Kriegserklärung Deluxe

Landkarte mit Notizen zum nahen Osten; Rechte: WDR

Kriegserklärung Deluxe

Syrienkrieg? Viel zu kompliziert! Der Deutsche guckt lieber Dschungelcamp – ist auch widerlich, auch weit weg und taugt für etwas Wohnzimmer-Grusel. Einziger Unterschied: Der Syrienkonflikt hilft noch unseren Waffenexporten! 

Axel Naumer, Henning Bornemann und unser dieswöchiger Ehren-Scholl-Latour Michael Lohse blicken in die Abgründe und auf die Verlogenheit des Westens im Syrienkrieg. Ganz im Ernst, ganz satirisch, ganz schön fassungslos.

Zur Erholung gibt´s Themen von großer globaler Gleichgültigkeit, deutsche Innenpolitik zum Beispiel. Und, einzig mögliche Steigerung der Bedeutungslosigkeit: Deutsche Innenpolitik mit SPD-Beteiligung. Dass sich SPD-Schulz direkt zu Beginn der Koalitionsgespräche gegen befristete Arbeitsverträge stark macht, wundert niemanden – schließlich ist Schulz prominentester Betroffener eines ganz schön befristeten Jobs.

Hintergrund Deluxe: Die aktuelle Lage in Syrien

WDR 5 Satire Deluxe - Beiträge | 27.01.2018 | 07:37 Min.

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Kriegserklärung Deluxe

WDR 5 Satire Deluxe | 27.01.2018 | 56:41 Min.

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Zu Gast im Studio ist Sebastian Krämer. Der Chansonnier und zweifache Poetry-Slam-Meister hat einen Text mitgebracht, der Ihr Leben verändern wird: So bestellen Sie JEDEN Werbenewsletter ab – höflich, eloquent und unwiderruflich. Hier zum Copy-und-Pasten und wenn Sie sich trauen: auch zum Abschicken.

Standard-Vorlagen für nicht abzusendende Briefe

1. Den Webwerber nicht darüber in Kenntnis setzen, daß man seinen Newsletter nicht länger erhalten möchte.

Sehr geehrte Damen und Herren!

Ich möchte Ihren Newsletter nicht mehr erhalten. Dazu, Ihnen davon Mitteilung zu machen, fehlt mir aber die Kraft. Ich ärgere mich über Ihre elektronische Post, müßte aber selbst welche erzeugen, über die Sie sich dann gewiß auch ärgern würden. Die Möglichkeit, den Newsletter per Button abzustellen, ist mir bekannt, sie ändert aber nichts daran, daß Sie von dem Vorgang direkt oder indirekt im Zuge informatischer Kommunikation Kenntnis gewinnen und sich darüber ärgern würden. Ich will die Spirale des Ärgers nicht weitertreiben, nein, einer muß mal Schluß machen mit dem Ärgern. Dann schon lieber erdulden, daß Sie mir weiterhin mehrmals in der Woche Ihren Mist schicken. Die Frustration, die Sie empfinden müssen, wenn Sie erfahren, daß ich nichts mehr von Ihnen wissen will, frustriert mich selbst als antizipierte so sehr, daß ich es nicht übers Herz bringe.

Ich nehme Anlauf zum Befreiungsschlag, und ertappe mich dann dabei, wie ich Ihre anbiedernden Botschaften Satz für Satz lese, angefangen mit der Anrede meines mir so verhaßten Vornamens, den ich einzig zu diesem Zweck zu tragen scheine, daß bemühte Verkäufer ihn mir entgegenschmatzen können, über wenig überraschende Informationen bezüglich der gerade herrschenden Jahreszeit „Der Frühling ist da“, bis hin zu ausufernden Lobpreisungen der Ihnen anvertrauten Ladenhüter.

An guten Tagen reichen die grammatischen und gedanklichen Unzulänglichkeiten hin zur Erheiterung, an schlechten rauscht der Sermon durch wie aufgeweichtes Klopapier. Und, Sie ahnen es, während ich lese, schwindet jeder Eifer, mich zu verweigern, überwiegt das Mitleid mit Ihnen, mit Menschen, die Ihre Kreativität und ihre Arbeitskraft in die Erstellung solcher Akquise gießen. Ich erkenne nicht ohne Dankbarkeit, wie viel besser es mir solches nur Lesenden und nicht etwa Schreibenden doch geht und lasse Ihnen das Ärgernis noch einmal durchgehen. Und noch einmal und noch einmal.

Ich ahne überdies, daß Sie es nicht auf sich sitzen lassen würden, eine unbegründete Abfuhr zu erhalten. Sie würden wissen wollen, wieso. Sie würden mir einen Fragebogen schicken, um zu erfahren, was Sie falsch gemacht haben. Wie Sie Ihren Service verbessern können. Die bloße Vorstellung eines solchen halbautomatischen Dialogs erschöpft mich zutiefst. Ich würde den Kampf wohl gewinnen, ich würde Sie dazu zwingen können, mich nicht mehr anzuschreiben, doch es wäre ein Phyrrussieg, zu teuer erkauft, um als Sieg noch gelten zu dürfen.

An Sie ergeht daher meine eindringliche aber ungelesene Bitte, von der weiteren Zusendung Ihrer Newsletter auch ohne meine dahingehende Weisung freundlichst abzusehen.

Ohne Grüße,
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