadtgespräch in Münster
  • Mehr als 150 Gäste
  • Langjährige Mieter voller Sorge

Unter den Bewohnern des Hansa-Viertels in Münster wächst die Sorge vor der Gentrifizierung ihres Viertels: Modernisierung, Mieterhöhung, Verdrängung. Das Thema des WDR 5 Stadtgesprächs "Kampf ums Quartier - Wer bestimmt, wie wir wohnen?" aus Münster. Das Hansa-Viertel in Münster hat sich gemausert, vom tristen Arbeiterviertel zum angesagten Szeneviertel. Noch gibt es hier unsanierte Altbauwohnungen zu günstigen Mietpreisen. Nur: Wie lange noch?

Erfolglose Wohnungssuche

Unter den mehr als 150 Gästen im Publikum sitzt eine junge Frau. Sie sagt, sie müsse das Viertel verlassen und wohl oder übel an den Stadtrand ziehen. Ihr Vermieter hatte ihr wegen Eigenbedarfs die Wohnung gekündigt.

Alter Kiez in neuem Look

Rund 150 Menschen sitzen und stehen in einem Raum, alle blicken in die selbe Richtung

Rund 150 Menschen waren beim "Stadtgespräch" dabei

Das ist kein Einzelfall. Auch in anderen nordrhein-westfälischen Großstädten wie Köln, Düsseldorf, Aachen oder Bonn mit extrem angespannten Wohnungsmärkten greift die Gentrifizierung um sich: Altbauwohnungen werden herausgeputzt, die Mieten erhöht. Oder: Heruntergekommene Mietwohnungen werden zu schicken Eigentumswohnungen umgebaut und teuer verkauft. Weder das eine noch das andere können sich die meisten alteingesessenen Bewohner leisten. Sie müssen in andere, preisgünstigere Stadtteile ziehen. An ihre Stelle rücken Besserverdiener. Dadurch verändert sich die Sozialstruktur im Kiez und damit das, was den Kiez ausmachte, die bunte Mischung.

Gegen Gentrifizierung

"Das dürfen wir nicht zulassen", meinte der Staatssekretär im NRW-Bauministerium, Jan Heinisch. Beim WDR 5-Stadtgespräch in Münster diskutierte er mit vier anderen Podiumsgästen: Investor und Projektentwickler Elmar Grimm aus Münster, Stadtforscher Christian Krajewski von der Uni Münster, Jörn Möltgen, Vorsitzender des Planungsausschusses der Stadt Münster mit grünem Parteibuch, und Rainer Bode, Sprecher der Bürgerinitiativen im Hansa-Viertel in Münster.

Sie alle plädierten für den Erhalt der lebendigen Stadtviertel, aber jeder auf seine Weise. Der Stadtforscher forderte eine Milieuschutzsatzung, die sanierungswütige Immobilienbesitzer in die Schranken weist. Der Investor kritisierte die Langsamkeit der Planungsverfahren. "Wir brauchen mehr Bauland!" Der Kommunalpolitiker und der Sprecher der Bürgerinitiativen aus Münster machten sich für den Neubau von preisgünstigen Wohnungen stark.

Lösungen gefordert

Einige Gäste im Publikum gaben sich damit nicht zufrieden: "Wenn doch alle die Lösung wissen, warum passiert dann so wenig?", fragte sich ein junger Mann. Aber da war das WDR 5 Stadtgespräch auch schon zu Ende.

Stadtgespräch aus Münster: Wer bestimmt, wie wir wohnen?

WDR 5 Funkhausgespräche | 29.11.2018 | 55:49 Min.

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Stand: 30.11.2018, 08:44