Vor 250 Jahren geboren: Friedrich Hölderlin

Vor 250 Jahren geboren: Friedrich Hölderlin

Wer über die Dichtung der Moderne spricht, wird schwer ohne ihn auskommen: Friedrich Hölderlin. Sein Werk befeuert bis heute den poetischen Diskurs. Vor 250 Jahren wird er in Lauffen am Neckar geboren.

Wohnhaus der Hölderlins in Lauffen wird restauriert

Nach 30 Jahren Leerstand wird das barocke Elternhaus in Lauffen am Neckar aufwendig saniert. Hier verbrachte der kleine Hölderlin seine ersten vier Lebensjahre. Vor 250 Jahren - am 20. März 1770 - wurde Johann Christian Friedrich Hölderlin geboren.

Nach 30 Jahren Leerstand wird das barocke Elternhaus in Lauffen am Neckar aufwendig saniert. Hier verbrachte der kleine Hölderlin seine ersten vier Lebensjahre. Vor 250 Jahren - am 20. März 1770 - wurde Johann Christian Friedrich Hölderlin geboren.

Hölderlins Großvater kaufte ein altes Bauernhaus und erweiterte das Anwesen um den Barockbau. Über die schwarze Leiter gelangt das Publikum des Hölderlinhauses vom Alten ins "Neue".

Eva Ehrenfeld steht im zweiten Obergeschoss. Die Autorin des Buches von "Friedrich Hölderlin und seine Orte" ist die erste Museumsleiterin des Hölderlinhauses in Lauffen. Zum 250. Geburtstag des Dichters am 20. März 2020 sollte es eröffnet werden - was wegen der aktuellen Corona-Krise verschoben werden musste.

Die lebensgroße Bronzestatue des Dichters von 2017 blickt Richtung Stadtkirche, in der Hölderlin konfirmiert wurde. Sein Vater starb, als er zwei Jahren alt war. Im Alter von fünf Jahren zog er mit der Familie nach Nürtingen am Neckar. Dort wuchs Hölderlin auf. In "Mutters Haus" entstanden einige seiner wichtigsten Werke.

Die Klosterschule in Maulbronn: Die Familien von Hölderlins Eltern gehörten dem Stand der "Schwäbischen Ehrbarkeit" an, einer einflussreichen, bürgerlichen Elite. Ihre Söhne besuchten evangelische Klosterschulen. Sie waren der theologische Nachwuchs im protestantischen Württemberg.

"Hölderlin war 16, als er in die ehemalige Zisterzienserabtei kam", sagt Manfred Gessat, Arzt und Literaturforscher. "Der Schulalltag begann 5 Uhr morgens, geprägt von Strenge, schlechtem Essen und kalten Räumen."

Kaum war Hölderlin in Kloster Maulbronn, verliebte er sich in die Tochter des Klosterverwalters. Vom gotischen Bogenfenster aus ist das Haus zu sehen, in dem die Angebetete wohnte.

Von Nürtingen aus lief Hölderlin schon als Kind über sanfte Hügel zu einem verwitterten Sandsteinfels, in dem sich im 16. Jahrhundert Württembergs erster protestantischer Herrscher versteckte. Dem Ort und seinem Mythos widmete Hölderlin ein Gedicht.

Der griechische Dichter und Diplomat Thanassis Lambrou lernte Deutsch, um Hölderlin im Original lesen zu können. Griechenland ist für beide kein geographischer, sondern ein symbolischer Ort. Lambrou übersetzt Hölderlins Werke ins Griechische, auch die so genannten "Turmgedichte".

Die Diagnose "Vorzeitiger Wahnsinn" brachte den 36 Jahre alten Dichter Hölderlin nach Tübingen. Als Entmündigter lebt er mehrere Jahrzehnte in der Turmkammer eines ehemaligen Wehrturms, mit Blick auf die frisch gepflanzten Platanen.

Thomas Schmidt vom Deutschen Literaturarchiv Marbach entwickelte ein neues Konzept für den weltberühmten Hölderlin-Gedenkort. Hier lebte einst die Schreinerfamilie Zimmer, die den kranken Schriftsteller in ihre Obhut nahm.

Hölderlins Tisch im Turmzimmer: Auf den Tisch habe er "mit der Hand geschlagen, wenn er Streit gehabt mit seinen Gedanken", so die Tochter des Schreinermeisters. "Ein Satz, der Hölderlins Verhalten so wunderbar entpathologisiert", sagt Thomas Schmidt.

Am 7. Juni 1843 starb Friedrich Hölderlin in Tübingen. Ein Augenzeuge berichtete: "Die in der Zimmerei, wo Hölderlin 36 Jahre gelebt und auch gestorben ist, wohnenden Studenten trugen den Sarg auf dem Kirchhofe."

Stand: 18.03.2020, 18:12 Uhr