Nordspanien - Sidra, Surfen, Pilgern

Nordspanien - Sidra, Surfen, Pilgern

Von Lena Gilhaus

Am liebsten fährt WDR 5 Autorin Lena Gilhaus mit dem Auto nach Nordspanien und dann die Landstraße an der Küste entlang. Sie nimmt uns mit auf ihren Roadtrip vom Baskenland, nach Kantabrien bis Asturien.

La Concha in San Sebastian

Zwischen Pyrenäen und Atlantik liegt San Sebastian, die Hauptstadt der baskischen Provinz Gipuzkoa. Die 200.000 Einwohner große Metropole liegt an zwei Buchten. Rechts liegt der Strand "Zurriola", beliebt bei Surfern wegen der guten Wellenbedingungen, hier die vornehme mondäne Badebucht – "La Concha" – die Muschel, mit Kurhotels, Strandpromenade und edlen Restaurants. Die Grundsteuer, die in Spanien ausländische Immobilienbesitzer zahlen müssen, scheint hier nicht allen zu gefallen. Die Gegner der IBI – so heißt die Steuer – nutzen den Sand als Protestmedium.

Zwischen Pyrenäen und Atlantik liegt San Sebastian, die Hauptstadt der baskischen Provinz Gipuzkoa. Die 200.000 Einwohner große Metropole liegt an zwei Buchten. Rechts liegt der Strand "Zurriola", beliebt bei Surfern wegen der guten Wellenbedingungen, hier die vornehme mondäne Badebucht – "La Concha" – die Muschel, mit Kurhotels, Strandpromenade und edlen Restaurants. Die Grundsteuer, die in Spanien ausländische Immobilienbesitzer zahlen müssen, scheint hier nicht allen zu gefallen. Die Gegner der IBI – so heißt die Steuer – nutzen den Sand als Protestmedium.

Daniela Garreton ist Chilenin und lebt seit 2010 in San Sebastian, wo sie ihre beiden Leidenschaften "Meer" und "Malen" auslebt. Mit ihren Motiven drückt sie ihre Faszination für das Baskenland aus, für die schroffen Felsen, den wilden Atlantik und für die harten Seemänner, die sich in der Bucht von Biskaya durch Wind und Wellen kämpfen. Mittlerweile drucken Fashion- und Sportlabels ihre Motive auf Klamotten oder Surfbretter.

San Sebastian ist berühmt für seine Pintxobars. Pintxos sind die baskischen Tapas, Baguettescheiben mit Kaviar, Fisch, Tortilla, Schinken oder Meeresfrüchten drauf, drapiert wie kleine Kunstwerke. Die Theken in den Bars sind damit regelrecht zugebaut. Beim Betreten eröffnet sich den Gästen ein wahres Schlaraffenland.

Unter dicken Schinken, die von der Decke baumeln, fliegen dann die Pintxos der Wahl auf den Teller und der Txakoli, der säuerlich-sprudelige Weißwein der Basken, ins Glas.

Während der Fiestas Vascas Mitte August aber auch an anderen Tagen im Jahr ziehen "Los Gigantes" - die Giganten - durch San Sebastians Altstadt. Die überlebensgroßen Pappmascheefiguren symbolisieren die klassischen baskischen Gewerke: Bauern, Köche oder Walfänger. Mit im Gefolge sind die "Cabezudos", die Riesenköpfe, auch aus Pappmaschee. Die schlagen mit aufgepusteteten Schweineblasen auf die Passanten ein und verbreiten damit Angst und Schrecken.

Auf der großen "Plaça" im Zentrum des Küstenstädtchens "Zarautz", wird der Autonomiewunsch vieler Basken sichtbar. "Tourist bedenke! Das ist weder Spanien noch Frankreich. Du bist im Baskenland", steht auf einem Plakat, darunter die Zahl 280 und: "Befreit sie alle." Damit sind die politischen Gefangenen der ETA gemeint. Die Terrororganisation hat über Jahrzehnte mit Gewalt für die Unabhängigkeit des Baskenlands gekämpft. Seit Mai 2018 ist die ETA aber aufgelöst. Viele baskische Gefangene bleiben seit Jahren hunderte Kilometer vom Baskenland entfernt inhaftiert. Dagegen gehen immer wieder tausende Basken auf die Straße.

Alvaro Bayona Baqués – Spitzname Alvin – ist querschnittsgelähmt und Surfer. Bei einem Snowboardausflug in den Pyrenäen ist Alvin in eine Lawine geraten, wurde schwer verletzt, kann seine Beine seitdem nicht mehr bewegen. Aber vom Extremsport lässt er sich nicht abhalten und hat seinen ganz eigenen Surfstil kreiert. Mit seinem Surfbrett auf den Knien wuchtet er sich im Rolli durch den Sand bis zur Wasserkante, lässt sich in die Wellen plumpsen und paddelt raus, reitet die Wellen dann liegend ab. Am liebsten surft er in Kantabrien. "Hier kannst du eine Welle nach der anderen surfen – hier ist es das reinste Kinderspiel", sagt Alvin.

Und Richtung Kantabrien führt jetzt auch Lena Gilhaus' Route  – durch Bilbao mit dem Guggenheim-Museum. Das dekonstruktivistische Gebäude, das auf einer Insel im Fluss Nervión steht, ist hauptsächlich aus Glas, Titan und Kalkstein gebaut und wird bewacht von einer riesigen langbeinigen Spinnenskulptur und einem noch größeren mit Blumen bepflanzten Hund, der vor dem Eingang sitzt. Auf 11.000 Quadratmetern zeigt das Museum für moderne Kunst überwiegend Installationen und Videokunst – mitunter atemberaubend spektakulär.

In Langre bei Santander fällt die grüne Hügellandschaft zu einer dramatischen Steilküste ab, der wunderschöne Wellen entgegen eilen. Hier drängeln sich Surfer an Kühen vorbei zum Strand – und an Pilgern. Der Hype um den Jakobsweg hat auch die weniger populäre Strecke an der Atlantikküste entlang erreicht. Oben auf den Steilklippen verläuft der Camino de la Costa und darauf sind immer mehr Pilger aus der ganzen Welt Richtung Santiago de Compostela unterwegs.

"Wer zuerst kommt, mahlt zuerst", das Motto beim Pilgern. Um sich ein Bett in der Herberge zu sichern, legen die Pilger der Reihe nach ihre Rucksäcke vor den Eingang, bis Herbergsvater oder -mutter öffnen. Wenn nicht alle Betten reichen, bleibt für die Letzten in der Reihe vielleicht noch ein Feldbett oder der blanke Boden. Sonst müssen sich die erschöpften Jakobspilger nochmal aufraffen und weiterwandern, bis in den nächsten Ort.

Am Wegesrand liegen immer wieder wunderschöne Campingplätze. So wie hier in Oyambre zwischen Comillas und San Vicente de la Barquera in Kantabrien auf einem kleinen Plateau  über dem Strand. Von ihrem Zelt aus kann die surfende WDR 5 Autorin Lena Gilhaus bei einem Kaffee den Sonnenaufgang über dem Meer genießen, bevor sie mit ihrem Surfbrett gleich in die Fluten springt und ein neuer traumhafter Tag in Nordspanien beginnt.

Stand: 12.09.2018, 14:10 Uhr