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Zwei Staaten, viele Jubiläen: Tschechien und die Slowakei

Prag mit Prachtbauten und der Moldau

Zwei Staaten, viele Jubiläen: Tschechien und die Slowakei

Die tschechoslowakische Republik, die von 1918 bis 1993 bestand, löste sich vor 25 Jahren friedlich auf. Heute im Jahr 2018 gedenken Tschechien und die Slowakei dieses unglaublichen Ereignisses.

Die Acht hatte eine magische Bedeutung in der Geschichte der Tschechoslowakei: 1918, also vor 100 Jahren, wurde der erste gemeinsame Staat gegründet. Sein vorübergehendes Ende kam 1938 durch Hitlers Annexion der Sudetengebiete. Im Jahr 1948 erlebte die nach dem Zweiten Weltkrieg wiedervereinte Nation die Machtübernahme der Kommunistischen Partei. Und das Jahr 1968 steht für die zerstörte Hoffnung des Prager Frühlings. Die wechselhafte Geschichte der Tschechoslowakei gipfelte in einer friedlichen Trennung, die sich 2018 zum 25. Mal jährt.

Autorin: Antje Zimmermann

Redaktion: Ursula Daalmann

Impressionen einer historischen Spurensuche

Antje Zimmermann hat sich auf eine historische Spurensuche in Tschechien und der Slowakei begeben und ist dabei zu erstaunlichen Orten und Erkenntnissen gekommen.

Prag mit Prachtbauten und der Moldau

Die "goldene Stadt" hat eine sehr politische Seite. Fast alle relevanten Ereignisse in Prags Geschichte haben sich auf dem Wenzelsplatz abgespielt: kurioserweise alle in "Achterjahren": 1918 wurde hier der tschechoslowakische Staat verkündet. 1948 übernahmen Kommunisten die Herrschaft und 1968 scheiterte der Prager Frühling.

Die "goldene Stadt" hat eine sehr politische Seite. Fast alle relevanten Ereignisse in Prags Geschichte haben sich auf dem Wenzelsplatz abgespielt: kurioserweise alle in "Achterjahren": 1918 wurde hier der tschechoslowakische Staat verkündet. 1948 übernahmen Kommunisten die Herrschaft und 1968 scheiterte der Prager Frühling.

Das slowakische Haus in Prag versteht sich als Kulturbotschaft. Die aktuelle Ausstellung zeigt traditionelle Hauben. Jede ist anders und repräsentiert einen anderen Landesteil der Slowakei. Die Trachten, die die Schönheiten auf den Fotos tragen, signalisieren, dass sie unverheiratet sind. Damit das Ganze aber nicht zu aus der Zeit gefallen daherkommt, gibt es das hollywoodreife Make-up.

Rund um den Wenzelsplatz wird gebaut. Einer der Bauzäune fällt sofort ins Auge: Statt greller Werbeplakate und hässlicher Schmierereien bietet er anspruchsvollen Geschichtsunterricht.

Brünn ist erfrischend: anders als Prag, weniger überlaufen, weniger überteuert und weniger zu Tode fotografiert; dafür voller architektonischer Schätze und von der geografischen Lage im Dreiländereck geprägt.

Die Villa Tugendhat wurde in den Jahren 1929/1930 von dem deutschen Architekten Ludwig Mies van der Rohe erbaut. Der Tscheche Vaclav Klaus und der Slowake Vladimir Meciar wählten sie als Verhandlungsort für die Trennung der beiden Staaten. Im Jahr 2001 wurde die Villa zum Weltkulturerbe erklärt, ein Meisterwerk klassischer moderner Architektur.

Auch der Garten spielt eine große Rolle in der Gesamtkonzeption von Mies van der Rohe. Er ist vor allem leer, mit einer riesengroßen Wiese. Dieser Stil wird als sogenannte "Betonte Leere" bezeichnet.

Als die Villa Tugendhat gebaut wurde, war Brünn bereits ein Mekka avantgardistischer Architektur. Auch deshalb lohnt sich ein längerer Aufenthalt in der zweitgrößten tschechischen Stadt. Privathäuser und öffentliche Gebäude entstanden im Stil des sogenannten Funktionalismus: "form follows function" - wie die Alpha-Passage in der Fußgängerzone.

Luhačovice ist der größte und bekannteste Kurort in Mähren. Er bietet einen spektakulären Architektur-Mix. Neben den für die Region typischen funktionalistischen Gebäuden stehen verspielte kleine Schlösschen. Mit rosa Fassaden, kleinen Türmen und Sprossenfenstern, geschaffen von dem slowakischen Architekten Dušan Jurkovič.

Manchmal werden die funktionalistischen Gebäude auch als "sozialistischer Funktionalismus" bezeichnet. Dieses Gebäude in Luhačovice steht unter Denkmalschutz.

Die wuchtige Pressburg thront auf einem Felsen. Und zu ihren Füßen schlängelt sich die Donau durch die Stadt. Motiv für die Trennung der beiden Staaten war in der Slowakei auch das Gefühl, dass Bratislava stets im Schatten von Prag lag.

Bei der eiligen Staatsgründung fehlte den Slowaken noch ein geeignetes Gebäude für das neue Staatsoberhaupt. Und so musste der erste Präsident Kováč provisorisch im zweiten Stock dieses ehemaligen Bischofspalais einziehen – zusammen mit dem Oberbürgermeister der Stadt, der im ersten Stock residierte.