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Fenster zum Himmel: Ikonensammlung in Recklinghausen

Fenster zum Himmel: Ikonensammlung in Recklinghausen

Von Claudia Friedrich

Ikonen sind Kult und Kunst. Die einen verehren sie, die anderen bestaunen sie, wieder andere sammeln sie. Ein passionierter Ikonensammler ist Reiner Zerlin. Fast 250 Werke übergab er nun dem Ikonen-Museum Recklinghausen.

Lutz Rickelt (Leiter des Ikonen-Museums) in der Kunsthalle

Im einstigen Hochbunker hängt normalerweise zeitgenössische Kunst. Jetzt nutzt ihn der Leiter des Ikonenmuseums Lutz Rickelt als Bühne für eine Ikonensammlung aus Privatbesitz.

Im einstigen Hochbunker hängt normalerweise zeitgenössische Kunst. Jetzt nutzt ihn der Leiter des Ikonenmuseums Lutz Rickelt als Bühne für eine Ikonensammlung aus Privatbesitz.

Eine russische Ikone aus dem 16. Jahrhundert: Erzengel Michael erscheint als ein himmlischer Krieger, gemalt in Eitempera auf Holz.

Eine klassische Rezeptur, in der auch die Samariterin auf der griechischen Ikone gemalt wurde. Sie beugt sich zu Jesus, der links im Bild zu erahnen ist. Eine Szene, die nicht oft auf Ikonen zu sehen ist.

Auch der Heilige Eustathios, Patron der Jäger, ist ein rares Motiv. "Eines meiner Lieblingsstücke", sagt Lutz Rickelt: "Diese Dynamik. Sie ist typisch für die kretische Ikonenmalerei."

In dem klassizistischen Bau des Ikonen-Museums Recklinghausen und seinem Goldkubus aus Beton lagert die bedeutendste Sammlung ostkirchlicher Kunst außerhalb der orthodoxen Länder. Durch die Schenkung von Reiner Zerlin wird der Schatz um fast 250, zum Teil sehr rare und alte Objekte, reicher.

Unter UV-Strahlung begutachtet Eva Haustein-Bartsch, Vorsitzende des Fördervereins Eikon, die verschiedenen Farbschichten, ältere Restaurationen, Schäden, Fälschungen. Auch die museumseigenen Werke werden im rechten Licht besehen.

1955 zeigte die Kunsthalle eine erste Ausstellung mit Ikonen aus Privatbesitz. 55 Jahre später füllt die Schenkung von Reiner Zerlin drei Stockwerke und eine schöne Ecke. Sinnbild für eine Kultur, die heute noch lebt.

Ikonen entstehen auch heute noch in Werkstätten wie im Kloster von Daou Penteli in Griechenland, über dessen Dächern der Doppeladler weht, das Symbol des Byzantinischen Reiches. Die Nonnen, die hier leben und arbeiten, sind berühmt für ihre Bildnisse, gemalt in einer 1500 Jahre alten Tradition.

Auch ein Objekt wie das Weihrauchfass verweist auf die Rituale und liturgischen Abläufe, die die Ostkirche tradiert und pflegt.

In den 42 Kirchen der schroffen Felsenstadt Monemvasia in Griechenland werden Messen gelesen und Ikonen gehütet, denn sie wirken Wunder. In griechisch-orthodoxen Kirchen erlebte der damals 18-jährige Sammler Reiner Zerlin zum ersten Mal Ikonen in ihrem originären Umfeld. Heute lebt der 81-Jährige in Brühl.

Wer ein orthodoxes Gotteshaus besucht, sieht die Ikonostase, die Bilderwand, die den Kirchen- vom Altarraum trennt, den irdischen vom himmlischen Raum. An der Museumswand in Recklinghausen ist die Ikonostase mit Rängen und Flügeltür angedeutet.

"Keine Gestalt ist öfter auf Ikonen anzutreffen als die Mutter Gottes", sagt Lutz Rickelt. Sie ist die Fürsprecherin der Menschen. "Dieser konkrete Typus ist die so genannte Glykofilousa, die süß Küssende."

Der Byzantinist betrachtet die drei Metropoliten Alexius, Peter und Jona, Fürsprecher und Beschützer der Stadt Moskau. "Aus Ikonen erfahren wir so viel über eine Gesellschaft, über Hierarchien, theologische Diskurse, aber auch Alltag, Moden, Volksfrömmigkeit."
Autorin und Fotografin: Claudia Friedrich

Stand: 05.06.2020, 11:40 Uhr