Kommentar: Erstmal kein Gender*sternchen im Duden

Vorerst kein Gender*sternchen im Duden

Kommentar: Erstmal kein Gender*sternchen im Duden

Von Markus Brügge

Es ist sehr einfach, sich über die Forderung lustig zu machen, Menschen jenseits der klassischen Geschlechtszuordnung sollten sprachlich sichtbar sein: Dieser hässliche Unterstrich! Dieses seltsame Gendersternchen! Und wie spricht man das überhaupt?

Auffällig dabei ist, dass es fast immer Männer sind, die aufstöhnen und Geschlechtergerechtigkeit in der Sprache ablehnen. Getreu dem Motto: "War immer schon so, bleibt so", sperren sie sich gegen den Wandel.

Doch neben der Frage, wie Intersexuelle oder non-binäre Menschen ihren Platz in unserer Sprachwelt finden könnten, steckt noch ein viel größeres Thema in der Diskussion: Ob und wie Frauen das eigentlich tun.

Kommentar: Vorerst kein Gender*sternchen im Duden

WDR 5 Scala - aktuelle Kultur | 11.06.2018 | 02:16 Min.

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Groß war das Empören, als die Uni Leipzig vor einigen Jahren ankündigte, nur noch die Bezeichnung "Professorin" zu verwenden. Ja, wo kommen wir denn da hin, maulten die Kritiker? Soll es jetzt etwa "Herr Professorin" heißen? Dass Jahrzehnte lang die "Frau Professor" im Hörsaal stand, störte die Kritiker natürlich nicht. Ebensowenig wie der Umstand, dass die Frau Professor Studenten unterrichtete. Aber schließlich waren doch die Studentinnen immer mitgemeint, nicht wahr?

Nein, es ist nicht leicht, eine Sprache gerechter zu machen. Die Versuche wirken oft holprig und wenn ich mich jetzt an Sie, liebe Hörer*innen (und Leser*innen!) wende, dann muss ich eine seltsame Pause machen (nicht beim Schreiben!), damit Sie das Gendersternchen auch bemerken.

Und nein, nicht alles, was da an Vorschlägen kommt, ist alltagstauglich, denn Sprache dient natürlich der Verständigung und daran muss sich auch die geschlechtergerechte Sprache messen lassen.

Aber mal ehrlich: Wem fällt eigentlich ein Zacken aus der Krone, wenn er in seinen Mails die Kolleg*innen anschreibt? Zumal das Sternchen geschrieben nun wirklich nicht stört. Ich persönlich finde es sogar sehr hübsch.

Vielleicht hilft Ihnen zur Gewöhnung ja, wenn Sie das Gendersternchen als Fleißsternchen für das Bemühen sehen, dass alle Menschen, Frau, Mann, keins von beidem oder beides, sich in unserer Sprache aufgehoben fühlen. Denn Worte schaffen Wirklichkeit. Und es ist höchste Zeit, dass diese Wirklichkeit allen gehört.