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Profi-Fußball zwischen Geld und Liebe

Borussia-Park in Mönchengladbach

Profi-Fußball zwischen Geld und Liebe

Von Julia Linn

  • Diskussion um Profi-Fußball im WDR 5-Stadtgespräch
  • Thema: Geld oder Liebe im Fußball
  • Fans kritisieren Kommerzialisierung

TV-Gelder in Milliardenhöhe, Rekordtransfers und Umsätze, die unaufhaltbar in die Höhe schnellen – der Kommerz hat den deutschen Profi-Fußball fest in der Hand. Das zumindest kritisieren viele Fans. Beim WDR 5-Stadtgespräch am Donnerstag (17.01.2019) haben sie unter anderem mit Max Eberl, Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach, darüber diskutiert.

DFL fördert Kommerzialisierung – Fans wenden sich ab

Die DFL treibt die Kommerzialisierung und die internationale Vermarktung der Bundesliga immer weiter voran. 2017 erreichten die Vereine der 1. und 2. Liga mit einem Umsatz von über vier Milliarden Euro den 13. Rekord in Folge. Auch die Einnahmen durch Fernsehgelder sind kaum zu stoppen: 1,15 Milliarden Euro erhalten die Vereine pro Spielzeit bis 2021. Gleichzeitig steigen auch die internationalen Medienerlöse.

Bei Fußballfans stößt das immer mehr auf Kritik. Eine wissenschaftliche Studie des Vereins "FC PlayFair! Verein für Integrität im Profifußball" und des Deutschen Instituts für Sportmarketing hat gezeigt: Jeder zweite Fan denkt darüber nach, sich vom Profifußball abzuwenden, sollte die Kommerzialisierung weiter wachsen.

Diskussion beim WDR 5 Stadtgespräch

Diskussion um Fußball beim WDR 5-Stadtgespräch

Experten diskutieren beim WDR 5-Stadtgespräch

Für Max Eberl, Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach, ist klar: "Wir müssen die deutsche Fußballkultur in Einklang mit dem Kommerz bringen." Eine Aussage, die Bloggerin Sue Rudolph, selbst Fan von Fortuna Düsseldorf, so nicht unterstützt. "Die deutsche Fankultur ist unser Aushängeschild – darauf können wir stolz sein, das sollten wir wahren." Sie befürchtet, dass genau diese Fankultur verloren gehen könnte. So werde es bespielsweise durch die Zerstückelung der Spieltage Fans nahezu unmöglich gemacht, ins Stadion zu gehen.

Fans bleiben auf der Strecke

"Es geht nicht mehr um den Fan, sondern um eine Maschinerie, aus der wir nicht mehr rauskommen", meint auch Journalist und Autor Christoph Ruf. Dennoch sieht er auch die Fans in der Verantwortung, denn die würden trotz aller Kritik eben doch jede Entwicklung mitmachen.

Fan-Stimmen: Die Kommerzialisierung macht den Fußball kaputt

Bei Fans stößt die anhaltende Kommerzialisierung des Profi-Fußballs auf Kritik. Rund 100 von ihnen sind zur Diskussion in den Borussia-Park gekommen.

Publikumsstimmen beim WDR 5 Stadtgespräch

Seit zwei Jahren hat Ralf Reinke eine Dauerkarte - Borussia Mönchengladbach ist seine Leidenschaft. Er kritisiert die hohen Transfersummen: "Wenn ich höre, dass Spieler für 64 Millionen Euro verkauft werden, dann versteh ich nicht, wo da noch eine Relation ist. Fußball ist zwar ein Weltsport, aber das rechtfertigt nicht diese enormen Summen."

Seit zwei Jahren hat Ralf Reinke eine Dauerkarte - Borussia Mönchengladbach ist seine Leidenschaft. Er kritisiert die hohen Transfersummen: "Wenn ich höre, dass Spieler für 64 Millionen Euro verkauft werden, dann versteh ich nicht, wo da noch eine Relation ist. Fußball ist zwar ein Weltsport, aber das rechtfertigt nicht diese enormen Summen."

"Die Bundesliga entwickelt sich in die falsche Richtung. Wenn Spiele auch unter der Woche stattfinden, ist es für uns Fans fast unmöglich, unsere Mannschaft auch auswärts zu unterstützen", meinen Michael und Susanne Schumacher.

Andreas Kranz und Matthias Kleine machen sich nicht nur Sorgen um den deutschen Fußball: "Die internationale Vermarktung der Bundesliga schadet dem Fußball in anderen Ländern."

"Tickets und Trikots kosten immer mehr - für mich als Fan wird der Fußball immer teurer. Der Spaß bleibt dabei auf der Strecke", erzählt Thomas Gräsel.

"Die Kommerzialisierung macht den Fußball kaputt. Deswegen wollen wir für die Fankultur kämpfen" - damit sprechen Robin Hemmers, Ben Berendonk und Max Timmer vielen Fußballfans aus dem Herzen.

Die Vereine müssen stetig den Dialog mit den Fans suchen – da ist sich Stephan Schippers sicher. Man müsse zwar konkurrenzfähig bleiben, aber nicht um jeden Preis, so der Geschäftsführer von Borussia Mönchengladbach, der auch Mitglied im DFL-Vorstand ist. Als er vor zwanzig Jahren zu Borussia Mönchengladbach kam, erzählt er, machte der Verein einen Jahresumsatz von 16 Millionen Euro, heute sei es das Zehnfache. Dennoch: "Wenn wir Transfersummen hören von 222 Millionen Euro, dann macht uns das nachdenklich. Das wollen wir perspektivisch im Sport nicht sehen.“

Fußball soll im Mittelpunkt stehen

Ein Punkt, den auch Sue Rudolph klar kritisiert: "Die Emotionalität im Fußball leidet, wenn man das Gefühl hat, dass die Spieler nur noch ein Produkt sind." An Idenfikation sei als Fan bei den aktuellen Transfersummen und Spielergehältern dann nicht mehr zu denken. Auch Max Eberl würde eine Obergrenze für Gehälter begrüßen. Aber er weiß auch: "Es ist unmöglich eine Obergrenze einzuführen, weil nicht alle mitmachen werden." Am Ende sind sich Experten und Fans in einem wohl alle einig: Der Fußball sollte im Mittelpunkt stehen.

Stadtgespräch aus Mönchengladbach

WDR 5 Stadtgespräch | 17.01.2019 | 55:50 Min.

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Stand: 17.01.2019, 21:00