Ingmar Bergman: "Ist Kunst nicht immer eine Therapie für den Künstler?"

Ingmar Bergman: "Ist Kunst nicht immer eine Therapie für den Künstler?"

In ihrem aktuellen Film "Auf der Suche nach Ingmar Bergman" erinnert Margarethe von Trotta an den schwedischen Drehbuchautor, Film- und Theaterregisseur, der am 14. Juli 1918 geboren wurde.

Ingmar Bergman bringt seinem Sohn bei, wei man eine Kamera hält, im Hintergrund liegt seine Frau in der Hängematte

Mit seinen Filmen hat Ingmar Bergman (1918-2007) das Kino revolutioniert. Er hat Filmemacher wie Woody Allen, Francis Ford Coppola, Martin Scorcese und Wim Wenders beeinflusst und alle bedeutenden Preise vom Oscar bis zur Goldenen Palme gewonnen. 1997 wurde ihm in Cannes sogar die "Palme der Palmen" verliehen: Damit wurde er zum besten Filmregisseur aller Zeiten gekürt.

Mit seinen Filmen hat Ingmar Bergman (1918-2007) das Kino revolutioniert. Er hat Filmemacher wie Woody Allen, Francis Ford Coppola, Martin Scorcese und Wim Wenders beeinflusst und alle bedeutenden Preise vom Oscar bis zur Goldenen Palme gewonnen. 1997 wurde ihm in Cannes sogar die "Palme der Palmen" verliehen: Damit wurde er zum besten Filmregisseur aller Zeiten gekürt.

"Einerseits hat er sich schon als Genie gesehen, aber er hatte immer wieder diese unglaublichen Zweifel an sich", sagt die deutsche Regisseurin Margarethe von Trotta, ein großer Bergman-Fan. Als sie "Das siebente Siegel" (1957) erstmals im Kino sah, "saß ich davor und hatte plötzlich etwas wie so eine Erleuchtung. Ein unglaublicher Eindruck! Und natürlich hat mir das dann einen kleinen Wunsch ins Herz gelegt, dass ich das irgendwann vielleicht in meinem Leben auch mal machen könnte."

"Das Siebente Siegel" spielt Mitte des 12. Jahrhunderts. Antonius Block kehrt mit seinem Knappen vom Kreuzzug ins Pest-geplagte Schweden zurück, quält sich mit der Frage nach dem Sinn des Lebens und trifft auf den personifizierten Tod. Die Frage nach der Existenz Gottes beschäftigte den streng erzogenen Pastorensohn Ingmar Bergman zeitlebens.

Mit dem Film "Das Schweigen" (1963) provozierte Ingmar Bergman seinerzeit einen Skandal, da er freizügige Sexszenen auf der Leinwand zeigte. In den USA durfte der Film daher nur geschnitten gezeigt werden, in Frankreich war er verboten. In Schweden und Deutschland kam das Drama um die Schwestern Esther und Anna, die sich mehr und mehr voneinander entfremden, unzensiert in die Kinos – und hatte allein hierzulande mehr als zehn Millionen Zuschauer.

Sein persönliches Leiden am Leben war das zentrale Element seiner Arbeit. In seiner Autobiographie "Laterna Magica" schrieb Ingmar Bergman: "Keine Kunstform geht wie der Film an unserem Tagesbewusstsein vorbei direkt auf unsere Gefühle zu, die tief im Dämmerraum der Seele verborgen liegen."

"Ist Kunst nicht immer eine gewisse Therapie für den Künstler?", fragte Ingmar Bergman einmal. Sein Elternhaus war ein Ort der Gewalt und traumatisierenden psychischen Erniedrigungen. Die Erlebnisse und ihre Auswirkungen finden sich in Variationen in all seinen Filmen wieder. In "Die Stunde des Wolfs" (1968), einem surrealistischen Psychogramm eines von alptraumartigen Visionen gequälten Künstlers, erzählt der Protagonist seiner Frau, wie er als Kind in einem Schrank eingeschlossen wurde. Es waren reale Kindheitserinnerungen des Regisseurs.

Bergmans Frauenbild unterschied sich von dem seiner Zeitgenossen. Seine modernen Frauen führen, beispielsweise im Film "Szenen einer Ehe" (1973), den Geschlechterkampf innerhalb der Ehe auf Augenhöhe. Sie sind selbstbewusst, gleichberechtigt, leidend und doch stark. Seine vom Stummfilm inspirierten Nahaufnahmen haben auch die Seele erforscht und dort Einsamkeit, Angst und Abhängigkeiten sichtbar gemacht.

Ende der 1970er steckte Ingmar Bergmann in einer tiefen Krise. Er wurde bei einer Theaterprobe wegen angeblicher Steuerhinterziehung von der schwedischen Polizei verhaftet. Daraufhin verbrachte er drei Wochen in der Psychiatrie und flüchtete anschließend ins deutsche Exil. Die Anklage wurde später fallen gelassen. Doch Bergman fühlte sich gedemütigt. In jener Zeit entstanden düstere, pessimistische und unversöhnliche Filme wie "Das Schlangenei" (1977) oder "Aus dem Leben der Marionetten" (1980).

Ingmar Bergman hatte zahlreiche Affären, war fünf Mal verheiratet und wurde Vater von neun Kindern. Dass er trotzdem im Geiste immer ein Kind geblieben ist, zeigt sich besonders deutlich an seinem Film "Fanny und Alexander" (1982). Die epische Familiengeschichte wird aus der Kinderperspektive erzählt. Nach dem Tod des Vaters kommen die Geschwister Fanny und Alexander aus einer heimeligen, theateraffinen Welt in die gefühlskalte, puritanisch-sadistische Hölle des Bischofs. Wieder verarbeitet Bergman seine Lebensthemen: Gott, Religion, sexuelle Ausschweifungen, Liebesbeziehungen, Demütigungen, Trennung und Freiheit.
Autor des Hörfunkbeitrags ist Christian Geuenich.

Stand: 12.07.2018, 12:30 Uhr