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23.03 - 06.00 Uhr ARD Infonacht

4. Advent: Aufgesetzter und Cherry Brandy

Cherry Brandy Gläser

WDR 5 liest Ihnen was vor - und Weihnachtsrezepte gibt’s auch!

4. Advent: Aufgesetzter und Cherry Brandy

Am 4. Advent gibt es die letzten Rezepte von Mithu Sanyal und Rebecca Link zu unserer Lesung von Charles Dickens für Sie – und sie eignen sich sehr gut für Weihnachten. Es sind beides Getränke...

So ein Cherrybrandy geht sehr gut am Nachmittag von Heiligabend, wenn Sie gerade alles fertig machen für den Abend. Und der Aufgesetzte von Rebecca Links Opa Helmut geht da genauso – oder aber als Prickelgetränk für die Bescherung oder das Weihnachtsessen! Charles Dickens hätte wahrscheinlich alle drei Varianten gern genommen!

Opa Helmuts Aufgesetzter von Rebecca Link

Aufgesetzter ist etwas, unter dem man sich wahrscheinlich kaum was vorstellen kann, wenn man es nicht kennt. Bei uns gab es den immer. Mein Opa hatte, so lange ich denken kann, diese enorm große Asbach-Uralt-Flasche in seiner Schrebergartenlaube stehen, mit einer dunkelroten Flüssigkeit drin und Früchten auf dem Boden. Aufgesetzter ist im Prinzip ein selbstgemachter Likör.

Alles, was sie dafür brauchen, sind kleine Früchte, ein hochprozentiger Schnaps und etwas Kandiszucker. Bei meinem Opa waren es vor allem Johannis- und Jostabeeren, falls die noch jemand kennt: eine Kreuzung aus JOhannis und STAchelbeere = JOSTA. Ekelhaft, ich hab die als Kind gehasst! Man konnte die nicht essen - zu sauer, und die Schale war so dick und lederig. Allerdings: Im Aufgesetzten sind die super!

Aufgesetzter in Glasflasche

Und, naja: Etwas Geduld ist gefragt. Ein guter Aufgesetzter braucht so drei bis vier Monate in der Flasche. Nach oben gibt’s da eigentlich keine Grenze. Die Früchte geben nach und nach Geschmack und Farbe an den Alkohol ab, der Zucker löst sich auf, und irgendwann hat man was ganz feines Selbstgemachtes. Sie könnten also jetzt ansetzen und im nächsten Jahr selber trinken. Oder: jetzt ansetzen und verschenken. Oder: Im Sommer ansetzen, wenn die Beeren reif sind. Oder: sie haben schon eine Flasche im Regal, so wie ich, weil ich ja im Sommer welchen angesetzt habe!

Aber ehrlich: da geht auch in vier Wochen schon was. Trinkbar ist das, sobald sich der Zucker aufgelöst hat. Es wird halt immer besser, je länger das Zeug steht.

Sie brauchen:

  • 1 Flasche hochprozentigen Schnaps (gängig sind Weinbrand, Korn oder Wodka, ich mag Whiskey!)
  • so viele frische kleine Früchte wie vom Baum/Strauch fallen. Zum Beispiel Johannisbeeren, Himbeeren oder Stachelbeeren. Ich mische immer alles, was der Garten im Sommer hergibt. Kirschen oder Mirabellen sind auch super. Blaubeeren gehen auch, oder Kumquats und, und, und…
  • Groben, braunen Kandiszucker nach Belieben. Ich nehme nicht ganz so viel, mag es nicht ganz so süß. Es geht natürlich auch ganz ohne.

Was auch noch rein kann: Zimtstange, Sternanis, Kardamom, Ingwerscheiben, Rosmarinzweig – Sie sind der Chef / die Chefin! Probieren Sie einfach aus, ich habe ehrlich noch NIE einen schlechten Aufgesetzten getrunken!

