Großbauten aus Beton - Blick zurück und nach vorn

Großbauten aus Beton - Blick zurück und nach vorn

In den 1960ern und 70ern wollten Architekten die Utopie eines lebenswerten Lebens in Beton umsetzen. Mit Großbauten, in denen man arbeiten, wohnen und leben konnte. Scala schaut nach, was aus der Umsetzung in NRW geworden ist.

Ruhr Universität Bochum

Die Ruhr-Universität Bochum ist schon mit Kreuzfahrtschiffen verglichen worden. Es scheint, als würden die Gebäude vorwärtsdampfen. Das war sicher auch die Idee der Architekten. Denn die Ruhr-Universität war die erste Hochschule im Ruhrgebiet, gebaut für die Masse der Arbeiterkinder, die vorher kaum Zugang zu akademischer Bildung hatten.

Die Ruhr-Universität Bochum ist schon mit Kreuzfahrtschiffen verglichen worden. Es scheint, als würden die Gebäude vorwärtsdampfen. Das war sicher auch die Idee der Architekten. Denn die Ruhr-Universität war die erste Hochschule im Ruhrgebiet, gebaut für die Masse der Arbeiterkinder, die vorher kaum Zugang zu akademischer Bildung hatten.

Zwischen Bau- und Arbeitsbeginn (1965) im ersten Gebäuderiegel lagen nur anderthalb Jahre. Möglich machte das ein einheitliches Raster, wodurch überall die gleichen Teile verwendet werden konnten. Nicht jeder mag den industriellen Look der Ruhr-Universität. Die Gebäude sind nicht nostalgisch gestaltet, sondern funktional und bewusst modern. Rund 43.000 Menschen studieren heute hier. Doppelt so viele wie ursprünglich geplant.

In der Scharoun-Schule in Marl sollen Kinder gerne lernen und sich zu selbstbewussten Demokraten entwickeln, so die Vision des Berliner Star-Architekten Hans Scharoun. Er setzte Mitte der 1960er Jahre mit dem Gebäude ein Zeichen des Aufbruchs und der Moderne. In den Räumen der Scharoun-Schule ist klassischer Frontalunterricht kaum denkbar.

Hans Scharoun gestaltete die Schule wie ein überdachtes Dorf und vermied hier und da den rechten Winkel. Die Klassenzimmer sind fast rund. Außerdem spielt die Belichtung der Räume eine große Rolle. Durch Oberlichter, warme Farben und Blick ins Grüne entsteht ein angenehmes Lernklima.

Das Grugabad in Essen ist eine Utopie des Schwimmens: Große Becken, große Liegeflächen. Wenn es heiß ist, können bis zu 7.500 Besucher die 25.000 Quadratmeter große Liegefläche nutzen. Entworfen wurde das Bad vom Architekten Gerd Lichtenhahn, der auch die Grugahalle baute.

Allerdings hat das Grugabad schon bessere Zeiten gesehen. Es bröckelt so wie viele Gebäude der 60er und 70er Jahre. Die Sanierung könnte teuer werden - besonders wenn der Antrag auf Denkmalschutz bewilligt wird.

Der Dortmunder Fernsehturm, kurz Florian genannt, wurde 1959 zur Landesgartenausstellung eröffnet. Der kombinierte Fernseh- und Aussichtsturm - vom Architektenbüro Will Schwartz gebaut - war zu diesem Zeitpunkt einzigartig. Er ist bis heute das Wahrzeichen der Stadt.

209 Meter hoch ist die Antennenspitze. Über 762 Stufen kann man die 140 Meter hohe Aussichtsplattform erreichen - oder mit dem Aufzug. Rund 1000 Besucher genießen an sommerlichen Sonntagen die Aussicht.

In Gelsenkirchen ist die Vergangenheit größer als die Gegenwart. Das Musiktheater im Revier zeigt die einstige Größe der Stadt in besonderer Weise: Ein Opernhaus mit 1000 Plätzen, gebaut Ende der 1950er Jahre, als Gelsenkirchen ganz vorne war. Dabei erinnert das Gebäude gar nicht an einen 50er-Jahre-Bau, sondern wirkt nach wie vor zeitlos und modern. Es ist ein großer Kubus, fast rundum aus Glas.

Dahinter steckt ein Konzept. Denn das Haus sollte die Schranken vor der Hochkultur abbauen und genau das sollen die offenen Wände symbolisieren. Architekt Werner Ruhnau hatte das Konzept mit nach Gelsenkirchen gebracht, in eine Stadt, in der es damals nur wenige Akademiker gab und die Oper kein großes Publikum hatte.

Stand: 24.08.2018, 13:41 Uhr