Studiogast Deluxe: Sebastian Krämer

Montage: Sebastian Krämer; Rechte: Gerald von Foris

Studiogast Deluxe: Sebastian Krämer

Sebastian Krämer bezeichnet sich selbst als Chansonnier "gegen eine Zeit, wo Chanson nur ein anderes Wort für Popmusik unter schlechten Produktionsbedingungen und Kabarett mehr und mehr zur Selbsthilfegruppe für anonyme SPD-Mitglieder wird".

Aber egal ob wir ihn nun Chansonnier, Kabarettist oder sonst wie nennen wollen, der zweifache Poetry-Slam Meister und Träger beinahe jeden Kabarettpreises glänzt in allen Disziplinen und hat sich mit seinen 42 Jahren schon längst einen Stammplatz im Kleinkunst-Olymp erspielt.

In Satire Deluxe lässt Sebastian Krämer die beiden Moderatoren am aktuellen Forschungsstand seiner „romantischen Studien im Selbstversuch“ teilhaben, die gleichzeitig den Stoff für sein neues Album „Lieder wider besseres Wissen“ lieferten.

Als besonderen Service für die WDR-5-Hörer gibt es die Standardvorlage zum Abbestellen eines ungeliebten Newsletters – natürlich in typischer Krämer-Manier: witzig, wortgewandt und stets höflich.

Wenn Ihnen also der 150. ungefragt erhaltene Newsletter mal wieder richtig auf den Senkel geht, copy/pasten Sie doch einfach diese Antwort:

Standard-Vorlagen für nicht abzusendende Briefe

1. Den Webwerber nicht darüber in Kenntnis setzen, daß man seinen Newsletter nicht länger erhalten möchte.

Sehr geehrte Damen und Herren!

Ich möchte Ihren Newsletter nicht mehr erhalten. Dazu, Ihnen davon Mitteilung zu machen, fehlt mir aber die Kraft. Ich ärgere mich über Ihre elektronische Post, müßte aber selbst welche erzeugen, über die Sie sich dann gewiß auch ärgern würden. Die Möglichkeit, den Newsletter per Button abzustellen, ist mir bekannt, sie ändert aber nichts daran, daß Sie von dem Vorgang direkt oder indirekt im Zuge informatischer Kommunikation Kenntnis gewinnen und sich darüber ärgern würden. Ich will die Spirale des Ärgers nicht weitertreiben, nein, einer muß mal Schluß machen mit dem Ärgern. Dann schon lieber erdulden, daß Sie mir weiterhin mehrmals in der Woche Ihren Mist schicken. Die Frustration, die Sie empfinden müssen, wenn Sie erfahren, daß ich nichts mehr von Ihnen wissen will, frustriert mich selbst als antizipierte so sehr, daß ich es nicht übers Herz bringe.

Ich nehme Anlauf zum Befreiungsschlag, und ertappe mich dann dabei, wie ich Ihre anbiedernden Botschaften Satz für Satz lese, angefangen mit der Anrede meines mir so verhaßten Vornamens, den ich einzig zu diesem Zweck zu tragen scheine, daß bemühte Verkäufer ihn mir entgegenschmatzen können, über wenig überraschende Informationen bezüglich der gerade herrschenden Jahreszeit „Der Frühling ist da“, bis hin zu ausufernden Lobpreisungen der Ihnen anvertrauten Ladenhüter.

An guten Tagen reichen die grammatischen und gedanklichen Unzulänglichkeiten hin zur Erheiterung, an schlechten rauscht der Sermon durch wie aufgeweichtes Klopapier. Und, Sie ahnen es, während ich lese, schwindet jeder Eifer, mich zu verweigern, überwiegt das Mitleid mit Ihnen, mit Menschen, die Ihre Kreativität und ihre Arbeitskraft in die Erstellung solcher Akquise gießen. Ich erkenne nicht ohne Dankbarkeit, wie viel besser es mir solches nur Lesenden und nicht etwa Schreibenden doch geht und lasse Ihnen das Ärgernis noch einmal durchgehen. Und noch einmal und noch einmal.

Ich ahne überdies, daß Sie es nicht auf sich sitzen lassen würden, eine unbegründete Abfuhr zu erhalten. Sie würden wissen wollen, wieso. Sie würden mir einen Fragebogen schicken, um zu erfahren, was Sie falsch gemacht haben. Wie Sie Ihren Service verbessern können. Die bloße Vorstellung eines solchen halbautomatischen Dialogs erschöpft mich zutiefst. Ich würde den Kampf wohl gewinnen, ich würde Sie dazu zwingen können, mich nicht mehr anzuschreiben, doch es wäre ein Phyrrussieg, zu teuer erkauft, um als Sieg noch gelten zu dürfen.

An Sie ergeht daher meine eindringliche aber ungelesene Bitte, von der weiteren Zusendung Ihrer Newsletter auch ohne meine dahingehende Weisung freundlichst abzusehen.

Ohne Grüße,
- Name einsetzen -

Studiogast Deluxe: Sebastian Krämer

WDR 5 Satire Deluxe - Beiträge | 27.01.2018 | 13:01 Min.

Download

Mehr von Sebastian Krämer