So geht’s:

Früchte waschen und ab damit in eine große, verschließbare Flasche. Weiter Flaschenhals hilft, auch um sie später wieder rauszubekommen…. Faustregel: Die Früchte sollten ⅓ – ½ der Flasche füllen. Dann so viel Kandiszucker drauf wie Sie mögen. Ich nehme maximal zwei Esslöffel. Anschließend den Schnaps dazu gießen. Idealerweise passt alles in eine Flasche, sonst: aufteilen. Und dann: stehen lassen. Dunkel und kühl, aber nicht im Kühlschrank, Keller ist gut. Immer mal die Flasche ein bisschen um sich selbst drehen, wenn Sie zufällig daran vorbeilaufen. Der Zucker löst sich irgendwann auf, alles wird etwas dunkler, die Früchte sehen langsam matschig aus.

Das machen Sie jetzt  drei bis zwölf Monate lang. Dann kommt der große Moment: Den Inhalt der Flasche durch ein Sieb abseihen. Der fertige Aufgesetzte kommt in eine saubere Flasche und kann jetzt getrunken werden.

Und – for Christ's Sake! – werfen Sie die Früchte nicht weg!!! Die kann man natürlich essen oder ein Kompott / eine Marmelade daraus machen oder eine Fruchtsauce oder, oder, oder...

Etwas Besonderes wird aus dem Aufgesetzten, wenn sie einen Fingerbreit in ein Sektglas füllen und dann mit einem trockenen Schaumwein aufgießen – das perfekte Getränk für Weihnachten!

Cherry Brandy von Mithu Sanyal

Cherry Brandy

1972 veröffentlichte der britische Journalist und Autor Richard Mabey ein Büchlein mit dem Titel "Food for Free" und startete damit einen Trend. Die Briten entdecken das "foraging" wieder, so heißt das Pflücken und Verarbeiten von wilden Kräutern und Früchten. Als ich das Buch kaufte, war ich begeistert und lernte damit, Beeren und Blumen zu identifizieren. Das klappte umso besser, weil ich ja nicht nur ihren Namen und ihr Aussehen kannte, sondern auch ihren Geschmack. Eines der einfachsten – und köstlichsten – Rezepte in dem Buch ist Cherry Brandy.

Sie brauchen:

  • Wildkirschen (alternativ Himbeeren oder Blaubeeren)
  • Brandy
  • Ahornsirup (optional)
  • Zitrone (optional)

 So geht’s:

Aufsicht auf ein Einmachglas mit Cherry Brandy

Das ist die englische Variante des Aufgesetzten. Am besten eignen sich Wildkirschen dazu, die man im Spätsommer im Park oder am See gepflückt hat. Da die Kirschenzeit dieses Jahr schon vorbei ist, habe ich zwei Varianten gemacht: einmal Bio-Himbeer-Brandy und einmal Bio-Blaubeer-Brandy. Tiefgekühlte Himbeeren und/oder Blaubeeren gibt es zur Zeit in jedem Supermarkt. Einfach ein Paket davon in ein sterilisiertes Weckglas füllen - sehr stilvoll sind auch Ruhrglas oder, wenn es englisch sein soll, Kilner Gläser – mit Brandy auffüllen, bis die Früchte gut bedeckt sind und dann noch ein paar Finger mehr. Das war’s. Für alle, denen das zu herb sein sollte, kann man auch noch einen Schuss Ahornsirup dazu tun. Das balanciert die Bitterkeit der Früchte aus und gibt dem Brandy noch einen weicheren Touch. Ich empfehle noch ein paar Zesten Zitronenschale mit in die Weckgläser zu reiben.

Auch der Cherry Brandy muss ziehen. Aber man kann nach ein paar Wochen schon einmal einen Teelöffel davon probieren. Dann weiß man, worauf man sich freuen kann.

Je länger der Brandy zieht, desto intensiver wird er. Und wenn man die Kerne in den Kirschen lässt, bekommt er irgendwann sogar ein leichtes Mandelaroma.

Zur Weiterverarbeitung der abgeseihten Früchte, siehe oben: Rebecca Links Rezeptur zum Aufgesetzten ihres Opas.

Wir wünschen Ihnen tolle Weihnachten. Ganz herzlich. Und wie auch immer Sie feiern: Wir hoffen, wir konnten Ihnen diese sehr besondere Vorweihnachtszeit 2020 ein bisschen schöner machen. Hoffentlich bis zum nächsten Jahr, feiern Sie schön und kommen Sie gut ins neue Jahr!

Stand: 02.12.2020, 12:54