Charaktere mit der Musik beschreiben

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Charaktere mit der Musik beschreiben

Rainer Quade hat die Musik zum Hörspiel "Das Fundament der Ewigkeit" geschaffen, eingespielt vom WDR Funkhausorchester. Im Interview erzählt er, wie jede handelnde Person ihr musikalisches Thema bekommt und er dafür "ihr Innerstes psychologisch erfassen" muss.

WDR 5: Wie sind Sie an die Aufgabe herangegangen, die Musik zum Hörspiel "Das Fundament der Ewigkeit" zu komponieren?

Rainer Quade: Ich habe zunächst das Buch gelesen und mich mit der Atmosphäre und dem Inhalt der Geschichte befasst. Dann habe ich eine Leitmotivik entwickelt, wie man es aus Filmen kennt: Jede der handelnden Personen bekommt ihr eigenes musikalisches Thema.

Zur Person
Rainer Quade ist Kölner Komponist und schreibt vor allem Hörspiel- und Filmmusik. Er hat 2009 bereits die Musik für den zweiten Teil von Ken Folletts Kingsbridge-Saga "Die Tore der Welt" komponiert. Außerdem ist er Hauptfachlehrer für Film- und Theaterkomposition an der Kunsthochschule "ArtEZ" im niederländischen Arnhem.

WDR 5: Was ist wichtig, um ein passendes Leitmotiv zu finden?

Rainer Quade: Ich versuche, die Figuren psychologisch zu erfassen, in ihre Charaktere einzudringen und ihr Innerstes mit der Musik zu beschreiben. Maria Stuart zum Beispiel ist für mich die Gehetzte, die immer auf der Flucht ist, immer an den falschen Mann gerät. Daher klingt ihr Motiv bewegt und zerrissen durch zitternde Streicherbewegungen und Oboe.

Der skrupellose Pierre Aumande ist der gefährliche Gegenspieler des Protagonisten Ned Willard. Er möchte sich in den Adelsstand emporschwingen, und so schwingt sich für ihn auch eine Fagott-Melodie empor. Das Fagott klingt in hoher Lage leicht "gequetscht", was zu Aumands verschlagenem, prätentiösen Charakter passt. Außerdem hat er noch ein Seitenmotiv, das eine bedrohliche, beinahe apokalyptische Stimmung erzeugen soll.

WDR 5: Das Buch spielt in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Spiegelt sich das auch in der Auswahl der Instrumente wider?

Rainer Quade: Ich habe darauf geachtet, die Instrumente der Zeit zu verwenden. Ausgeschlossen war deswegen das Klavier, da es nicht das Instrument der Renaissance ist. Da bleibt dann nicht so viel, heute hört man in herkömmlichen Soundtracks von allem Klavier und E-Gitarre. Das Cembalo und die Harfe habe ich eingesetzt, um den Rhythmus vorzugeben. Ein weiteres authentisches Instrument der Zeit ist die Laute, und wenn es höfisch klingen soll, hört man Blockflöte und das historische Streichinstrument Gambe.

WDR 5: "Das Fundament der Ewigkeit" ist der dritte Teil von Ken Folletts "Kingsbridge-Saga". Auch für das WDR-Hörspiel über den zweiten Teil "Die Tore der Welt" von 2009 haben Sie die Musik komponiert. Gibt es Anlehnungen daran?

Rainer Quade: In "Die Tore der Welt" gab es eine spezielle Akkordwendung, die klingt, als würde sich ein Tor öffnen und die sich richtig ins Ohr einbrennt. Diese Akkordwendung habe ich abgeändert und in "Das Fundament der Ewigkeit" ebenfalls benutzt. Für mich hat diese Anlehnung etwas Sinnstiftendes, so dass die Musik klingt wie aus einem Guss.

Das Gespräch führte Katrin Pokahr

Stand: 05.12.2018, 13:04