Nachtclubs als Gesamtkunstwerke

Nachtclubs als Gesamtkunstwerke

Andy Warhol soll im legendären New Yorker "Studio 54" quasi gewohnt haben. Nachtclubs und Diskotheken gelten als Epizentren der Popkultur. Eine Ausstellung im Vitra Design Museum in Weil am Rhein widmet sich dieser Faszination.

Installationsansicht im Vitra Design Museum zur Ausstellung "Night Fever"

Ein Blick ins Vitra Design Musem in Weil am Rhein: Zahlreiche Fotos, Möbel und Modelle, alte Filmdokumente, Musik und Lichteffekte entführen in die Welt der Nachtclubs und Diskotheken – eine Kulturgeschichte von den 1960er Jahren bis heute. Und natürlich dürfen Glitzerkugel und John Travolta nicht fehlen: Der Film "Saturday Night Fever" 1977 markiert den Höhepunkt der Discowelle.

Ein Blick ins Vitra Design Musem in Weil am Rhein: Zahlreiche Fotos, Möbel und Modelle, alte Filmdokumente, Musik und Lichteffekte entführen in die Welt der Nachtclubs und Diskotheken – eine Kulturgeschichte von den 1960er Jahren bis heute. Und natürlich dürfen Glitzerkugel und John Travolta nicht fehlen: Der Film "Saturday Night Fever" 1977 markiert den Höhepunkt der Discowelle.

Nachtclubs waren und sind Gesamtkunstwerke – darauf macht die Ausstellung aufmerksam. Einrichtung und Design spielen eine große Rolle: Das "Space Electronic" wurde 1969 in einer ehemaligen Werkstatt in Florenz eröffnet. Waschmaschinentrommeln dienten als Hocker. Ein Fallschirm wurde von der Decke abgehängt.

Gäste im legendären, mythosumwobenen "Studio 54" in New York (1979): der wohl weltweit berühmteste Club überhaupt. Er wurde zum beliebten Treffpunkt für Idole des damals einsetzenden Starkults. Ein Ort für Sehnsüchte und Legenden: Grace Jones kam nackt, Bianca Jagger mit einem Pferd ins Studio geritten

Innenansicht des Clubs "Haçienda" in Manchester: Der Architekt und Designer Ben Kelly gestaltete 1982 diesen Club – einer der ersten in Europa, der House-Musik spielte. Heute befinden sich Luxusappartements am Ort des ehemaligen Clubs.

Nach dem Fall der Mauer wurde Berlin in den frühen 1990er Jahren zur Techno-Hochburg. Clubs entstanden in verlassenen und heruntergekommenen Räumen, die neue Freiräume boten. Der "Tresor" war der erste Techno-Club in Berlin. Er wurde 1991 im unterirdischen Tresorraum eines ehemaligen Kaufhauses eröffnet. Seinen Gründungsort musste er 2005 verlassen und befindet sich seit 2007 in einem ehemaligen Heizkraftwerk.

Der Nachtclub als Bühne: "Les Bains Doches" im Paris der 1990er Jahre. Die guten Clubs, so heißt es, haben immer mehr geboten als nur eine Tanzfläche und einen halbwegs passablen DJ. Eben ein Gesamtkunstwerk.

Der Nachtclub als Ort der Kunst: Keith Haring steht 1985 vor seinem Wandbild "Pyramid Wall" im "Area" in New York. Die New Yorker Clubs boten jungen Künstlern neue Möglichkeiten, hier begannen die Karrieren von Keith Haring und Jean-Michel Basquiat.

Sehen und gesehen werden, eintauchen in schillernde, unwirkliche Welten – im Bild eine Calvin Klein Party 1978 im "Studio 54". Früher waren die Clubs der Ort, wo die neueste Musik gehört wurde. Heute greift das Internet auch das an. Die Freiräume werden kleiner. Die Mieten in den großen Städten steigen und steigen, viele Clubs müssen deswegen schließen. Auch das "Studio 54" hat seine legendären Zeiten lange hinter sich.

Die Faszination bleibt: Eine neue Generation von Architekten setzt sich mit der Kultur der Nachtclubs auseinander, entwirft neue Konzept. So wie das Architektur- und Design Studio "Akoaki", das 2014 mit seiner mobilen DJ Kanzel "The Mothership" auf die reiche Clubgeschichte seiner Heimat Detroit aufmerksam macht. Clubs werden neu gedacht, oft als mobile Orte konzipiert.

Stand: 28.03.2018, 14:22 Uhr